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Malaria: Netze gegen Stiche

Es ist ganz einfach, eine Ansteckung zu verhindern und doch können sich die meisten Menschen in Entwicklungsländern selbst schlichte Moskitonetze gegen Malaria nicht leisten. Nun werden sie gratis verteilt.

Eunice Darma hängt ein großes, weißes Moskitonetz zwischen ihrer Hütte und einem Baum auf und spannt es über ein Bett, auf dem ihre drei Kinder liegen. "Ich bin so glücklich, dass wir die Netze umsonst bekommen haben, jetzt habe ich mehr Geld, um Essen zu kaufen", sagt die junge Kenianerin mit breitem Lächeln. Das Dorf Shingilia, das etwa 60 Kilometer nördlich von Mombasa am Strand des Indischen Ozeans liegt, besteht nur aus ein paar Hütten, zwischen denen Hühner im Mist picken. Die kenianische Küstenregion zählt zu den Gebieten mit den höchsten Malaria-Infektionsraten des Landes.

13,4 Millionen Euro für Verteilaktion

Dass Eunice und ihre Familie in Ruhe schlafen können, verdanken sie einer Verteilaktion von Moskitonetzen und Malariamedikamenten. Das kenianische Gesundheitsministerium, mehrere Hilfsorganisationen und DHL, das Logistikunternehmen der Deutschen Post, haben in den vergangenen Monaten 3,4 Millionen Netze verteilt. Die Verteilung hat etwa 13,4 Millionen Euro gekostet, das meiste davon hat der Global Fund bezahlt. "Dies ist bislang die weltgrößte Verteilaktion von Moskitonetzen", sagte Antony Mwangi vom Kenianischen Roten Kreuz.

In der vergangenen Woche konnte Eunice sich an der Grundschule im Ort zwei Netze abholen, je eins für jedes Kind unter vier Jahren. "Jetzt können wir alle unter den Netzen schlafen", sagt Eunice. Die Moskitonetze sind mit einem Insektengift behandelt, das für Menschen unschädlich ist. Im Unterschied zu früheren Produkten soll die Wirksamkeit bis zu fünf Jahre lang anhalten.

In Kenia leben 20 von 32 Millionen Menschen in Malariagebieten. Die Krankheit, die von Mücken übertragen wird, ist die häufigste Todesursache in Afrika. Experten schätzen, dass jedes Jahr eine Million Menschen an Malaria sterben. Meist sind Kinder und alte Menschen die Opfer. Die wirksamste Maßnahme gegen die Krankheit ist die Vorbeugung mit Moskitonetzen und Insektiziden, die sich die meisten Kenianer nicht leisten können. "Alle drei bis vier Monate ist eines meiner Kinder krank geworden", sagt Eunice.

Kombinationstherapie am wirkungsvollsten

Zusammen mit den Netzen haben die Helfer Medikamente auf Basis der Heilpflanze Artemisin verteilt. Bisher waren Chloroquin-Tabletten das gängigste Medikament zur Behandlung der Krankheit. Jedoch sind bis zu 60 Prozent der Erreger immun gegen den Wirkstoff. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Kombinationstherapie. Dies ist jedoch wesentlich teurer als die Chloroquin-Tabletten, die an Straßenkiosken für wenige Cents zu haben sind.

Ob dabei auch das umstrittene Insektengift DDT in etwa 600.000 Wohnhäusern versprüht werden soll, ist noch offen. Nach Informationen des Roten Kreuzes wird das Mittel in Kenia bereits verwendet, auch wenn das Gesundheitsministerium dies noch nicht bestätigen will. "Das soll vor Beginn der nächsten Malariasaison im März entschieden werden", sagte der Ministerialbeamte Willis Achwali.

Bisher hatte die WHO das Versprühen von DDT in Innenräumen wegen seiner möglichen gesundheitsschädigenden Wirkung abgelehnt. In der vergangenen Woche machte die Organisation jedoch überraschend eine Kehrtwende: Sie gab Ergebnisse von Langzeitstudien bekannt, nach denen das Mittel bei richtiger Anwendung für den Menschen ungefährlich sei.

Jennifer Domnick/DPA / DPA

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