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Pflanzenschutzmittel: WHO stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein

Umweltschützer fordern schon lange das Aus für das weitverbreitete Unkrautmittel Glyphosat. Die WHO stuft das Mittel nun als riskant ein - die weitere Zulassung in der EU steht damit auf der Kippe.

Ein Traktor versprüht Glyphosat auf einem Feld

Gylphosat wird weltweit als Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Mittel zur Unkrautbekämpfung und Reifebeschleunigung. Auf rund 40 Prozent der deutschen Ackerflächen wird das Herbizid versprüht. Glyphosat sei "mit großer Wahrscheinlichkeit krebserregend für den Mensch" vermeldete die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) im März.

Die lang erwarteten Belege für diese Einschätzung lieferte die WHO-Behörde IARC nun in einer Übersichtsarbeit, in die über 200 Studien einflossen. Das Ergebnis: Es gäbe bislang nur "begrenzt Belege dafür, dass Glyphosat im menschlichen Körper Krebs verursacht". Ausreichend belegt werden, konnte die krebserregende Wirkung in Tierversuchen. Insgesamt kommt die IARC zu dem Schluss, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" ist.

In Deutschland galt es bislang als unbedenklich

Das Ergebnis widerspricht der bisherigen Einschätzung des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Behörde ist hierzulande für die Bewertung von Chemikalien verantwortlich und gibt Empfehlungen zu deren Zulassung. In einer aktuellen Mitteilung gibt das BfR an, dass die gesundheitliche Bewertung von Glyphosat auf Grundlage aller vorliegenden Studien durch die zuständigen nationalen, europäischen und anderen internationalen Institutionen bislang ergeben hätte, dass sich kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen ableiten lasse. Daher hatte das BfR der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auch empfohlen, die Zulassung von Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern.

"Was das BfR vorgelegt hat, taugt nicht als Grundlage für ein Wiederzulassungsverfahren", sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling. Dass verschiedene Gremien bei der Auswertung von Studien zu verschiedenen Ergebnissen kämen, gehöre zum Alltag in der wissenschaftlichen Risikobewertung, schreibt das BfR in einer Stellungnahme.
Die Einschätzung des IARC, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" ist, stützt sich offenbar überwiegend auf relativ große Studien an Menschen aus den USA und Kanada, in denen einen statistisch relevanter Zusammenhang zwischen Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom - einer bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems - beobachtet worden war.

Umweltverbände für strikte Kontrollen oder Verbote

Das BfR kündigte an, den Bericht nun zu prüfen. Auch die EFSA sei von der EU-Kommission bereits aufgefordert worden, die Ergebnisse bei der laufenden Überprüfung der Zulassung für Glyphosat zu berücksichtigen. Der Herbizid-Hersteller Monsanto will die 92 Seiten umfassende Monografie nun einer externen Prüfung unterziehen.

Umweltorganisationen forderten nach Veröffentlichung des IARC Berichts umgehend, Konsequenzen zu ziehen. "Die Umwelt- und Gesundheitsbilanz von Glyphosat wird zunehmend kritisch bewertet. Es gefährdet die menschliche Gesundheit und hat direkte und indirekte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Daher wird es höchste Zeit, dass die Bundesregierung das Vorsorgeprinzip ernst nimmt und die Zulassung für Glyphosat bis zur Klärung offener Fragen aussetzt", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Alle Anwendungen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Menschen mit Glyphosat in direkten Kontakt kommen, müssen umgehend ausgesetzt werden", fordert die Agrarexpertin von Greenpeace Deutschland, Christiane Huxdorff.

Rund 700.000 Tonnen Glyphosat werden jährlich weltweit eingesetzt. In Deutschland sind es 5000 Tonnen des reinen Wirkstoffs. Weil Pflanzen zunehmend Resistenzen gegen das Schutzmittel entwickelten, sei der Gebrauch angestiegen, schreibt die IARC. Glyphosat finde sich in Böden, in der Luft, in Gewässern und als Rückstände in Lebensmitteln. Das BfR und die EFSA hielten die Rückstände bislang aber für unbedenklich. Ob das Pflanzenschutzmittel künftig noch eingesetzt werden darf, bleibt abzuwarten.

Mirja Hammer mit DPA
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