Unterbewusstsein Wie Emotionen manipuliert werden


Wer sich bei einem Horrorfilm gruselt, weiß genau wieso: Die Bilder sind einfach zu furchterregend. Niederländische Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass Bilder auch Gefühle wecken, wenn man sie nicht bewusst wahrnimmt.
Von Nicole Simon

Kann man sich vor einem Sturz fürchten, obwohl man nicht weiß, dass man an einer Klippe steht? Die intuitive Antwort lautet "Nein". Normalerweise würde man davon ausgehen, dass Emotionen die Reaktion auf ein bewusst erlebtes Ereignis sind. Die beiden Psychologen Kirsten Ruys und Diedrick Stapel von der Tilburg Universität in den Niederlanden haben nun jedoch gezeigt, dass Menschen sich einer Begebenheit nicht unbedingt bewusst sein müssen, um emotional darauf zu reagieren. Gefühle ließen sich unterbewusst sogar manipulieren, sagen die Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Studie stellten sie in dem Fachblatt "Psychiological Science" vor.

Für ihre Untersuchung teilten die Forscher 90 Probanden in drei Gruppen ein und setzten sie vor einen Computer. Wenn eine Animation auf der linken Bildschirmseite blitzschnell aufpoppte, sollten die Testpersonen ein L drücken und dementsprechend ein R, wenn das Bild rechts erschien. Was die Freiwilligen nicht wussten: Die Bilder wurden speziell zu dem Zweck ausgewählt, unterschwellig verschiedene Emotionen hervorzurufen. Ein Drittel bekam furcherregende Bilder zu sehen, beispielsweise tollwütige Hunde, ein Drittel sah ekelerregende Bilder - etwa eine verdreckte Toilette. Der Kontrollguppe wurden hingegen neutrale Bilder wie Stühle gezeigt. Die Abbildungen waren jedoch nur für eine so extrem kurze Zeit (40 bzw. 120 Millisekunden) sichtbar, dass die Probanden nicht bewusst wahrnehmen konnten, was sich auf den Bildern zu sehen war.

Mit drei verschiedenen Methoden untersuchten die Wissenschaftler anschließend die Stimmung der Versuchspersonen. Zum gleichen Zweck wurde ihnen ein Nachfolgetest vorgeschlagen. Sie konnten zwischen einem ungewöhnlichen Essenstest und einem Versuch mit Horrorfilmen wählen. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass diejenigen, die ekelerregende Bilder gesehen hatten, den Essenstest ausschlagen würden und die durch die gezeigten Bilder verängstigten Probanden die furchterregenden Filme. Die Ergebnisse bestätigten die Theorie der Wissenschaftler: Probanden, die abscheuliche Bilder zu sehen bekommen hatten, beschrieben ihre Stimmung als angeekelt und entschieden sich für den Horrorfilm-Test. Die Gruppe mit den furchterregenden Bildern, fühlte sich überwiegend - wiederum ohne zu wissen wieso - ängstlich und war eher dazu bereit, sich dem Essenstest zu stellen. Bei der Kontrollgruppe kristallisierte sich erwartungsgemäß keine Vorliebe für einen der der Filme heraus.

Spezifische Emotionen entstehen später als eine generelle Stimmung

Die Forscher stellten weiterhin fest, dass Bilder, die für 120 Millisekunden eingespielt wurden, zu einer bestimmten Emotion wie Angst oder Abscheu führten. Wurden sie jedoch nur 40 Millisekunden gezeigt, empfanden die Probanden eher eine generell negative Stimmung. Das heißt: Auch differenzierte Gefühle wie Angst oder Ekel können unbewusst entstehen. Sie sind eine Weiterentwicklung aus generell positiven oder generell negativen Emotionen, die sich früher bemerkmar machen.

Auch für den Emotionsforscher Achim Stephan von der Universität Osnabrück überrascht dieses Ergebnis wenig: "Es macht durchaus Sinn, dass Gefühle unterbewusst hervorgerufen werden können". In vielen Situationen müsse der Mensch einfach extrem schnell reagieren können, ohne sich die Lage noch lange bewusst zu machen, sagt Stephan.

Frühere Studien konnten lediglich zeigen, dass generelle Stimmungen, wie positive oder negative Gefühle im Unterbewusstsein entstehen können. Aber reicht das aus, um angemessen auf eine Situation zu reagieren? "Es ist wichtig unterscheiden zu können, ob man Angst empfindet oder Abscheu, da man ganz unterschiedlich auf diese Gefühle reagiert, obwohl sie beide unangenehm sind", sagt Ruys.


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