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Trotz Krebs stark durchs Leben

Weltkrebstag 2019: Krebs – und nun? Zehn Tipps für Angehörige und Freunde

Krebs stürzt nicht nur Erkrankte in eine Krise, sondern auch Partner, Familie und Freunde. Viele sind unsicher, wie sie dem Krebspatienten gegenübertreten sollen. Wichtig sind dann vor allem zwei Dinge: Den Erkrankten unterstützen – aber sich selbst nicht überfordern.

Tipps für Angehörige nach einer Krebs-Diagnose: Zwei Frauen sitzen auf einer Couch

Nach einer Krebs-Diagnose brauchen viele Menschen Unterstützung - es kommt aber auf das richtige Maß an

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1. Signalisieren Sie: Ich bin da

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene, Angehörige und Freunde zunächst ein Schock. Nehmen Sie sich die Zeit, die es braucht, um die Diagnose zu verarbeiten. Dieses Bedürfnis ist ganz normal. Langfristig gesehen ist Stille jedoch oft nicht zielführend. Trauen Sie sich, auf den Erkrankten zuzugehen und fragen Sie behutsam nach seinen Bedürfnissen: Wie erlebt er oder sie die aktuelle Situation? Was können Sie im Moment konkret tun, um die Situation erträglicher zu machen? 

2. Nehmen Sie es nicht persönlich

Eine Krebs-Erkrankung ist nicht in wenigen Tagen überstanden. Betroffene durchlaufen während der Therapie oft viele Hochs und Tiefs. Phasen des Rückzugs und Phasen der Nähe können sich abwechseln. Versuchen Sie, es nicht persönlich zu nehmen, wenn sich Ihr Partner oder Freund zeitweilig zurückzieht, wütend oder traurig ist. Das bedeutet nicht, dass Ihre Unterstützung unerwünscht ist. Signalisieren Sie stattdessen, dass Sie jederzeit da sind, wenn Sie gebraucht werden. 

3. Holen Sie sich Hilfe 

Eine Krebs-Erkrankung ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend – auch für Angehörige. Wenn Sie merken, dass Sie die Situation an Ihre Grenzen bringt, sollten Sie sich Hilfe holen. Ein erster Ansprechpartner kann der Hausarzt oder eine Krebsberatungsstelle sein. In vielen Kliniken gibt es Hilfsangebote, die sich an Erkrankte, aber auch an Angehörige richten. Womöglich tut Ihnen auch ein Gespräch in einer Selbsthilfegruppe gut. Gestehen Sie sich diese Unterstützung zu: Wer viel hilft, darf auch selbst Hilfe in Anspruch nehmen.

4. Suchen Sie sich Unterstützung im Alltag

Verwandte, Großeltern oder Freunde können im Alltag eine große Hilfe sein – ganz gleich, ob es darum geht, die Kinder von der Schule abzuholen, den Einkauf zu erledigen oder zu kochen. Sie müssen nicht alles alleine schultern. Überlegen Sie, an wen Sie sich wenden können, wenn Sie Ängste oder Sorgen plagen. 

5. Besser nicht ungefragt raten

"Ich kenne das, der Freund einer Bekannten hatte dasselbe, und ihm hat folgendes geholfen ...": Ratschläge wie dieser sind gut gemeint, können Erkrankte aber verunsichern. Auch Therapieempfehlungen und Ratschläge in Bezug auf Heilmethoden oder Spezialisten können Betroffene ungewollt überfordern. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie nicht genau wissen, was der behandelnde Arzt empfiehlt – oder wovon er abrät.

6. Sammeln Sie Informationen

"Was Partnern, Angehörigen und Freunden in fast allen Situationen und Krankheitsphasen weiterhilft, sind Informationen über die Erkrankung", rät das Deutsche Krebsforschungszentrum. Haben Sie den Wunsch, sich selbst zu informieren, so ist das legitim und verständlich. Je mehr Sie über die Krankheit wissen, desto weniger werden Sie Angst vor der veränderten Lebenssituation haben. Wollen Sie die Informationen an einen erkrankten Freund oder Partner weitergeben, erkundigen Sie sich vorher am besten, ob das auch erwünscht ist. Womöglich können Sie den Erkrankten auch mit einzelnen, gezielt recherchierten Informationen unterstützen – sofern das für den Betroffenen in Ordnung ist.

7. Respektieren Sie Grenzen und Selbstständigkeit

Wahrscheinlich neigen Sie dazu, sich vollends nach den Bedürfnissen des Kranken zu richten und ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen zu wollen. Versuchen Sie, den Betroffenen damit nicht zu überfordern – auch und gerade ein kranker Mensch möchte nur bis zu einem bestimmten Grad unterstützt werden. Treffen Sie keine Entscheidungen über den Kopf des Betroffenen hinweg, auch wenn sie es damit eigentlich nur gut meinen. Versuchen Sie stattdessen, mit dem Betroffenen über seine Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen und ihm auf diese Weise gezielt Hilfe zukommen zu lassen. 

8. Verstecken Sie Ihre Angst und Trauer nicht

Angst ist ein ganz natürliches Gefühl im Umgang mit Krebs. Sie als Angehöriger oder Freund fürchten sich vermutlich am meisten davor, Ihren Liebsten durch die Krankheit zu verlieren oder haben Angst vor der Zukunft. Der Kranke fürchtet sich vermutlich vor Schmerzen oder hat Sorgen, wie die Familie ohne ihn auskommen soll. Wichtig ist, diese Ängste zuzulassen und offen über sie zu sprechen. Auch Tränen gehören dazu und sind ein wichtiges "Ventil für die Seele".

9. Nicht jeder Krebskranke will ein Kämpfer sein

Versuchen Sie, den Kranken nicht unter Druck zu setzen – etwa mit der Aufforderung, immer positiv zu denken oder gegen den Krebs anzukämpfen. Manchen Krebskranken mag diese Vorstellung motivieren, für andere ist sie eher belastend und löst Druck aus. Viele Krebskranke befürworten im Umgang mit der Diagnose eher eine sachliche, faktische Wortwahl. Doch das muss nicht auf jeden Erkrankten zutreffen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach und seien Sie gnädig mit sich selbst: Es ist in Ordnung, nicht immer die richtigen Worte parat zu haben. 

10. Schöne Momente zulassen

Es wird Tage geben, an denen die Krankheit, die Sorgen und Ängste im Vordergrund stehen. An anderen Tagen kann ein Stück Alltag zurückkehren. Sie müssen deshalb kein schlechtes Gewissen haben, auch wenn es Ihnen im ersten Moment schwer fallen sollte. Sie dürfen schöne Momente wie Sport oder Treffen mit Freunden genießen und daraus Kraft schöpfen. Nur wenn Sie auf sich selbst Acht geben, können Sie langfristig eine Stütze für Ihren krebskranken Freund oder Partner sein. Schaffen Sie nach Möglichkeit positive Erlebnisse für sich und den Kranken. Auch kleine Vorhaben – etwa ein Ausflug mit der Familie – helfen dabei, die Trauer und Sorgen für eine Weile auszublenden.

Zum Weiterlesen:

Risikofaktoren : Warum mutieren Körperzellen und werden zu Krebs?

Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ / Patientenleitlinie Psychoonkologie / "Die blauen Ratgeber – Hilfen für Angehörige" von der Deutschen Krebshilfe und der DKG-Krebsgesellschaft

ikr