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Unglück in Mexiko Tod durch Knutschfleck – wie realistisch ist das?

Tod nach Knutschfleck - wie realistisch ist das?
Kann man an den Folgen eines Knutschflecks sterben?
© Gettyimages
In Mexiko soll ein Jugendlicher an den Folgen eines Schlaganfalls, hervorgerufen durch einen Knutschfleck, gestorben sein. Medien weltweit berichteten über den Fall. Eine Expertin erklärt, ob das medizinisch überhaupt möglich ist.

In Mexiko City soll ein 17-Jähriger an den Folgen eines Knutschflecks gestorben sein. Medien weltweit berichteten über den Fall. Nach Angaben eines lokalen Nachrichtenmagazins saß der Jugendliche abends zusammen mit seinen Eltern beim Essen, als er plötzlich angefangen habe, zu zucken. Herbeigerufene Sanitäter hätten den Jungen jedoch nicht mehr retten können, heißt es weiter. Er sei an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben – angeblich hervorgerufen durch einen Knutschfleck, den ihn kurz zuvor seine Freundin verpasst hatte.

Tod durch Knutschfleck – das klingt zunächst nach einer kuriosen Geschichte. Und Fakt ist: Ein Knutschfleck ist zunächst einmal harmlos. Bei einem Knutschfleck handelt es sich um eine normale Reaktion des Körpers. Durch den Unterdruck beim Saugen platzen feinste Äderchen in den oberen Hautschichten, und das austretende Blut verteilt sich im umliegenden Gewebe. Knutschflecke sind meist für rund eine Woche sichtbar, selten länger, und heilen von selbst wieder ab.

Vermeintlicher tödlicher Schlaganfall durch Knutschfleck – ein "sehr außergewöhnlicher" Fall

Nach Meinung der Neurologin Ingrid Sünkeler, leitende Oberärztin an der BDH Klinik Braunfels und Beauftragte der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, sind Knutschflecke "in der Regel nicht gefährlich". Sollte sich der Fall in Mexiko tatsächlich so zugetragen haben, hält ihn die Expertin für "sehr außergewöhnlich". Weitere vergleichbare Fälle seien ihr nicht bekannt.

Die Expertin weist jedoch darauf hin, dass im Halsbereich wichtige Blutgefäße verlaufen. "In Ausnahmefällen könnte eine extreme Sogwirkung an der Halsschlagader eine sogenannte 'Carotisdissektion' auslösen. Dabei reißen die Schichten der Gefäßwand ein, und es kann sich ein Gerinnsel bilden, das mit dem Blutstrom in das Gehirn transportiert wird und dort einen Gefäßverschluß verursacht." Eine Dissektion der Halsschlagader kann auch durch extreme, schlagartige Bewegungen mit dem Kopf ausgelöst werden – zum Beispiel durch einen Autounfall.

Auch wenn das individuelle Risiko sehr gering ist, rät die Expertin bei Anzeichen eines Schlaganfalls immer sofort einen Arzt aufzusuchen – ganz unabhängig von einem Knutschfleck. Dazu zählen etwa ein hängendes Augenlid, ein schiefer Mundwinkel oder ein Taubheitsgefühl in Arm, Fuß oder einer Körperhälfte.

ikr

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