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Sie läuft. Er rennt. Laufen ist gar nicht einfach – es ist eine echte Kunst

Eine Läuferin sitzt am Boden und bindet ihre Schuhe
Jeder Schritt ist ein hochkomplexer Vorgang. Viele Läuferinnen und Läufer unterschätzen, wie wichtig ein guter Laufstil ist.
© bojanstory/ Getty Images
Mit einer guten Lauftechnik rennen Sie schöner, schneller und vor allem gesünder. Wir verraten in unserem Podcast "Sie läuft. Er rennt", worauf es ankommt. Und warum es den perfekten Laufstil nicht gibt.

Hören Sie den Podcast hier oder direkt bei Audio NowSpotify, iTunes und weiteren Podcast-Anbietern.

Beobachten Sie mal vorbeilaufenden Joggerinnen und Jogger genau. Vermutlich fällt Ihnen schnell auf, wie unterschiedlich alle laufen. Manche ganz locker, einige mit hochgezogenen Schultern und ganz viele richtig unrund – wie als seien Sie aus dem Gleichgewicht geraten. Es gibt unzählige verschiedene Laufstile. Jede und jeder bewegt sich anders und so verschieden, wie Fingerabdrücke sind. Nun könnte man leicht sagen: Ist doch egal! Stimmt auch in vielen Fällen. Aber eine große Zahl von Läufern plagt sich mit Zipperleinchen und Schmerzen herum. Viele davon werden ausgelöst durch einen schlechten Laufstil. 

Ein schlechter Laufstil kann Schmerzen machen

Als ich mit dem Laufen begann, habe ich gestampft. Jeder meiner Schritte war laut und kräftig. Näherte ich mich Fußgängern von hinten, wichen die meist schon zur Seite, bevor sie mich sahen. Ich machte mir darüber nicht viele Gedanken. 

Nun bringt es mein Beruf mit sich, dass ich bei meinen Recherchen immer wieder auf Menschen treffe, die in ihren Themengebieten absolute Experten sind. So ging es mir auch mit Lee Saxby, den ich in London besuchte. Der großgewachsene und sehr dünne Brite ist einer der besten Lauf-Trainer der Welt. Wir lernten uns auf einem Kongress kennen, dort hatte ich ihn interviewt. Nun wollte er mir in der Praxis zeigen, wie er arbeitet.

Dazu lud er mich zum Vorlaufen in seine "Laufklinik" in einer kleinen Gasse der britischen Hauptstadt ein. Ich gebe zu, ich war mächtig nervös. Schon in der Schule habe ich es gehasst, wenn ich etwas vormachen sollte. Aber es gab kein Entkommen. Also stieg ist aufs Laufband. Weit kam ich allerdings nicht. Nach ein oder zwei Minuten stoppte er mich bereits. Und sagte in seiner wunderbaren britischen Art: "Nun gut, du läufst nicht, du stampfst – und zwar mit der Ferse."

Ich rammt die Ferse in den Boden

Er hatte absolut Recht, wie ich auf einem Videomitschnitt schnell sah. Bei jedem meiner Laufschritte traf ich mit der Ferse zuerst auf den Boden. Das Bein voll durchgestreckt, seiner Aufgabe als Federung damit gänzlich beraubt. Die gesamte Wucht des Laufens schlug mir stattdessen in die Ferse. In Nahaufnahme und Zeitlupe sah ich, wie die Stoßwelle durch mein Bein zog. Gesund konnte das auf Dauer nicht sein, das war mir ziemlich schnell klar. 

Lee Saxby sagte: "Wenn du so weitermachst, hast du bald echt ein Problem." Geduldig erklärte er mir dann aber auch gleich, wie ich es besser machen kann. Kleinere Schritte, gerader Oberkörper, Kopf schön in der Mitte halten und versuchen, auf dem Mittelfuß zu landen. Lee entließ mich mit den Worten: "Laufen kann jeder – aber es ist eine Kunst."

Über diese Kunst reden wir in der neuen Folge unseres Podcast "Sie läuft. Er rennt." Den perfekten Laufstil gibt es vermutlich nicht, aber offensichtlich gibt es einen schlechten. Der, wenn man ihn nicht ändert, zu Schmerzen und Beschwerden führt. Wie man eine Umstellung schafft? Worauf man unbedingt achten muss? Und warum auch die Wahl der Schuhe wichtig ist? Diese Fragen und noch viele mehr beantworten wir dieses Mal. 

Den Laufstil zu ändern ist schwer, aber es lohnt sich

Den Laufstil umzustellen mag für viele nach einer echten Herausforderung klingen. Wenn ich sagen würde, es war einfach, würde ich lügen. Es war eine schwierige Umstellung. Wochenlang musste ich mich ermahnen, nicht in den alten Trott zu verfallen. Die Beine nicht zu stark auszustrecken. Ich spürte bewusst nach, wie ich aufkam. Das war anstrengend. Aber nach einem halben Jahr lief es automatisch. Ich musste nicht mehr nachdenken. Seitdem sind einige Jahre vergangen - und ich hatte noch nie eine echte Laufverletzung. Ob es an Saxby lag? Vielleicht. Auf jeden Fall entließ er ich damals mit den Worten: "Lauf wie eine Kenianerin." Okay, das war sicher ein bisschen übertrieben. Aber heute weiß ich, was er meinte.


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