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Tropenfieber: Malaria-Impfstoff erweist sich als wirksam

Seit Jahrzehnten sind Forscher auf der Suche nach einem Impfstoff gegen die Tropenkrankheit Malaria. Nun vermelden sie erste Erfolge: In einer großen Studie mit Kindern hat sich ein Mittel als wirksam erwiesen. Es könnte hunderttausenden Menschen jährlich das Leben retten.

Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria. Ungefähr 800.000 Menschen, darunter vor allem Kinder, sterben daran. Moskitonetze, stinkende Socken oder genetische Veränderungen der Anopheles-Stechmücke - vieles haben Wissenschaftler im Kampf gegen die Tropenkrankheit bereits versucht. Doch als aussichtsreichster Kandidat gilt eine Impfung. Die Suche nach einem wirksamen Impfstoff geht allerdings nur langsam voran - doch nun vermelden Forscher erste Erfolge.

In einer großen klinischen Studie hat sich ein Impfstoff gegen Malaria bewährt. Der Wirkstoff habe das Risiko zu erkranken bei kleinen Kindern deutlich vermindert, teils um etwa die Hälfte, schreiben die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine". Für die Studie impften Ärzte insgesamt 15.460 Kinder mit dem Impfstoff RTS,S. Noch ist die Auswertung der Studie nicht beendet, doch erste Ergebnisse stimmen die Wissenschaftler positiv.

Die Resultate von 6000 Kindern zwischen 5 und 17 Monaten hätten gezeigt, dass sich das Risiko für eine milde Malariaerkrankung um bis zu 56 Prozent vermindere. Schwere Verläufe der Krankheit habe es bis zu 47 Prozent weniger gegeben. Damit sei RTS,S zwar deutlich weniger effizient als andere Impfstoffe wie etwa der gegen Masern, sagte Oliver Moldenhauer von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Berlin. Ein wichtiger Fortschritt sei aber gemacht, sollten sich die Ergebnisse bestätigen. "Dies darf aber nicht dazu führen, dass bei Prävention und Behandlung der Malaria gespart wird. Wir brauchen weiter Moskitonetze und Medikamente", betonte Moldenhauer.

Impfstoff aktiviert das Immunsystem

An dem Impfstoff RTS,S wird seit etwa 25 Jahren geforscht, er galt schon länger als aussichtsreicher Kandidat für eine erste Impfung gegen Malaria überhaupt. Von März 2009 bis Januar 2011 bezogen die Forscher Kinder aus sieben afrikanischen Ländern der Sub-Sahara-Region in die Studie mit ein. Die Kinder wurden in zwei Altersgruppen aufgeteilt: 6 bis 12 Wochen sowie 5 bis 17 Monate. Ein Teil erhielt jeweils drei Dosen des Impfstoffs, eine Kontrollgruppe eine Substanz ohne Wirkstoff. Die Daten für die wenige Wochen alten Babys würden für Ende 2012 erwartet, schreiben die Forscher.

Der Impfstoff enthält ein Protein des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum sowie einen Wirkverstärker. Die Vakzine aktiviert das Immunsystem, also die körpereigene Abwehr gegen den Erreger. Dabei hilft der Impfstoff auf zweierlei Weise: Er löst zum einen die Bildung von Antikörpern aus, die die Parasiten daran hindern, die Leber zu erreichen. Zum anderen führt er zu einer starken T-Zell-Antwort. Diese Immunzellen töten bereits infizierte Leberzellen ab.

Impfstoff mit Potenzial

Der Impfstoff habe "das Potenzial, die Zukunftsaussichten für Kinder, die in Malaria-Gebieten Afrikas leben, bedeutend zu verbessern", sagte der Chef des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline (GKS), Andrew Witty. Das Pharmaunternehmen arbeitet seit 1987 mit seinen Partnern an der Entwicklung von RTS,S. Auch die Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt die Forschung an einem Impfstoff seit Jahren.

Zusammen mit anderen vorbeugenden Maßnahmen wie Moskitonetzen und Insektiziden könne der Wirkstoff in Zukunft Millionen Leben retten, so Witty. Den bisherigen Ergebnissen zufolge sei RTS,S gut verträglich und zeige wenig schwere Nebenwirkungen. Wie viele Monate lang die Impfung Schutz biete, müsse noch weiter untersucht werden.

Unklar ist allerdings noch, wann RTS,S auf den Markt kommen könnte. Die Forscher hoffen jedoch, dass dies bereits in den nächsten Jahren der Fall sein könnte. Bisher können sich Menschen in den betroffenen Gebieten nur mit der vorbeugenden Einnahme von Tabletten sowie der Vermeidung von Insektenstichen etwa durch Moskitonetze vor der Fieberkrankheit schützen.

lea/DPA / DPA

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