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Tödliches Grippevirus: Das Rätsel der Spanischen Grippe ist gelüftet

1918 raffte die Spanische Grippe weltweit fast 50 Millionen Menschenleben dahin. Den Tod durch das Grippevirus vom Typ H1N1 fanden vor allem junge Erwachsene. Wissenschaftler wissen nun, warum Kinder und alte Leute nicht so stark betroffen waren.

Eine Studie an Menschenaffen lässt nach Angaben von Genetikern erkennen, warum die Spanische Grippe 1918 fast 50 Millionen Menschen zum Verhängnis werden konnte. Der Erreger der damaligen Grippepandemie habe die Abwehrkräfte seiner Opfer gegen deren eigenes Körpergewebe dirigiert, berichtet das amerikanisch- japanische Forscherteam im Journal "Nature" (Bd. 445, S. 319).

Das Virus vom Typ H1N1 habe eine Überreaktion des Immunsystems infizierter Menschen ausgelöst, wodurch die körpereigene Abwehr unter anderem das Lungengewebe zerstört habe. Diese Reaktion beobachteten die Forscher bei den nun untersuchten Primaten.

H1N1 forderte 25 Mal mehr Todesopfer als eine normale Grippepandemie

Die Gruppe um Darwyn Kobasa vom Nationalen Mikrobiologielabor im kanadischen Winnipeg (Provinz Manitoba) konstruierte das Influenza-A-Virus von 1918 genetisch komplett nach und infizierte die Primaten damit. Demnach sorgte das Virus damals für eine Überreaktion des Immunsystems der Opfer, das daraufhin das Lungengewebe zerstörte, heißt es in "Nature".

Die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 hatte ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert und 25 Mal mehr Todesopfer gefordert als sonst bei Grippeepidemien üblich. Seitdem suchen Forscher nach der Ursache für die Zerstörungskraft des damaligen Virus, um die Menschheit vor der Wiederholung einer solchen Pandemie zu bewahren.

Sorge bereitet Wissenschaftlern und Ärzten die seit 2003 grassierende H5N1-Variante des Grippe-Erregers. Sie führt bei 80 bis 100 Prozent der infizierten Vögel innerhalb weniger Tage zum Tod. In seltenen Fällen stecken sich auch Menschen an. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es bisher 267 Fälle von menschliche Erkrankungen in zehn Ländern. 161 seien tödlich verlaufen.

Starkes Immunsystem wurde zum Verhängnis

Das Forscherteam um Kobasa infizierte die Menschenaffen zum Vergleich auch mit der gegenwärtigen H1N1-Variante. Anders als auf das damalige Virus reagierten die Abwehrkräfte der Tiere "angemessen" auf den heutigen Erreger und ermöglichten es den Primaten, sich wieder zu erholen.

Die Studie könne erstmals auch erklären, warum ausgerechnet junge Erwachsene in ihren 20er und 30er Jahren am schwersten unter der Spanischen Grippe zu leiden hatten, heißt es weiter. Junge Menschen dieses Alters haben generell das stärkste Immunsystem, das ihnen in diesem Fall mehr geschadet als genutzt habe. Ihre Abwehrkräfte hätten mehr Lungengewebe zerstört als jenes von Kindern oder alten sowie kranken Menschen mit schwächerem Immunsystem, heißt es in "Nature".

DPA / DPA

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