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Nach dem Fund in Köln: Schneller Tod, kein Gegenmittel - so gefährlich ist Rizin

Nachdem bei einem mutmaßlichen Islamisten Rizin sichergestellt wurde, warnt der Generalbundesanwalt vor Terroranschlägen mit Biowaffen. Der stern erklärt, wie gefährlich das Gift ist. 

Bei dem in der vergangenen Woche in Köln festgenommenen Tunesier Seif Allah H. hat die Polizei 84,3 Milligramm Rizin gefunden. Der 29-Jährige soll damit einen Anschlag geplant haben. Generalbundesanwalt Peter Frank warnt in der Folge vor islamistisch motivierten Attentaten mit Biowaffen.

Rizin ist ein Protein aus den Samen der Rizinus-Pflanze, auch Wunderbaum genannt, und zählt zu den stärksten biologischen Giften. Schon der Verzehr von einigen tausendstel Gramm gilt als tödlich. Rizin kann über die Nahrung, eine Injektion oder durch Einatmen in den Körper gelangen. Die häufigsten Intoxikationen beim Menschen erfolgen laut Robert-Koch-Institut (RKI) durch den Verzehr des Rizinus-Samen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Vergiftung durch Einatmen oder Schnitt- und Stichverletzungen. 

Rizinussamen

Aus den Samen des Wunderbaumes wird unter anderem das als Abführmittel bekannte Rizinusöl gewonnen. Sie enthalten aber auch das tödliche Gift Rizin.

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Es gibt kein Gegengift

Rizin blockiert die Eiweißproduktion in der Zelle und verbindet sich mit verschiedenen körpereigenen Substanzen. Die Zellen sterben ab. Zudem klumpen die roten Blutkörperchen zusammen. Nach einigen Stunden oder Tagen kommt es zu Erbrechen und Durchfall. In schweren Fällen folgen Krämpfe an Händen und Beinen sowie Schäden an der Leber, den Nieren und anderen Organen. Der Tod tritt durch Lähmung des Atemzentrums binnen weniger Tage ein. Eine bekannte Therapiemöglichkeit  - etwa durch ein Gegengift - gibt es laut RKI nicht. Im Kriegswaffenkontrollgesetz ist Rizin als Kriegswaffe gelistet.

+++ Lesen Sie mehr: Es gibt weltweit nur drei Menschen, von denen bekannt ist, dass sie gegen das tödliche Gift Rizin immun sind – ein Deutscher und zwei Israelis. Grund für die Immunität ist ein Gendefekt. +++ 

Rizin-Vergiftungen sind nicht von Mensch zu Mensch übertragbar 

Das RKI bietet auf seiner Webseite ein ausführliches Dossier zum Thema Rizin an. In diesen Tagen wurde der Abschnitt „Maßnahmen bei Ausbrüchen / Dekontamination“ überarbeitet – womöglich ausgelöst durch den Fund in Köln. Wenn sich jemand durch die mündliche Aufnahme bei der Nahrungsaufnahme mit Rizin vergiftet hat, müssen demnach schnellstmöglich die kontaminierten Lebensmittel identifiziert werden. So soll verhindert werden, dass noch mehr Menschen davon essen. 

"Ausbrüche im klassischen Sinne sind nicht möglich, da Rizin-Intoxikationen nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sind", schreibt das RKI. Dennoch sollen bei Vergiftungen bestimmte Maßnahmen eingeleitet werden. Unter anderem müssen wegen Rizin-Stäuben alle kontaminierten Kleidungsstücke des Vergifteten verbrannt oder anderweitig dekontaminiert werden.  

rös

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