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Psychopharmaka: Pillen gegen die Seelenpein

Viele haben Angst vor stimmungsverändernden Präparaten, aber Antidepressiva gehören zu den bewährtesten und wirksamsten Waffen im Kampf gegen die Schwermut.

Antidepressiva nennt man eine Gruppe von Medikamenten, die in den Stoffwechsel der Botenstoffe im Gehirn eingreifen - mit dem Ziel, ihre Wirkung zu verstärken. Auch wenn sie entgegen gängigen Vorurteilen nicht süchtig machen, eignen sich diese Mittel auf keinen Fall zur Selbstmedikation. Sie müssen vom Arzt ausgewählt, verschrieben und genau mit dem Patienten besprochen werden. Leider entfalten Antidepressiva ihre Wirkung nicht sofort, sondern frühestens nach etwa 14 Tagen.

Trizyklische Antidepressiva

Die älteste Medikamentengruppe sind die "trizyklischen Antidepressiva". Der Name beschreibt die Form der Stoffe: Ihr chemisches Gerüst besteht aus drei ringförmigen Bausteinen. Pillen dieser Gruppe werden in Deutschland seit den 50er Jahren eingesetzt. Sie hemmen den Rücktransport von Botenstoffen in die ausschüttende Nervenzelle, vor allem von Serotonin und Noradrenalin. Leider haben sie spürbare Nebenwirkungen, darunter Verstopfung, Mundtrockenheit und Schwindel.

MAO-Hemmer

So genannte MAO-Hemmer sorgen dafür, dass Botenstoffe im Gehirn vom Stoffwechsel langsamer abgebaut werden. Das geschieht, indem das dafür zuständige Enzym Monoaminooxidase blockiert wird. Nebenwirkungen sind Übelkeit und innere Unruhe. Bei einigen MAO-Hemmern müssen Patienten eine spezielle Diät befolgen, ohne die der Blutdruck gefährlich steigen kann.

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Seit den 90er Jahren werden hierzulande "Serotonin-Wiederaufnahmehemmer" (SSRI) verschrieben. Der bekannteste ist das in Deutschland nicht erhältliche Medikament Prozac. Diese Gruppe der Antidepressiva blockiert die Wiederaufnahme von Serotonin an den ausschüttenden Nervenzellen, beeinflusst aber keine anderen Botenstoffe. Deswegen haben die Präparate relativ wenig Nebenwirkungen.

Hypericin

Hypericin ist der wichtigste Wirkstoff in Johanniskrautextrakt. Er hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und möglicherweise auch das MAO-Enzym. Die Wirksamkeit bei leichten und mittelschweren depressiven Symptomen ist bewiesen, allerdings nur bei einer Menge ab 500 Milligramm täglich. Frei verkäufliche Johanniskraut-Produkte aus dem Reformhaus enthalten viel geringere Dosen, für sie ist kein Effekt nachgewiesen.

Lithium

Das Mineral Lithium ist seit 50 Jahren ein Klassiker zur Verhinderung von Rückfällen. Jeder fünfte Patient, der es nimmt, legt allerdings einige Pfunde zu, auch andere Nebenwirkungen wie Beschwerden an Magen, Darm und Nieren sind möglich. Bis der vorbeugende Effekt eintritt, dauert es mehrere Monate.

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