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Streik-Nebenwirkung: Mediziner warnen vor Seuchenrisiko

Bald kommen sie, die Aasfresser: Angelockt durch den seit Wochen herumliegenden Müll könnten angelockte Ratten und Möwen gefährliche Viren wie die Vogelgrippe verbreiten. Mediziner warnen bereits vor diesem Szenario.

Der Streik im öffentlichen Dienst könnte nach Expertenmeinung das Seuchenrisiko erhöhen. Der Vorsitzende des Hamburger Hartmannbundes, der Allgemeinmediziner Klaus Wagner, warnte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", der nicht abgeholte Müll auf den Straßen biete ideale Bedingungen für Aasfresser wie Möwen, die sich rasch vermehren und so das Vogelgrippe-Virus weiter verbreiten könnten.

Noch sei nicht bekannt, ob auch Ratten mit dem gefährlichen H5N1- Virus infiziert werden könnten, sagte Wagner. Aber da Ratten verschiedene andere Erreger übertragen könnten und das Vogelgrippe- Virus in der Lage sei, Artengrenzen zu überspringen, solle man mögliche Gefahren nicht vergrößern. "Wir dürfen es nicht dulden, dass einige wenige Leute es in der Hand haben, die Gefährdung zu vergrößern", sagte Wagner der Zeitung mit Blick auf den Streik, den die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisiert.

Streiks werden ausgeweitet

An vielen Orten in Deutschland werden auch am Mittwoch keine Mülltonnen geleert oder Straßen gesäubert, und Kindergärten bleiben geschlossen. Verdi setzt ihre Streiks gegen längere Arbeitszeiten unvermindert fort. In Baden-Württemberg hat sie das Personal in Kindergärten, Schülerhorten, Universitäten, Fachhochschulen und Musikschulen zum Ausstand aufgerufen. Allein in Stuttgart werden zwischen 3000 und 5000 Teilnehmer erwartet. Dort sind laut Verdi 150 von 180 Kindertagesstätten geschlossen.

In Hamburg will die Gewerkschaft die Streiks ausweiten. Neben Stadtreinigung und Stadtentwässerung sind erstmals Angestellte von Schulen, Hochschulen und Polizei zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Hamburgs Schwimmbäder bleiben für einen Warnstreik dicht. Auf einer Kundgebung soll Verdi-Chef Bsirske vor Streikenden aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sprechen.

Auch in Westsachsen dauert der Streik der Straßenmeister an. Am Mittwochmorgen ließen die Mitarbeiter von sieben Straßenmeistereien, die zum Straßenbauamt Zwickau gehören, die Arbeit ruhen. Mindestens bis zum Wochenende will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi weiter streiken, wie ein Sprecher sagte.

DPA / DPA

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