Tüv-Test Krebserreger in Gummiprodukten


Gibt es ein Auto, bei dem eine einstündige Fahrt dem Konsum von 1000 Zigaretten entspricht? Das gibt es. Der Tüv Rheinland hat es entdeckt. Quelle der Schadstoffe ist der Plastiküberzug des Lenkrades. Dort lauern krebserregende Stoffe - ebenso wie in Gummi-Reifen, Werkzeuggriffen und Badelatschen.

Viele Gummi- und Kunststoffprodukte sind mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet. Tester des Tüv Rheinland stellten in 21 von 27 geprüften Produkten eine erhöhte Konzentration von Polyzyklisch aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) fest. Die Ergebnisse seien alarmierend, teilte der Tüv am Dienstag in Köln mit. Teilweise seien die empfohlenen Richtwerte um mehr als das Hundertfache überschritten worden. PAK gelten als krebserregend. Sie sind in Teerölen enthalten, die als Weichmacher eingesetzt werden, und in Tabakrauch. Gesetzliche Grenzwerte gibt es bislang nicht.

Die Tüv-Mitarbeiter hatten im März in Baumärkten und Billigläden verschiedene Produkte gekauft - zum Beispiel Werkzeuge mit gummierten Griffen, Badelatschen oder Reifen. Ein Bezug für ein Autolenkrad etwa wies eine PAK-Konzentration auf, die das 140-fache der Orientierungswerte betrug. Hier seien die Risiken besonders hoch, weil ständiger Hautkontakt besteht. "Wenn der Fahrer eine Stunde lang mit dem Auto unterwegs ist, nimmt er in dieser Zeit eine PAK-Menge auf, die dem Konsum von 1000 Zigaretten entspricht", sagte TÜV-Sprecher Hartmut Müller-Gerbes.

Schadstoffe leicht zu vermeiden

Die hohen Schadstoffmengen ließen sich leicht vermeiden und würden von der Industrie nur aus Kostengründen eingesetzt, kritisierte Tüv-Experte Ansgar Wennemer. "Anstelle von sauberen Mineralölen werden in Gummi- und Kunststoffprodukten als Weichmacher billige Teeröle benutzt." Diese haben häufig einen hohen PAK-Gehalt. Betroffen seien vor allem Produkte aus dem unteren Preissegment, da dort bei der Herstellung besonders gespart werden müsse.

Der Tüv fordert gesetzliche Vorgaben, damit Produkte mit erhöhter PAK-Konzentration aus den Läden verschwinden. Bislang gebe es nur Orientierungswerte, auf die sich Vertreter von Handel und Prüfinstituten 2005 im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung geeinigt hätten.


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