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Schwangerschaft: Welche Untersuchungen für werdende Mütter sinnvoll sind

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gibt es viele. Sie werden häufig nachgefragt, zeigt eine aktuelle Studie. Dabei sind sie mitunter gar nicht notwendig. Der stern erklärt, welche Tests und Untersuchungen in der Schwangerschaft zu empfehlen sind.

Von Martina Janning

Eine Ärztin untersucht eine Schwangere mithilfe von Ultraschall

Bis zu drei Ultraschalluntersuchungen sind während einer Schwangerschaft vorgesehen

Wer ein Baby erwartet, ist oft verunsichert. Eine der drängendsten Fragen werdender Eltern lautet: Wird das Kind gesund zur Welt kommen? Um darauf eine Antwort zu bekommen, bieten Gynäkologen eine ganze Reihe von Untersuchungen an. Dazu gehören bewährte Vorsorge-Checks, aber auch zusätzliche Tests, die zum Beispiel Aufschluss über das Risiko für Erbkrankheiten geben sollen. Der stern erläutert die wichtigsten Untersuchungen und erklärt, welche sinnvoll sind.

Welche Vorsorgeuntersuchungen stehen Schwangeren zu?

Jede Schwangere hat einen gesetzlichen Anspruch auf bis zu 14 Vorsorgeuntersuchungen, bei denen unter anderem Gewicht, Urin und Blut regelmäßig kontrolliert werden. Die Kosten übernehmen die Krankenversicherungen. Es sind bis zu drei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen - in der Regel im dritten, sechsten und achten Schwangerschaftsmonat. Bei besonderen Risiken oder möglichen Komplikationen können noch mehr Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein, deren Kosten ebenfalls die Krankenkassen übernehmen.


Was können vorgeburtliche Untersuchungen darüber hinaus leisten?

Mit verschiedenen Methoden der sogenannten pränatalen Diagnostik sollen bestimmte Krankheiten und Behinderungen festgestellt werden. Zur pränatalen Diagnostik gehören zum Beispiel Fruchtwasseruntersuchungen, Chorionzottenbiopsie und Nackentransparenztest. Sind zum Bespiel Erbkrankheiten in der Familie bekannt, können entsprechende pränatale Untersuchungen sinnvoll sein. Eine Gewähr für ein gesundes Kind bieten vorgeburtliche Analysen auch bei unauffälligen Ergebnissen nicht. Aber 95 bis 97 Prozent aller Kinder sind ohnehin bei der Geburt völlig gesund. In manchen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn es bei den Routineuntersuchungen Auffälligkeiten gibt. Das gilt für Fruchtwasseruntersuchungen und Chorionzottenbiopsie. Einen Nackentransparenztest müssen Schwangere hingegen aus eigener Tasche bezahlen.

Was bringen Fruchtwasseruntersuchungen?

Bei einer Fruchtwasseruntersuchung entnimmt der Arzt durch die Bauchdecke der Schwangeren mit einer dünnen Kanüle Fruchtwasser aus der Fruchtblase und lässt die enthaltenen Zellen auf Veränderungen untersuchen. Mit der Erbgutanalyse kann man vor allem Veränderungen an der Struktur und der Anzahl der Chromosomen - wie zum Beispiel bei Trisomie 21 - feststellen. Die Kosten für eine Chromosomenanalyse betragen etwa 300 bis 500 Euro. Andere Untersuchungen des Fruchtwassers geben Hinweise auf Fehlbildungen im Hirn und Rückenmark. Die Treffsicherheit von Fruchtwasseruntersuchungen ist sehr hoch. Nachteil: Eine Fruchtwasserentnahme kann das Ungeborene verletzen und zu einer Fehlgeburt führen. Das Risiko für eine Fehlgeburt liegt bei etwa 0,5 Prozent. Als sinnvoll gilt eine Fruchtwasseruntersuchung unter anderem für Schwangere, in deren Familie Erbkrankheiten wie Muskelschwund oder Mukoviszidose bekannt sind. Ist eine Schwangere 35 Jahre und älter, bieten die Kassen ihr eine Fruchtwasseruntersuchung in Rahmen der gesetzlichen Vorsorge an. 

Wann ist eine Chorionzottenbiopsie sinnvoll?

Mit einer Chorionzottenbiopsie lässt sich wie bei einer Fruchtwasseruntersuchung nach Chromosomenstörungen und anderen vererbbaren Erkrankungen fahnden. Fehlbildungen von Hirn und Rückenmark kann sie nicht zeigen. Für eine Chorionzottenbiopsie werden im kindlichen Anteil des Mutterkuchens - der Plazenta - Gewebeproben entnommen und die gewonnenen Zellen auf Veränderungen untersucht. Dieser Biopsie genannte Eingriff erfolgt durch den Bauch der Schwangeren. Eine Chorionzottenbiopsie liefert frühzeitiger Ergebnisse als eine Fruchtwasserentnahme, das ist ein wichtiger Grund für ihren Gebrauch. Die Untersuchung geht aber mit einem erhöhten Risiko für eine Fehlgeburt einher, das laut Pro Familia bei zirka 0,5 bis 1 Prozent liegt. Eine Chorionzottenbiopsie kommt selten zum Einsatz. 

Wie empfehlenswert ist ein Nackentransparenztest?

Ein Nackentransparenztest heißt umgangssprachlich auch Nackenfaltenmessung. Die Nackenfalte ist eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Nackenregion des Ungeborenen. Wenn sie eine bestimmte Dicke überschreitet, kann dies auf eine Veränderung der Chromosomen hinweisen, wie beispielsweise eine Trisomie 21. Die Messung der Nackenfalte kann auch einen Herzfehler, Skelettanomalien oder veränderte Blutwerte anzeigen. Ein Nackentransparenztest erfolgt mithilfe von Ultraschall und kann mit einer Hormonbestimmung kombiniert werden, um die Genauigkeit zu erhöhen. Da das Risiko für Veränderungen an den Chromosomen mit zunehmendem Alter steigt, kann ein Test der Nackenfaltentransparenz für Schwangere ab einem Alter von 35 Jahren sinnvoll sein. Die Kosten von 100 bis 250 Euro sind privat zu bezahlen.

Wann ist eine kardiotokografische Untersuchung (CTG) sinnvoll?

Bei dieser Untersuchung werden die kindlichen Herztöne mithilfe von Ultraschall während der Schwangerschaft kontrolliert und registriert. Gleichzeitig messen Drucksensoren die Festigkeit der Gebärmutter - mögliche Wehen können so erfasst werden. Beide Parameter werden in der Regel 20 bis 30 Minuten lang aufgezeichnet und auf Papier grafisch dargestellt. Über 90 Prozent der Schwangeren lassen vor der Geburt eine CTG routinemäßig vornehmen - das geht aus Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hervor. Doch so viel Vorsicht scheint in den meisten Fällen nicht geboten: Laut den Mutterschaftsrichtlinien (MRS) soll eine CTG nur dann durchgeführt werden, wenn auch eine Indikation vorliegt. Vorgeschrieben ist sie etwa bei einer drohenden Frühgeburt, einer zuvor gehörten Herztonveränderung oder bei Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit.

Wie ratsam ist ein Diabetestest?

Während einer Schwangerschaft steigt der Blutzuckerwert unter Umständen so an, dass Mediziner von Gestationsdiabetes sprechen. Die Zuckerkrankheit kann dann unter anderem zu Komplikationen bei der Geburt führen, weil Kinder von betroffenen Frauen meistens größer und schwerer sind. Ob eine Frau einen Schwangerschaftsdiabetes hat, stellt der Arzt mit einem sogenannten Glukosebelastungstest fest. Fachleute bewerten den Test auf Schwangerschaftsdiabetes als sinnvoll. Seit März 2012 ist er eine Kassenleistung.

Was taugt ein Toxoplasmosetest?

Bei dem Test wird im Blut der Mutter nach möglichen Toxoplasmoseerregern gesucht. Sie werden durch rohes Fleisch, ungewaschenes Gemüse und Obst oder Katzen übertragen. Wenn eine Mutter ihr Ungeborenes mit Toxoplasmose ansteckt, kann dieses Verwachsungen in den Augen erleiden, die bis zum Erblinden führen können. In sehr schweren Fällen verursacht die Infektion Fehlbildungen des frühkindlichen Nervensystems und geistige und körperliche Behinderungen. Der Nutzen eines Toxoplasmosetests ist fraglich, unter anderem da der Test neue Infektionen nicht zuverlässig entdeckt. Weder ein positives noch ein negatives Ergebnis ist aussagekräftig und muss in weiteren Untersuchungen abgeklärt werden. Unklar ist auch, ob die Behandlung mit Antibiotika im Falle eines positiven Ergebnisses dem Ungeborenen tatsächlich nützt. Krankenkassen raten daher zur Vorsorge, indem Schwangere den Kontakt mit dem Erreger meiden. Sie sollten also kein rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse essen und das Reinigen des Katzenklos jemand anderem überlassen. Ein Toxoplasmosetest kostet zirka 50 Euro. Krankenkassen zahlen den Test in der Regel nicht. Nur wenn ein Verdacht auf eine Infektion vorliegt, wird er übernommen.

Wann lohnt ein Triple-Test?

Der Triple-Test soll erkennen, ob das Risiko für verschiedene Chromosomenstörungen - vor allem eine Trisomie 21 - erhöht ist. Auch Anzeichen für sogenannte Neuralrohrdefekte, die sich durch Hirnfehlbildungen oder durch einen offenen Rücken äußern können, können per Bluttest und statistischer Berechnungen ermittelt werden. Die Treffsicherheit ist jedoch gering, urteilt die Techniker Krankenkasse. Wer den Test trotzdem machen lassen will, muss ihn privat bezahlen.

Was ist von einem HIV-Test zu halten?

Im Endstadium kann eine Infektion mit dem HI-Virus zu Aids führen. Dabei befällt das HI-Virus die Körperzellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Eine Schwangere kann ihr Kind mit HIV anstecken, wenn sie das Virus in sich trägt. Für einen HIV-Test wird eine Blutprobe der Schwangeren in einem Labor untersucht. Fast alle HIV-Infektionen lassen sich drei Monate nach einer Übertragung feststellen. Die Kosten für einen HIV-Test in der Schwangerschaft tragen die Krankenkassen. Die Fachleute beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bewerten den HIV-Test als empfehlenswert.

Was leistet der Bluttest auf Trisomie 21?

Seit 2012 ist ein Bluttest zur Diagnose von Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, erhältlich. Mit ihm können auch Trisomien der Chromosomen 18 und 13 erkannt werden. Er kann nach einem verdächtigen Nackentransparenztest infrage kommen, um das Risiko einer Fruchtwasseruntersuchung oder Chorionzottenbiopsie zu vermeiden. Allerdings werden nicht alle genetischen Veränderungen, die durch diese Methoden erkannt werden können, mit dem Test erfasst. Der Bluttest ist sehr zuverlässig, vereinzelte falsche Befunde sind allerdings möglich. Die Untersuchung stellt keine Gefahr für Mutter und Kind dar. Die Kosten von 600 bis 800 Euro müssen Schwangere privat tragen. Um eine Trisomie 21, 18 oder 13 beim Ungeborenen festzustellen, wertet der Test DNA-Schnipsel des Embryos im Blut der Schwangeren aus. Bei 2 bis 3 Prozent der Untersuchungen reichen diese nicht aus, der Test liefert kein Ergebnis. Experten raten davon ab, den Test durchzuführen, ohne dass ein erhöhtes Risiko für Trisomien vorliegt. Eltern sollten sich vorab darüber im Klaren sein, dass ein positives Ergebnis extrem belastend sein und sie in einen erheblichen Konflikt bringen kann.

mit ikr/lea

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