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Parkinson: Gesunder Geist in krankem Körper

Vor zweihundert Jahren wurde James Parkinson geboren - der Entdecker der nach ihm benannten Nervenkrankheit. Obwohl man mittlerweile viel über die Krankheit weiß, sind die Gründe für den Ausbruch noch immer unbekannt.

Die Hände zittern, die Füße trippeln und schon kleine Dinge im Alltag können für Parkinson-Patienten zu großen Hindernissen werden. Das seit Jahrhunderten bekannte Leiden stellt Mediziner immer noch vor Rätsel. Erstmals beschrieben hat die Krankheit der Arzt James Parkinson, der vor 250 Jahren am 11. April 1755 in London geboren wurde.

Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland leiden unter der Nervenkrankheit. Schätzungen der Deutschen Parkinson Vereinigung (DPV), einer Selbsthilfe-Gruppe, gehen sogar von rund 300.000 aus. Parkinson gilt zwar als klassische Alterskrankheit, doch es gibt auch junge Betroffene. Beim Schauspieler Michael J. Fox wurde im Alter von 30 Jahren die Krankheit diagnostiziert, an der auch Papst Johannes Paul II und der frühere US-Präsident Theodore Roosevelt litten. Zu den prominentesten lebenden Erkrankten zählt Box-Legende Muhammad Ali. Er erhielt besonders viel Aufmerksamkeit, als er bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta mit zitternder Hand das Olympische Feuer entzündete.

Krankheit schreitet langsam voran

Bereits 1817 verfasste der Arzt Parkinson sein berühmtes Werk, "Essay on the shaking palsy" (Abhandlung über die Schüttellähmung). Er nennt unwillkürliche Zitterbewegungen bei verminderter Muskelkraft und den Drang den Rumpf vorzubeugen ".. dabei sind Sinne und Verstand unversehrt". In alten Schriften soll die Krankheit zwar schon mehr als 100 vor Christus erwähnt worden sein. Doch der Londoner Mediziner war der Erste, der sie klinisch beschrieb.

Fast 200 Jahre nach diesem Aufsatz ist der Grund für den Ausbruch von Parkinson immer noch weitgehend unbekannt. Die langsam fortschreitende neurologische Erkrankung zerstört bestimmte Gebiete des Gehirns, die an der Kontrolle der Bewegungen beteiligt sind. Im Bereich der so genannten Schwarzen Substanz (substantia nigra), sterben Zellen allmählich ab und verursachen dadurch einen Mangel des Botenstoffes Dopamin. Letztlich werden dadurch Bewegungsreize über die Nerven nicht mehr übermittelt.

Noch nicht heilbar

Heilbar ist Parkinson bisher nicht. Jedoch können Medikamente die Symptome lindern. Als wirksamstes Mittel gilt L-Dopa, eine Vorstufe von Dopamin. Es kann von den verbliebenen Zellen zum wichtigen Botenstoff umgewandelt werden. Dazu gibt es verschiedene Dopaminagonisten, das sind chemische Ersatzstoffe, welche die Wirkung von Dopamin nachahmen. "Wenn nur auf ein Medikament gesetzt wird, ist nach ein paar Jahren das Pulver verschossen", sagt Professor Wolfgang Jost, Schriftführer der Deutschen Parkinson Gesellschaft. Daher sei eine Kombination notwendig. Empfohlen werde auch Krankengymnastik oder Sprechtraining.

Neue Therapien werden getestet. So soll laut DPV bald ein Pflaster zugelassen werden, das einen Teil der Tablettenaufnahme ersetzen könnte. In US-Studien wird laut Jost geprüft, ob die Zellen von kurz nach der Geburt verstorbenen Kindern, durch eine Transplantation bei Parkinsonkranken den Dopamin-Mangel beseitigen.

Parkinson ist keine Demenz

Bei Patienten, die medikamentös nicht mehr ausreichend behandelt werden können, setzen Ärzte auch auf die Tiefenhirnstimulation. Dabei werden über kleine Bohrlöcher im Schädel elektrische Sonden ins Hirn eingeführt. Die elektrischen Impulse stoppen oder bremsen krankhaft überaktive Hirnbereiche.

Beide Organisationen möchten durch Aufklärungsarbeit klar machen, dass zwischen Parkinson und Demenzerkrankungen wie Alzheimer große Unterschiede bestehen. "Der gerade verstorbene Papst war ein gutes Beispiel dafür, dass man trotz Parkinson weit von der Demenz entfernt ist und sehr aktiv am Leben teilnimmt", sagte DPV-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Mehrhoff.

Härter als heute waren die Behandlungsmethoden, zu denen Parkinson vor rund zwei Jahrhunderten riet: Patienten im oberen Halsbereich zur Ader zu lassen und auch Schröpfköpfe ansetzen.

Christian Kunz/DPA

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