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Stern Logo Psychologie - Blick in die Seele

Methoden: Was wird wie behandelt?

Wer professionelle Hilfe sucht, ist schnell verwirrt: Hunderte von Therapieformen finden sich in den Auflistungen heute gebräuchlicher Verfahren der Seelenheilkunde.

Psychoanalyse: Der Klassiker der "sprechenden Therapien" geht auf die Arbeiten von Sigmund Freud (1856-1939) zurück. Die Szene ist in zahlreiche Strömungen gespalten - allen ist aber gemeinsam, dass der Therapeut durch intensives Zuhören und tiefes Vordringen in die Lebensgeschichte des Patienten die aus ihr erwachsenen inneren Konflikte erkundet. Durch die gemeinsame, zum Teil jahrelange Anstrengung sollen diese bewältigt werden. In jüngerer Zeit haben sich klar definierte Varianten der psychoanalytischen Therapie herausgebildet: Kurzzeittherapien (einige Wochen) beispielsweise werden bei akuten Problemen und Lebenskrisen angewendet, nicht jedoch bei schweren und chronischen Krankheitsbildern - dagegen sprechen eindeutige Studienergebnisse. Langzeittherapien eignen sich unter anderem zur Behandlung von Zwangs- und Charakterstörungen, Depressionen, Psychosen und BorderlineStörungen. Psychoanalytische Verfahren sind von der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt. Eine Kostenübernahme erfolgt auf Antrag, die Behandlung muss durch einen nach dem Psychotherapeutengesetz anerkannten Arzt oder Psychologen erfolgen.

Medikamente

: Psychopharmaka sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung vieler seelischer Leiden. Nicht nur bei Psychosen, sondern auch bei Depressionen, Zwangsstörungen und Angsterkrankungen können moderne Mittel die Betroffenen oft nachhaltig vom drängendsten Leid befreien. Vorsicht ist stets beim Umgang mit Beruhigungsmitteln geboten, denn diese können zur Abhängigkeit führen und die tiefer liegenden Probleme des Kranken unbewältigt maskieren. Optimal und zeitgemäß ist die Integration von Medikation und Psychotherapie in ein umfassendes Behandlungskonzept.

Entspannungstechniken

: Wer gezielt relaxen kann, vermag psychische Überanstrengung abzuwehren und so ihren schädlichen Langzeitfolgen vorzubeugen. Dabei gilt: Je weniger Ideologie und magischer Schabernack im Spiel sind, desto besser. Man muss nicht vom Boden abheben. "No nonsense"-Methoden wie autogenes Training und simple Meditationstechniken (zierende Adjektive wie "transzendental", "Zen" oder "tibetisch" sind nicht notwendig) sind empfehlenswert. Und das gilt nicht nur für "Patienten" und "Klienten", sondern für jedermann. Auch die Belastungen des Alltags lassen sich besser meistern, wenn man einige beruhigende Übungen parat hat. Studien haben bewiesen: Wer meditiert und relaxt, fördert nicht nur sein seelisches Wohlergehen, sondern auch die körperliche Gesundheit.

Paar- und Familientherapien

: Dauerkonflikte im nahen sozialen Umfeld führen oft dazu, dass einem der Beteiligten die ganze Schuld zugewiesen wird und so das eigentliche Beziehungsproblem verdeckt wird. Statt nur einen zu behandeln, wird der Psychotherapeut im gemeinsamen Gespräch das Wesen der Konflikte freilegen und mit seinen Klienten neue Verhaltensstrategien oder mögliche Veränderungen ihrer Lebenssituation entwickeln. Stößt er dabei aber doch auf eine ursächliche Persönlichkeitsstörung oder psychische Erkrankung eines der Beteiligten, kann er in eine Einzeltherapie überleiten oder eine Überweisung an einen spezialisierten Kollegen vornehmen.

Verhaltenstherapie

: Bei Spinnen- und Höhenangst oder dem Zwang, sich 50-mal am Tag die Hände zu waschen, hat sich diese Therapieform in den vergangenen Jahren sehr bewährt. Ebenfalls nachgewiesen ist ihre Wirksamkeit bei verschiedenen depressiven und sozialen Störungen. Sie beruht in ihrer klassi schen Form auf der durch den Psychotherapeuten geführten Konfrontation des Patienten mit seinen Angstauslösern. Der Spinnenfürchtige etwa muss es ertragen lernen, die verabscheuten Achtbeiner auf seiner Haut krabbeln zu lassen, der vom Waschzwang Besessene sich an seine "Schmutzigkeit" gewöhnen. Auf der Basis von Lerntheorien hat sich die Grundmethode in der "kognitiven Verhaltenstherapie" weiter differenziert und ihre Eignung bei zahlreichen weiteren Leiden, etwa Persönlichkeits- und sozialen Störungen nachgewiesen. Je nach Schwere des Krankheitsbildes wird die Verhaltenstherapie mit medikamentöser Behandlung kombiniert. Dagegen kann sie nicht zu-sammen mit der Psychoanalyse angewendet werden. Bei dieser greift der Therapeut ja ausdrücklich zunächst nicht ein, sondern hört dem Klienten einfach zu.

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