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Pillen gegen Stress im Job: So schlimm ist Büro-Doping in Deutschland

Ritalin für die Konzentration, Betablocker gegen Lampenfieber: Immer mehr Deutsche schlucken laut einem Report Medikamente, um sich gegen Stress im Job zu wappnen. Eine Gruppe ist besonders betroffen.

Betablocker, Ritalin und Antidepressiva: Um die Leistung zu steigern, schlucken einige Arbeitnehmer verschreibungspflichtige Medikamente. Das birgt enorme Risiken.

Betablocker, Ritalin und Antidepressiva: Um die Leistung zu steigern, schlucken einige Arbeitnehmer verschreibungspflichtige Medikamente. Das birgt enorme Risiken.

Eine Pille gegen die Angst vor der Präsentation oder eine Tablette, die locker macht und beim Kundengespräch hilft? Das mag für viele befremdlich klingen, ist wohl aber längst Alltag in deutschen Büros, wie aus dem neuen DAK-Gesundheitsreport hervorgeht. Für die repräsentative Studie untersuchten Wissenschaftler die Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten und fanden heraus: Immer häufiger greifen Arbeitnehmer zu Betablockern, Ritalin und Co., um sich gegen Herausforderungen im Arbeitsalltag zu wappnen.

Wer zu Pillen greift, steht meist unter hohem Druck, hat Stress oder fühlt sich überlastet. Von den rund 42 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland haben drei Millionen das sogenannte Hirndoping mindestens schon einmal ausprobiert - die Dunkelziffer dürfte noch einmal deutlich höher liegen, vermutet die DAK. Rund eine Million Berufstätige schlucken dem Report zufolge regelmäßig Pillen, um die Leistung zu steigern oder die Stimmung zu verbessern.

Die Zahl der Arbeitnehmer, die schon einmal Hirndoping betrieben haben, sei stark gestiegen - von 4,7 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 6,7 Prozent. Herbert Rebscher, der Vorstandschef der DAK, spricht angesichts dieser Ergebnisse von einem "Alarmsignal".

Männer dopen aus anderen Gründen als Frauen

Vier von zehn Dopern schlucken bei konkreten Anlässen Medikamente, etwa vor einem wichtigen Meeting oder einer Präsentation. "Frauen nehmen eher bestimmte Mittel gegen Depressionen. Sie wollen die Stimmung verbessern, Ängste und Nervosität abbauen", erklärt Rebscher. So gab jede fünfte Frau den Kontakt mit vielen Menschen als Grund für den Medikamentenmissbrauch an. Männer versuchen, mithilfe der Pillen berufliche Ziele zu erreichen. "Hier sind es meist anregende Mittel. Sie wollen wach bleiben, stark und leistungsfähig sein."

Was die meisten Doper jedoch verdrängen:

Der Missbrauch von Medikamenten birgt große Risiken

. Antidepressiva etwa können Schlaflosigkeit und Benommenheit verursachen. Auch das Suizidrisiko steigt zu Beginn der Einnahme oft. Mögliche Langzeitfolgen der Medikamente bei Gesunden seien ebenfalls noch völlig unklar, warnt Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Am häufigsten (60,6 Prozent) werden zum Hirndoping

Medikamente gehen Angst, Nervosität und Unruhe

missbraucht. Auch

Mittel gegen Depressionen

schlucken Arbeitnehmer dem Report zufolge oft (34 Prozent). Mehr als jeder Zweite bekommt die Tabletten von seinem

Arzt

, jeder Siebte von

Bekannten und Familienangehörigen

. Jeder Zölfte bestellt sie

ohne Rezept im Internet

. Eine "riskante Praxis", warnt Lieb. Diese Medikamentenfälschungen, die keiner Kontrolle unterliegen, könnten der Gesundheit erheblich schaden.

Führungskräfte dopen kaum

Die Forscher der DAK bestimmten auch Faktoren, die das Risiko für den Missbrauch von Medikamenten erhöhen: Dazu zählen ein unsicheres Beschäftigungsverhältnis, einfache Tätigkeiten und eine hohe Arbeitsbelastung. Das widerspricht der landläufigen Meinung, dass es in erster Linie Top-Manager sind, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen trimmen.

ikr
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