Vogelgrippe in Deutschland Rügen zwischen Sorge und Panikmache


Höchst unterschiedlich reagieren die Menschen auf Rügen auf den Fund der toten Schwäne, die mit dem H5N1-Vogelgrippevirus infiziert sind. Einige sorgen sich wegen der Seuche, andere warnen vor Panikmache und Imageschäden.

Sorge auf Rügen: Nach dem ernstzunehmenden Vogelgrippe-Verdacht auf der Urlaubsinsel sind Politiker und Einwohner geschockt. "Die Sorge ist groß, sehr groß", sagt Landwirt Klaus Kenzler am Mittwoch. Er wohnt nicht weit vom Fundort der beiden Schwäne entfernt und hat aus dem Radio von den drei Fällen erfahren: "Das war ein Schock."

Er habe nicht gedacht, dass die Vogelgrippe so schnell auch nach Deutschland kommen würde. Er hat 40 Hühner und einige Enten: "Die musste ich jetzt alle einsperren. Das habe ich gleich am Morgen gemacht." Wie es mit seinem Geflügel nun weitergeht, weiß er nicht: "Es sind noch so viele Fragen offen."

An der Wittower Fähre, in deren Nähe die verendeten Schwäne gefunden wurden, die sehr wahrscheinlich an dem auch für Menschen lebensgefährlichen Virus H5N1 gestorben sind, liegen am Mittwochmittag noch zahlreiche tote Vögel. Sie sind in das Eis eingefroren. Überall liegen Kotreste.

Tausende Wildvögel tummeln sich in dem Gewässer. Der Bereich gilt als beliebter Rastplatz unter anderem für Schwäne und Gänse, weil er durch die hohe Strömung auch im Winter meist eisfrei ist. In Dranske im Norden der Insel wurde noch ein toter Habicht gefunden, bei dem ebenfalls ein Schnelltest auf H5N1 anschlug.

Ein beinahe gespenstisches Bild

Zahlreiche Schaulustige haben sich bei Schneetreiben und klirrenden Temperaturen eingefunden, um die Experten der Behörden dabei zu beobachten, wie sie in weißen Schutzanzügen die toten Tiere einsammeln. Bis zum Mittwochnachmittag wurden bis zu 100 Kadaver entdeckt. Es ist ein beinahe gespenstisches Bild.

Die Idylle der Insel mit ihren etwa 70.000 Einwohnern ist gestört. Landrätin Kerstin Kassner befürchtet nun auch Auswirkungen auf das Image Rügens als Urlaubsparadies. Diese Fälle seien natürlich sehr negativ. "Das ist keiner schöner Tag für die Insel Rügen", sagt Kassner mit betrübtem Gesichtsausdruck. Sie warnt allerdings vor Panikmache. "Urlauber können noch immer ohne Sorgen nach Rügen kommen." Aber auch sie wirkt angespannt angesichts der sich überschlagenden Ereignisse.

Der frühere Schiffsführer der Wittower Fähre will sich vor allem von seinem "gesunden Menschenverstand" leiten lassen. "Tote Tiere darf man nicht anfassen. Das war aber auch schon immer so", sagt der Rentner. Er hat bei seinen Spaziergängen an den Stränden der Ostseeinsel in diesem Winter schon zahlreiche tote Wildvögel entdeckt.

Abwarten, was die in Berlin entscheiden

Die Besatzungsmitglieder der Fähre, die am Wieker Bodden pendelt, lassen sich auf den ersten Blick nichts anmerken. Die Schranken werden hoch und runter gelassen, Fahrkarten verkauft. Innerlich sind sie dennoch aufgewühlt. "Irgendwie ist das doch schon alles ziemlich bedenklich", sagt ein Mann, der im Maschinenraum der Fähre beschäftigt ist. Wie es jetzt weitergehen soll, ist ihm nicht klar. "Da müssen wir abwarten, was die in Berlin entscheiden."

Allerdings gibt es auch Einwohner der umliegenden Dörfer, die den "Fall nicht aufbauschen" wollen. Man müsse erst einmal abwarten, ob sich die Verdachtsfälle überhaupt zweifelsfrei bestätigten, sagen Passanten in Gingst, das im westlichen Bereich der Insel liegt. Tote Schwäne habe es schon immer gegeben, darüber müsse man sich nicht so aufregen.

"An Spekulationen beteilige ich mich nicht"

Auch im der Insel vorgelagerten Stralsund sind die Leute am Mittwoch noch zurückhaltend. Irgendwie sei es doch auch klar gewesen, dass die Vogelgrippe früher oder später nach Deutschland komme, sagt eine Passantin.

Wie es in den nächsten Tagen auf Deutschlands größter Insel weitergeht und welche Ergebnisse die Untersuchungen der zahlreichen toten Tiere erbringen, kann auch die Landrätin nicht sagen: "An Spekulationen beteilige ich mich nicht."

Gregor Haake/AP AP

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