Organspende Auf der Warteliste für ein neues Leben


Viele Patienten, die dringend auf ein Spenderorgan angewiesen sind, warten über ein Jahr oder länger darauf. Dabei könnte der Organmangel mit einfachen Maßnahmen behoben werden.

Rund 12.000 kranke Menschen stehen derzeit auf der Warteliste für ein neues lebensrettendes Spenderorgan wie Herz, Leber, Niere oder Lunge. Ein Mangel, der für rund 1000 Patienten jedes Jahr tödlich endet. Bessere Therapien und Medikamente haben dazu geführt, dass für immer mehr Menschen eine Transplantation in Betracht kommen kann und ihnen die Chance für ein neues Leben gibt. Doch die Wartezeit der Patienten beträgt noch immer häufig mehr als ein Jahr.

Viele Kliniken melden Organspender nicht

Die Ursache für den Organmangel liegt jedoch nicht nur daran, dass viele Menschen sich zu Lebzeiten keine Gedanken darüber machen wollen, ob sie nach ihrem Tod ihre Organe für andere zur Verfügung stellen. "Etwa 60 Prozent aller Krankenhäuser mit Intensivstationen melden potenzielle Organspender nicht weiter", kritisiert Ilja Stracke, Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Dabei seien die Kliniken nach dem Transplantationsgesetz zur Meldung verpflichtet. Sanktionen bei einer Nichtmeldung gebe es aber nicht.

"Würden alle Kliniken mögliche Organspender melden, hätten wir gar keinen Organmangel", sagt auch Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantierten (BDO). Dann könnte fast jeder auf der Warteliste auf ein lebensrettendes Spenderorgan hoffen. Doch offensichtlich mangelt es an der Kooperationsbereitschaft vieler Kliniken.

Organentnahme bindet Personal

"Bei einer Transplantation ist das Personal gebunden und der Operationssaal wegen der bevorstehenden Organentnahme belegt", sagt Tapp. Auch Personalnotstand und finanzielle Engpässe der Kliniken erschweren die Situation. Dabei erhalten die Kliniken mittlerweile bei einem Organspendefall eine Aufwandsentschädigung.

"Nicht alle Krankenhäuser haben die notwendige Sensibilität zum Thema", sagt Stracke. Es gebe mehrere Kliniken, die nur die Heilung des Patienten sähen. An eine mögliche Organspende werde gar nicht gedacht. "Eine Organspende in einem Krankenhaus ist auch ein seltenes Ereignis", sagt Stracke. Oft gebe es in einer Klinik nur eine Spende pro Jahr.

Transplantationsbeauftragter an jeder Klinik

Nach Erkenntnissen der DSO könnte die Einrichtung eines Transplantationsbeauftragten in jeder Klinik die Organspendesituation verbessern. "Der Transplantationsbeauftragte ist Ansprechpartner für das Klinikpersonal und begleitet den Organspendeprozess", sagt Stracke.

In einigen Bundesländern wie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern sind Transplantationsbeauftragte in den Kliniken vorgeschrieben. So gibt es in dem norddeutschen Bundesland 36,5 Organspenden auf eine Millionen Einwohner. Sorgenkind bei der Organspende ist dagegen Nordrhein-Westfalen. "Hier gibt es nur 8,5 Spenden auf eine Millionen Einwohner", sagt Tapp.

Entscheidung für Organspende zu Lebzeiten treffen

Aber auch fehlende Informationen in der Bevölkerung sind ein weiterer Grund für den Mangel an Spenderorganen. Viele Menschen wissen nicht, wann und wie Spenderorgane entnommen werden. Organe eines Verstorbenen werden nur entnommen, wenn eine Zustimmung des Verstorbenen, zum Beispiel im Organspendeausweis, vorliegt. "Ist der letzte Wille nicht dokumentiert, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt", sagt Professor Günter Kirste, Vorstand der DSO.

Diese Situation ist für viele Angehörige jedoch sehr unangenehm. Kurz nach dem Tod und in der Trauer müssen sie entscheiden, ob Organe entnommen werden dürfen oder nicht. "Wir wären froh, wenn jeder bereits zu Lebzeiten eine Entscheidung trifft, ob er spenden will", betont Stracke. In dem Organspendeausweis könne dann dokumentiert werden, ob man alle Organe oder nur einen Teil zur Verfügung stellen will. Stracke hofft, dass künftig mit den entsprechenden Informationen die Spendebereitschaft steigen wird. "Vielleicht tragen ja dann mehr als die bisherigen zwölf Prozent der Bevölkerung einen Spenderausweis mit sich", sagt sie.

Frank Leth/AP


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