Sucht-Serie Drogenberatung im "Coffeeshop"


Auch in den Niederlanden weiß man inzwischen, dass Hasch und Gras riskant sein können. Cannabisverkäufer werden geschult, damit sie Problemfälle erkennen.

Marc Josemans redet von Sozialarbeitern, der Volksgesundheit und dreht sich dabei gemächlich einen Joint. Im Büro seines "Coffeeshops" in Maastricht sitzt der 48-Jährige und spricht vom großen Ganzen. Da geht es um die Entwicklung von Jugendlichen, um die Verbreitung der Droge Cannabis in den Niederlanden und Deutschland, vor allem aber geht es um das Ansehen der Coffeeshop-Unternehmer. Das ist nicht das beste, auch wenn es seit 32 Jahren in den Niederlanden ganz legal ist, in diesen Läden Cannabis zu verkaufen. Denn selbst im Kifferparadies wächst die Erkenntnis, dass Hasch und Marihuana für manchen riskant werden können. "Das Problem ist nicht die Droge, sondern das sind die Leute, die mit ihr nicht umgehen können", sagt Josemans. Also setzte sich der Unternehmer vor sechs Jahren mit Kollegen, Vertretern von Hilfsorganisationen und Angestellten des Gesundheitsamts zusammen und entwickelte ein Training für Verkäufer in Coffeeshops. Eine Fortbildung, bei der die Angestellten lernen, wie Cannabis im Körper wirkt - bei der sie aber vor allem üben, Cannabismissbrauch zu erkennen. Politiker fanden das Konzept überzeugend, und so ließ die Regierung nach dem Maastrichter Vorbild Trainingskurse für das ganze Land entwickeln. Im Frühjahr 2008 wird das Kursangebot auf sämtliche Coffeeshops ausgeweitet.

Laut Gesetz darf ein solcher Shop nie mehr als ein halbes Kilogramm Cannabis im Laden haben. An diesem Abend zeigt die Waage bei Josemans 444 Gramm. Hinter einem hohen Tresen hortet er seine Drogenvorräte in Tupperdosen. Da gibt es zum Beispiel das milde Orange Bud im Sortiment und das kräftige Haze mit einer hohen Konzentration des Hauptwirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC).

Cannabis ist ein Stimmungsverstärker

Manchmal kommt es vor, dass ein Kunde nach der stärksten Cannabissorte verlangt, weil ihn zum Beispiel seine Frau verlassen hat. Dank des Trainings können ihm Josemans und Kollegen dann raten, eher eine milde Grassorte zu wählen. "Unsere Angestellten wissen jetzt, dass Cannabis ein Stimmungsverstärker ist. Wenn es ihm schlecht geht, sollte der Kunde also kein Marihuana mit einem besonders hohen THC-Gehalt rauchen", sagt der Niederländer. Vor allem aber achten die Verkäufer heute auf Kunden, die früher etwa alle zwei Wochen in den Laden kamen und plötzlich jeden Tag dort kiffen. "Die schicken wir dann zu unseren Kollegen von der Drogenberatung", berichtet Josemans. Gerade junge Menschen hörten auf ihn mehr als auf ihre Eltern.

Das Training soll den frühen Kontakt zu Cannabiskonsumenten fördern, sagt Victor Everhardt vom renommierten Trimbos-Institut in Utrecht, der die landesweiten Schulungen im Auftrag der Regierung entwickelt hat: "Mithilfe der Kurse können die Angestellten der Coffeeshops ihre Kunden kompetent über Cannabis informieren." Und ihnen erklären, dass die Droge keine Probleme löst.

Manchmal helfen Josemans und Kollegen auch Eltern dabei, das Risiko von Cannabis einzuschätzen. Im Auftrag von Hilfsorganisationen führt Josemans Mütter und Väter durch seinen Laden, die bei ihren Kindern ein Tütchen Gras gefunden haben und mehr über die Wirkung wissen wollen. Er lässt sie an verschiedenen Cannabissorten riechen und erklärt ihnen, dass ständiges Kiffen gefährlich, ein gelegentlicher Joint bei älteren Jugendlichen dagegen meist unbedenklich ist. "Nicht selten", berichtet Josemans, "werden die Eltern dann neugierig und probieren selbst einen Joint."

Von Astrid Viciano print

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