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"Neo Magazin Royale" Jan Böhmermann knöpft sich die Panikmacher vor


Wegen Terrorgefahr wird das Länderspiel der Nationalmannschaft abgesagt. Und was macht der Innenminister? Er trägt zur Verunsicherung bei. Jan Böhmermann rechnet mit ihm und weiteren "Verunsicherungsvertretern" ab.

Kann man wenige Tage nach den Anschlägen von Musik eine Comedy-Sendung machen? Und, wenn ja, wie? Jan Böhmermann beantwortete diese Frage auf seine Weise, indem er erst einmal die Schmerzgrenze der Zuschauer austestete: "Man sollte keine geschmacklosen Scherze machen in einer Zeit, da das einzig positive der HIV-Test von Charlie Sheen ist."

Doch gleich nach diesem Einstieg schwenkte er um und wurde Ernst: "Noch geschmackloser war das, was nach den Anschlägen von Paris von Leuten kam, die keine Comedy-Sendung machen." Und knöpfte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière vor, der mit seiner inzwischen legendären Pressekonferenz am Dienstagabend für Verwunderung gesorgt hat. Ein Satz steht im Zentrum der Kritik, mit dem er die Frage nach dem Grund für die Spielabsage beantwortete: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.

Die Deutschen lassen sich nicht verunsichern

Welchen Teil der Bevölkerung er denn denkt verunsichern zu können, fragt nun Böhmermann den Innenminister. Die Flüchtlinge hätten schon Schlimmeres erlebt, die hielten eine ehrliche Antwort aus. Auch Deutsche mit Migrationshintergrund ließen sich angesichts der Pegida-Aufmärsche von einem freien Wort des Bundesinnenministers eher schwer verunsichern. Und die deutsche Bevölkerung? Die hätte im vergangenen Jahrhundert schon alles Schlimme durchlebt - Weltkrieg, atomare Bedrohung, Stasi-Staat. 

Die Deutschen, so Böhmermann, "sind die Bevölkerung, die sich so wenig verunsichern lässt wie keine andere Bevölkerung auf der Welt. (...) Wir haben uns nicht mal verunsichern lassen, als wir Europa in Schutt und Asche gelegt haben und die ganze Welt gegen uns war." Wie wolle de Maizière da die Deutschen verunsichern?

Matussek, Söder & Co.

Auch andere Verunsicherer bekamen ihr Fett weg: der CSU-Politiker Markus Söder etwa, der kurz nach den Anschlägen den Terror mit Zuwanderung in Verbindung brachte. Oder der inzwischen geschasste "Welt"-Autor Matthias Matussek, der sich noch in der Nacht auf Facebook seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass sich nun die Debatte über Zuwanderung in eine "neue frische Richtung" bewegen werde. Sie alle sind für Böhmermann "Verunsicherungsvertreter".

Und schließt mit einem klaren Statement in Richtung de Maizière: "Wer Angst davor hat, eine offene Bevölkerung mit Offenheit zu verunsichern, der sollte sich vielleicht eine andere Bevölkerung suchen."


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