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Rückkehr zum Regelbetrieb Großteil des Kitapersonals wartet noch auf vollständigen Impfschutz

Garderobe einer Kindertagsstätte
Nach der Notbetreuung und Teilöffnung im eingeschränkten Regelbetrieb könnten viele Kitas bald zur vollständigen Auslastung zurückkehren (Symbolbild)
© Philipp von Ditfurth / Picture Alliance
Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt vielerorts unter 100. Kitas und Schulen stehen damit vor der Rückkehr zum Regelbetrieb. Doch auch wenn die Impfbereitschaft unter den Erzieher:innen hoch ist, haben viele von ihnen noch keinen vollständigen Schutz vor dem Virus. 

Pünktlich zur warmen Jahreszeit sinken die Fallzahlen in der Corona-Pandemie in Deutschland. Besonders wichtig ist diese Entwicklung für Schulen und Kitas. Das Bevölkerungsschutzgesetz des Bundes sieht ab einer Sieben-Tage-Inzidenz unter dem Wert von 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen eine Aufhebung der Beschränkungen und eine Rückkehr zum Regelbetrieb vor.

Hinter den Erzieher:innen liegen etliche Wochen und Monate, in denen sie Kinder lediglich in der sogenannten Notbetreuung oder dem eingeschränkten Regelbetrieb versorgen durften. Nun erwartet sie in einigen Bundesländern – wie beispielsweise Hamburg oder dem Saarland – wieder eine komplette Auslastung. Dabei hat ein Großteil des Personals trotz des hohen Infektionsrisikos in geschlossenen Räumen weiterhin nicht die zweite Impfdosis erhalten und damit auch keinen vollständigen Schutz vor dem Virus.

Daten zu Impfungen in Kitas fehlen vielerorts

Nach nervenaufreibenden Monaten im Notbetrieb können Hamburger Kitas ab dem heutigen Montag wieder regulär ihre Türen öffnen. Die vergangenen Wochen waren auf der einen Seite geprägt durch das ständige Hoffen, so vielen Kindern wie möglich einen Betreuungsplatz zu sichern. Andererseits nagten hohe Notauslastungen von bis zu 56 Prozent bei zu wenig Personal an den Erzieher:innen. Aufgrund der strengeren Auslegung des Infektionsschutzgesetzes lag Hamburg dabei sogar noch unter dem bundesweiten Durchschnitt von 62 Prozent.

Bereits Anfang März hatte die Hansestadt – wie alle anderen Bundesländer – ihren Lehrkräften in der frühkindlichen Erziehung ein Impfangebot gemacht. Wie viele von ihnen zum Neustart eine Zweitimpfung und damit einen vollständigen Schutz vor einer Infektion vorweisen können, ist jedoch unklar. Auf Anfrage des stern bestätigte die Hamburger Sozialbehörde, dass sie keine Daten zu den Impfquoten in Hamburger Kitas erhoben hat.

Dieses Phänomen lässt sich in vielen Bundesländern wiedererkennen. Neben Hamburg erheben auch Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen keine Zahlen über das Impfgeschehen in Bildungseinrichtungen.

Person wird Corona-Impfung in die Schulter injiziert.

Lediglich den Gesundheitsministerien in Bremen, im Saarland, Thüringen und Rheinland-Pfalz liegen konkrete Zahlen zur Impfsituation in ihren Kindertagesstätten vor. Sachsen plant aktuell zusammen mit den Kommunen eine solche Umfrage. Der Freistaat Bayern sowie die Bundesländer Berlin, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollten sich bis Freitag nicht zu den Fragen des stern äußern.

Hohe Impfbereitschaft unter Erzieher:innen

Die Zahlen aus Rheinland-Pfalz sprechen dafür allerdings eine umso deutlichere Sprache. Während in den Testzentren des SPD-geführten Bundeslandes 39.900 der insgesamt 42.800 Beschäftigen bereits eine Erstimpfung erhalten haben, sind lediglich rund 9000 von ihnen nach einer zweiten Impfung vollständig immun. Im Saarland gelten bisher sogar nur 428 der 7200 impfinteressierten Erzieher:innen als vollständig gegen Covid-19 geschützt.

Auch die Bremer Erzieher:innen zeigten sich bisher außerordentlich impfwillig, wie ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard bestätigte. In den ersten sechs Wochen nach dem Impfstart am 26. Februar wurden bereits 60 Prozent des Kita-Personals mit einer Erstimpfung versorgt. Durch Impfungen beim Hausarzt ist davon auszugehen, dass diese Zahlen mittlerweile höher liegen.

Insgesamt jedoch scheinen die Kitas in Deutschland noch immer schlecht gerüstet gegen die Verbreitung des Virus, und das trotz einer hohen Priorisierung des Personals. Bis zur vollständigen Impfung der Mitarbeiter:innen versuchen Einrichtungen vielerorts, mit einem engmaschigen Testkonzept gegenzusteuern. Für die betreuten Kinder gibt es bisher allerdings relativ wenig Testmöglichkeiten. Auch die Zulassung eines Impfstoffes für die betroffene Altersgruppe ist weiterhin nicht in Sicht.

Weiterhin hohes Infektionsrisiko in Kindertagesstätten

Durchschnittlich wurden in Deutschland im April im Vergleich zur normalen Auslastung vor der Corona-Pandemie 62 Prozent aller berechtigten Kinder in Kindertagesstätten betreut. In einer repräsentativen Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab ein großer Teil der Tagespflegekräfte an, besonders große Angst vor einer Infektion bei ihrer Arbeit zu haben.

Laut RKI häuften sich insbesondere wegen der Virusvariante aus Großbritannien die Corona-Fälle bei Kindern zwischen 0 und 5 Jahren im ersten Quartal. So wurden dem Surveillancesystem des RKI im April 6148 Fälle übermittelt. Das entspricht einer Inzidenz von 130 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Die jüngsten Daten des RKI aus der Woche vom 26. April bis zum 2. Mai zeigen zudem, dass mehr Kitas von Covid-Verdachtsfällen oder tatsächlichen Infektionen betroffen waren. Etwa sechs Prozent der Einrichtungen schlossen in dieser Zeit eine Betreuungsgruppe, und etwas mehr als ein Prozent musste den Betrieb komplett einstellen. Auch das RKI kommt zu dem Schluss: In den Kindertagesstätten in Deutschland ist das Infektionsrisiko weiterhin hoch.


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