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Trumps Gesundheitstest: Was es über unsere Gesundheit aussagt, wenn wir keine Uhr zeichnen können

Die beste Nachricht dieser Woche war: Donald Trump kann eine Uhr zeichnen. Das ist gut so. Aber warum ist das so wichtig? Ein Neurowissenschaftler gibt die Antwort. 

Das Ziffernblatt einer Uhr

Klingt nach einer einfachen Aufgabe, setzt aber komplexe Prozesse im Gehirn voraus: Uhren zeichnen

Glaubt man den Aussagen des Leibarztes von Donald Trump, dann ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika pumperlsgesund. Ein wenig dick vielleicht, ja, aber immerhin nicht fettleibig. Bis zuletzt hielten sich Gerüchte über Trumps Gesundheitszustand. Bei öffentlichen Auftritten wirkte er fahrig, er nuschelte, griff häufig zur Wasserflasche und trank.

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch geistig scheint alles in Ordnung. Neben der körperlichen Untersuchung absolvierte Trump einen Test zu seinen kognitiven Fähigkeiten -  den sogenannten "Montreal Cognitive Assessment". Dabei handelt es sich um ein anerkanntes Testverfahren. Trump bestand mit einem Bestwert, er erreichte 30 von 30 Punkten. Im Schnitt kommen gesunde Menschen auf 28 Punkte.

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Eine der zentralen Aufgaben des Test besteht darin, das Ziffernblatt einer Uhr zu einer bestimmten Zeit zu zeichnen, beispielsweise zehn nach elf. Das klingt zunächst leicht und machbar. Für Menschen, die mit kognitiven Einschränkungen zu kämpfen haben, ist es jedoch eine schier unlösbare Aufgabe, erklärt Dean Burnett, Neurowissenschaftler in "Science of us".


"Eine der Hauptfunktionen eines arbeitenden Gehirns ist die visuell-räumlich Wahrnehmung", so Burnett. "Es reicht nicht aus, die Dinge nur zu sehen. Wir müssen wissen, wo die Dinge hingehören, wie sie auszusehen haben und müssen verstehen, wie wir den gewünschten Zustand erreichen können, um unseren Alltag ordnen zu können."

Die visuell-räumliche Wahrnehmung finde nicht in einem Teilbereich des Gehirns statt, sondern basiere auf einem Zusammenspiel einzelner Teile des Gehirns - des Hippocampus, des visuellen Kortex und auch des präfrontalen Kortex. Wie gut dieses Netzwerk, das Zusammenspiel der einzelnen Gehirnteile funktioniert, lässt sich einfach testen. Nämlich indem man Patienten eine Uhr zeichnen lasse, so Burnett.

Uhr zeichnen - eine Meisterleistung des Gehirns

"Das Zeichnen einer Uhr setzt Hand-Augen-Koordination voraus, ein Bewusstsein für räumliche Anordnungen und Symmetrie, Zahlenverständnis und Erinnerungsvermögen", erklärt Burnett. "Üblicherweise wird im Test gefordert, die Uhr zu einer bestimmten Zeit zu Zeichnen, wofür man ein Bewusstsein für Zeit und Erinnerungsvermögen braucht."

Purzeln die Zahlen auf dem Ziffernblatt durcheinander, oder gibt es riesige Abstände zwischen den einzelnen Zahlen, können das erste Hinweise auf kognitive Probleme sein, so Burnett, beispielsweise eine beginnende Demenz. Zur Selbstdiagnose taugt der Test aber nicht. In jedem Fall sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Trump scheint keine Probleme beim Zeichnen einer Uhr zu haben. Das sei gut für ihn, schreibt Burnett. "Aber der Test kann immer noch nicht erklären, warum er nicht liest, oder die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, seit er sein Amt übernommen hat."


ikr

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