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Pandemie Studie zeigt: Corona-Patienten klagen häufig über einen Tinnitus

Tinnitus Coronavirus
Verbreitetes Leiden: Zwischen 5 und 15 Prozent aller Erwachsenen haben im Laufe des Lebens eine länger andauernde Tinnitus-Episode
© vitapix / Getty Images
Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Erschöpfung: Eine Corona-Infektion löst zahlreiche Symptome aus. Eine Studie zeigt nun: Betroffene berichten auch häufig über Probleme mit den Ohren, vor allem über Tinnitus-Beschwerden. Die Ursache ist unklar.

Fiepen, Pfeifen oder Brummen: Ein Tinnitus kann sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Manchmal setzt das Ohrgeräusch von einer Sekunde auf die andere ein – und verschwindet ebenso schnell wieder. Auch nach starker Lärmbelastung haben viele Menschen ein Klingeln oder Pfeifen im Ohr, das Stunden anhält. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass ein Tinnitus bleibt – Tage, Wochen, mitunter Monate oder länger. Die Ursache ist oft unklar, die psychische Belastung durch das ständige Dröhnen enorm.

Britische Forscher berichten nun über einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Corona-Erkrankung und dem störenden Ohrgeräusch. Die Untersuchung erschien diese Woche im Fachblatt "International Journal of Audiology". Sie basiert auf einer Auswertung von 56 Fallberichten und Querschnittsstudien. Dieser Studientyp beinhaltet Stichproben-Daten, die einmalig erhoben werden. 

Tinnitus und Hörverlust

Knapp 15 Prozent der Covid-Patienten und -Patientinnen klagte demnach über einen Tinnitus oder eine Verschlechterung ihrer Tinnitus-Beschwerden. Auch Hörverlust (7,6 Prozent) und Drehschwindel (7,2 Prozent) traten auf. Schwindelattacken können beispielsweise durch eine Funktionsstörung im Bereich des Gleichgewichtsorgans im Innenohr ausgelöst werden. Grundsätzlich kommen aber auch andere Auslöser infrage.

Nach Ansicht der Forscher gibt es mehrere potenzielle Mechanismen, durch die eine Corona-Infektion das Hörsystem angreifen könnte. So könnte das Virus zu Entzündungen im Innenohr führen und dadurch Schwindelattacken, Tinnitus und Schwerhörigkeit auslösen, schreiben die Forschenden von der University of Manchester. Denkbar sei auch eine durch das Virus ausgelöste Durchblutungsstörung im Innenohr. Bekannt ist bereits, dass das Coronavirus Einfluss auf die Blutgerinnung nehmen kann und beispielsweise das Risiko für Thrombosen erhöht.

Viele offene Fragen

Letztlich sei der genaue Mechanismus und damit auch die Ursache der beobachteten Beschwerden aber unklar, betonen die Experten. Obwohl die Ergebnisse "alarmierend" seien, sei bei der Interpretation der Daten Vorsicht geboten. So sei unklar, ob Änderungen des Hörvermögens "direkt auf Covid-19 oder andere Faktoren zurückzuführen sind, etwa Behandlungen", sagt Kevin Munro, Audiologie-Professor in Manchester und selbst an der Studie beteiligt. Die Forschenden schreiben auch, dass in einigen Fällen unklar gewesen sei, ob die Beschwerden bereits vor der Corona-Erkrankung bestanden. Der beobachtete Zusammenhang "Tinnitus nach Corona" könnte deshalb seltener sein als die Untersuchung nahelegt.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

Kevin Munro berichtet weiter, dass er in den vergangenen Monaten "zahlreiche E-Mails" von Personen erhalten habe, die über Hör-Beschwerden und einen Tinnitus nach einer Corona-Erkrankung klagten. Nach Ansicht der Forschenden braucht es nun weitere, gut gemachte Studien mit Kontrollgruppen, um das Phänomen weiter zu untersuchen.

Quelle:International Journal of Audiology / Gesundheitsinformation / EurekAlert


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