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"Tatort" im Faktencheck Beinahe-Tod im "Tatort": Ist Botox wirklich so gefährlich?

Assistentin Silke Haller und Kommissar Frank Thiel kümmern sich um Boerne
Weil er ein Häppchen mit Botox gegessen hat, schwebt Boerne im Münster "Tatort" in Lebensgefahr
© WDR/Wolfgang Ennenbach
Er fällt in Ohnmacht und ist nicht mehr anzusprechen: Im "Tatort" aus Münster schwebt Rechtsmediziner Boerne in Lebensgefahr, weil ihm ein Kollege Botox verabreicht hat. Ist das realistisch?

Ein Party-Häppchen wird Rechtsmediziner Boerne im "Tatort" von gestern Abend beinahe zum Verhängnis. Ein eifersüchtiger Kollege hat es mit dem Nervengift Botox vergiftet. Kurz nach dem Essen entwickelt Boerne starke Symptome: Seine Augenlider fallen zu, seine Arme werden lahm, und er ist nicht mehr ansprechbar. Lebensgefahr durch Botox - ist das überhaupt realistisch? Und wie gefährlich sind Botoxspritzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist Botox?

Hinter der Abkürzung Botox verbirgt sich sogenanntes Botulinumtoxin. Dabei handelt es sich um einstarkes Nervengift, das die Signalübertragung von Nerven- auf Muskelzellen blockiert.

Wie wird es hergestellt?

Botox wird von bestimmten Bakterien, sogenannten Chlostridien, gebildet, wenn kein Sauerstoff vorhanden ist. Besonders in schlecht konservierten Lebensmitteln fanden sich früher Chlostridien, die das Gift produzierten und so zu Lebensmittelvergiftungen führten. Diese Vergiftung, auch Botulismus genannt, kann lebensbedrohlich sein: Sie führt zu Lähmungen der Arme und Beine und kann auch einen Atemstillstand zur Folge haben. Aufgrund verbesserter Hygienemaßnahmen und Konservierungsmethoden ist eine Vergiftung mit Botox heutzutage jedoch extrem selten. Im vergangenen Jahr wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) lediglich drei Fälle von Botulismus gemeldet.

Welche Symptome ruft eine Botox-Vergiftung hervor?

Die ersten Symptome treten meist zwölf bis 36 Stunden nach Aufnahme des Giftes auf. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) entwickeln Betroffene zunächst Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Erkrankte sehen doppelt und verschwommen, haben einen trockenen Mund, leiden unter Sprechstörungen und lahmen Armen und Beinen. Später ist auch die Atemmuskulatur gelähmt, was unbehandelt zum Tod durch Ersticken führt.

Wie wird ein Botulismus behandelt?

Botulismus ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, aber durchaus behandelbar. Betroffene erhalten ein Gegengift. Zudem können eine Magenspülung und die Gabe von Abführmitteln sinnvoll sein, um die weitere Aufnahme des Giftes zu verhindern. Kommt es zu einer Atemlähmung, muss der Patient künstlich beatmet werden. Aufgrund der Intensivtherapie liegt die Sterblichkeitsrate heute nur noch bei rund 7,5 Prozent der Fälle.

Sind Botoxspritzen zu Kosmetikzwecken gefährlich?

Botoxspritzen erhalten das Nervengift in extrem verdünnter Form. Mithilfe einer Nadel wird der Wirkstoff in die Gesichtsmuskulatur gespritzt. Das Gift stellt die Muskeln ruhig, und die darüberliegende Haut strafft sich. Der Körper baut das Botox innerhalb einiger Monate ab, was eine erneute Behandlung nötig macht.

Botoxspritzen sind bei fachgerechter Handhabung nicht gefährlich. Sie können keinen Botulismus auslösen, da das Gift im Muskel gebunden wird und nicht in den restlichen Organismus gelangt. Die Verbraucherzentrale rät dennoch von einer Botox-Behandlung aus kosmetischen Gründen ab. Der Grund: Bei der Behandlung kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Bereits geringe Mengen des Giftes können zu allergischen Reaktionen, Gesichtslähmungen und auch einem Hängelid führen.

Fazit: Wie real war der "Tatort" aus Münster?

Botox ist ein starkes Nervengift, das von Bakterien gebildet wird. Wird es mit der Nahrung zugeführt, kann es eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung auslösen: den Botulismus. Sie äußert sich durch Lähmungen und Sehstörungen - Symptome, die auch Boerne im Münster-"Tatort" zeigte. Damit haben sich die Drehbuchautoren nah an der Realität orientiert.


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