Steigende Pflegekosten In diesen Bundesländern ist ein Platz im Pflegeheim besonders teuer

  • von Hannah Kuhlmann
Pflegerin schiebt eine Person im Rollstuhl über den Flur eines Pflegeheims
Der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim ist für viele Bedürftige kaum noch stemmbar
© Marijan Murat / DPA
Pflegebedürftige müssen immer mehr für einen Platz im Heim zahlen, für viele Menschen sind die Kosten unbezahlbar. Die regionalen Unterschiede sind dabei groß.

Der Anteil, den Pflegebedürftige im Pflegeheim aus eigener Tasche bezahlen müssen, steigen 2026 gegenüber dem Vorjahr erneut. Das zeigt eine neue Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Im Bundesdurchschnitt müssen die Bewohner im ersten Aufenthaltsjahr jetzt monatlich rund 3200 Euro an Eigenbeteiligung zahlen, das sind etwa 260 Euro mehr als noch im Vorjahr.

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Ein Blick auf die Karte lässt große regionale Unterschiede bei den Pflegekosten erkennen. Bremen und das Saarland bilden mit rund 3600 Euro Eigenanteil die Spitze. Am wenigsten müssen hingegen Bedürftige in Sachsen-Anhalt zahlen, hier zahlen Heimbewohner im ersten Jahr nur etwa 2700 Euro.

"Die Unterschiede sind durch ein starkes Stadt-Land-Gefälle geprägt", heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zu dem Thema. Stationäre Pflege sei in den Regionen teuer, wo auch Mieten teuer sind, weil Heimbetreiber den Wohnraum bereitstellen müssen. Auch die Löhne spielen bei den bundesweiten Schwankungen eine Rolle, da regional unterschiedliche Tarifverträge gelten.

Länder werden beim Thema Pflege zur Verantwortung gezogen

Maßgeblich verantwortlich für den Anstieg der Eigenbeteiligung sind laut vdek die gestiegenen Personalkosten. "Es ist richtig, dass das Pflegepersonal gut bezahlt wird", erklärt Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands. "Aber es kann nicht sein, dass die Lohnsteigerungen zu einem großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Hier braucht es endlich eine solidarische Lösung."

Laut Elsner könne man die Heimbewohner insbesondere bei den Investitions- und Ausbildungskosten entlasten. Diese werden zurzeit noch von den Pflegebedürftigen getragen, seien aber eigentlich eine Sache des Staates. Allein im Jahr 2022 hätten Pflegebedürftige 4,4 Millionen Euro für Investitionen gezahlt, der Staat habe hingegen nur rund 870 Millionen Euro übernommen. Gemeinsam mit der Übernahme der Ausbildungskosten könnten Pflegebedürftige um rund 640 Euro im Monat entlastet werden, so Elsner. 

Auch die Chefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, fordert die Bundesregierung auf, ihre Zusagen einzuhalten und steigenden Eigenanteile mit Hilfe einer umfassenden Pflegereform in den Griff zu bekommen. Zurzeit müssten Pflegeheim-Bewohner noch die Versäumnisse der Bundesländer bei der Finanzierung ausgleichen, das müsse sich in Zukunft ändern. 

In ihrem Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, eine Kommission für eine "große Pflegereform" einzusetzen. Sie solle unter anderem eine "Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile" prüfen.

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