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Wichtiges zu Mundschutz und Corona-Masken

Engpass bei Schutzausrüstung: "Unsere Klinik kauft heute tausende Masken zum Preis von 7 Euro das Stück"

Atemmasken, Handschuhe, Schutzkittel: Deutschlands Kliniken fehlt dringend benötigte Schutzausrüstung für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Kliniken sind zum Teil gezwungen, horrende Preise zu bezahlen. Bei den Medikamenten deutet sich eine ähnliche Entwicklung an.

Engpass beim Atemschutzmasken: Eine Frau trägt eine Maske

Sind vielerorts Mangelware: Atemschutzmasken für medizinisches Personal (Symbolbild)

DPA

Deutschlands Intensiv- und Notfallmediziner schlagen Alarm: Weil einfachste Schutzausrüstung für medizinisches Personal knapp wird, ist die Behandlung von schwer kranken Patienten gefährdet. "Wenn jetzt nicht binnen weniger Tage ausreichend Schutzausrüstungen für unser medizinisches Personal bereitgestellt wird, dann können die bald nicht mehr arbeiten", warnt Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, in einer Mitteilung von Montag.

Zwar gebe es noch einige Bestände an Atemschutzmasken, Handschuhen und laminierten Schutzkitteln. Doch die Preise seien dafür in eine "phantasievolle Höhe getrieben", so Janssens. Eine OP-Maske mit hoher Dichtigkeit kostete vor der Corona-Krise zwischen 5 und 15 Cent - eine FFP2-Maske mit Atemfilter zwischen 11 und 60 Cent.

"Unsere Klinik kauft heute notgedrungen tausende Masken zum Preis von sieben Euro das Stück. Normalerweise müsste die Politik direkt einschreiten und ausreichend Masken vom Markt nehmen und den Kliniken zur Verfügung stellen. Es scheint sie ja zu geben", erklärt der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) ist.

"Die Preise explodieren, die Vorräte reichen nur noch wenige Tage. Und wie wir an neues Material von seriösen Anbietern kommen, kann ich noch nicht sagen", sagt Michael Dischinger, Leiter des Einkaufes am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. Ein Großteil der benötigen Materialien werde in Asien gefertigt und sei aktuell nicht mehr lieferbar. Die von der Politik georderten und versprochenen Masken seien noch nicht in der Klinik angekommen. "Wir haben noch keine gesehen", so Janssens.

Schutzmasken müssen mehrfach verwendet werden

Ein ähnliches Bild zeige sich auch bei den Medikamenten: "Wir beobachten schon jetzt, dass einige Pharma-Unternehmen die Preise ihrer Produkte in die Höhe schnellen lassen. Aus einer solchen Notlage nun Profit zu schlagen, ist unsolidarisch und ethisch überhaupt nicht mehr zu vertreten. Das muss sofort gestoppt werden", sagt der Chefarzt. Er appelliert daher an die Politik, alle verfügbaren Ressourcen an Schutzmaterialien zu sichern und über eine zentrale Stelle bedarfsgerecht an die Kliniken zu liefern.

Um den Betrieb weitestgehend am Laufen zu halten, muss Material wiederverwendet werden: "Wir werden Schutzmasken und Kittel so aufbereiten, dass diese wie früher mehrfach verwendet werden können. Aber auch da sind uns Grenzen gesetzt", so Dischinger.

In Deutschland ist das Beschaffungsamt der Bundeswehr für die Versorgung mit medizinischem Material beauftragt. Wie am heutigen Dienstag bekannt wurde, gab es bei der Lieferung dringend benötigter Atemmasken eine Panne: Auf einem Flughafen in Kenia sind Millionen bestellte Masken spurlos verschwunden. Laut Verteidigungsministerium werde der Vorfall untersucht. Das Magazin der "Spiegel" hatte zuerst darüber berichtet.

ikr

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