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Aufklärungs-Film mit Joko und Klaas: Organspender werden zu "Helden der Nation"

Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind die Hauptdarsteller in einem Organspende-Film. Ein todernstes Thema - ein wenig lustig ist es auf der Premiere von "Entscheidend ist die Entscheidung" in Berlin aber trotzdem.

Von Beke Detlefsen

Premiere des Organspende-Films: Jürgen Vogel, Joko Winterscheidt und andere prominente Junge Helden

Quatsch machen für einen guten Zweck: die Schauspieler Jürgen Vogel, Xenia Assenza, Jennifer Ulrich und der Moderator Joko Winterscheidt (v.l.n.r.) präsentieren den Organspende-Film "Entscheidend ist die Entscheidung" vom Verein Junge Helden am Montag in Berlin  

Ein dunkler Kinosaal, gefüllt mit jungen, schönen Menschen. Es gibt Rhabarbersaftschorle und süße Limo. Aufgeregtes Getuschel, ab und zu ein lautes, explosives Lachen. Wer sitzt denn da im Publikum? ProSieben-Zuschauer, ehemalige MTV-Gucker und die meisten deutschen Teenies dürften ihn sofort erkennen: Joko Winterscheidt. Das wird eine crazy Veranstaltung.  

Weit gefehlt. Wir befinden uns bei der Premiere des Films "Entscheidend ist die Entscheidung" vom Verein Junge Helden. Es geht um Organspende und den Organspende-Ausweis. Das ist todernst. Als der Film beginnt, ist es still im Kinosaal 5 des Cinemaxx am Potsdamer Platz.  

"Entscheidend ist die Entscheidung" nimmt den Zuschauer an die Hand. Die Schauspielerin Xenia Assenza stellt als unwissende Party-Besucherin den zwei Barkeepern Joko und Klaas einfache, aber beklemmende Fragen. Warum ist es so wichtig bei der Organspende eine Entscheidung zu treffen? Welche Gesetze gibt es in Deutschland zur Organspende? Wie genau läuft eine Organspende ab? Der Film soll Schulklassen aufklären. Eine Kampagne.

Prominente Spaßvögel als Organspende-Botschafter

Verschiedene Interviews, unter anderem mit Frank-Walter Steinmeier, informieren über die politischen Hintergründe oder die Hirntod-Diagnose. Eine Tricksequenz verdeutlicht den Ablauf der Organspende. 30 Minuten dauert der Film. In Youtube-Zeiten eine Ewigkeit. Angesichts der Schwere des Themas fast schon zu kurz.

Ab und zu gibt es dennoch etwas zu lachen. Wenn Joko der Cocktail-Shaker aus der Hand fällt oder Klaas einen Witz reißt. Doch am Ende ist es wieder still im großen Kinosaal. Der Film endet mit dem Gedenken an Claudia Kotter, die vor über 12 Jahren Junge Helden ins Leben rief. Eine Spenderlunge hatte ihr vier weitere Jahre Leben geschenkt. 2013 starb die 30-Jährige überraschend an Herzversagen. Bei dem Thema Organspende ist der Tod immer präsent.

Was treibt die Halligalli-Spaßfraktion, Joko und Klaas, sich damit zu beschäftigen? Wo ist das grunzende Walross mit dem nackten Hintern? Wann fällt das Konfetti von der Decke? 

Aufklärungsarbeit mit viel Quatsch und ohne Zeigefinger

"Wir machen unsere Aufklärungsarbeit ganz ohne den erhobenen Zeigefinger", sagt Joko: "Wir sagen: denk einfach mal darüber nach. Habe eine Meinung. Das ist doch total easy. Und wenn du am Ende das Nein auf dem Organspende-Ausweis ankreuzt, ist das auch okay." Das ist exakt das Konzept des Vereins Junge Helden: Mit Humor und vordergründiger Leichtigkeit die Organspende zum Thema machen.

So macht das der Verein schon seit Jahren. Legendär sind mittlerweile die Organspende-Partys: Prominente Botschafter wie Joko und Klaas sitzen an der Kasse, mixen Drinks oder stehen als Djs hinterm Mischpult. "Die Partys schaffen eine entspannte Plattform für das Thema", sagt Joko, "Wenn man mit Leuten aus Film und Fernsehen in Kontakt treten will, gibt es nichts leichteres als sie einfach zu fragen: Du sag mal, wie geht das denn eigentlich mit dem Organspenden? Und einen riesen Spaß macht das Ganze auch noch." 

Der Film will vor allem eins: die jungen Zuschauer informieren und zum Nachdenken anregen. Und was ist mit den Deutschen, die Joko und Klaas nicht kennen? "Für die älteren Menschen haben wir Jürgen Vogel", sagt Joko und lacht. Auch Vogel engagiert sich schon seit Jahren für den Verein. Als eine Zuschauerin ihn fragt, welches Organ besonders spendenswert sei, schaut Vogel auf seinen Schoß. "Ach nein, das ist ein Schwellkörper. Kein Organ oder?" Der Saal kichert.

 

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