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Krankenhausmorde in Delmenhorst: Wie wird ein Pfleger zum Mörder?

In Kliniken und Pflegeheimen fällt ein Mord so schnell nicht auf - Sterben steht dort auf der Tagesordnung. Doch weshalb töten Pfleger ihre Patienten? Ein Mediziner erklärt die Psychologie der Täter.

Die pflegerische Arbeit ist belastend und wenig anerkannt. Dadurch kommt eine Abwärtsspirale in Gang.

Die pflegerische Arbeit ist belastend und wenig anerkannt. Dadurch kommt eine Abwärtsspirale in Gang.

Es ist der Alptraum jedes Patienten: Ein Pfleger tötet immer wieder kranke Menschen - und lange wird niemand hellhörig. Am Landgericht Oldenburg hat der Mann 90 Taten gestanden, bis zu 30 Patienten sollen in Delmenhorst gestorben sein. Der #link;http://www.stern.de/wissen/mensch/mord-im-krankenhaus-die-psychologie-der-todesengel-1601118.html;Psychiater Karl Beine hat 36 Mordserien an Krankenhäusern untersucht#. Was geht in den Tätern vor? Wie wird ein Helfer zum Mörder? Und weshalb blieben die Morde von Delmenhorst so lange unbemerkt? Der Experte gibt Antworten.

Der in Oldenburg angeklagte Ex-Pfleger will bis zu 30 Patienten getötet haben. Ist das verglichen mit anderen Fällen viel?

Für deutsche Verhältnisse ist das schon eine herausragende Geschichte. Im internationalen Vergleich liegt sie aber eher im Durchschnitt. In den USA gibt es Fälle mit deutlich mehr Opfern.

Wieso wird ein Mensch, der Patienten helfen will, zum Mörder?

Diese Menschen ergreifen oft einen helfenden Beruf, um sich selbst besser zu fühlen. Sie haben - wie in diesem Fall auch - #link;http://www.stern.de/gesundheit/depressionen-die-geheime-logik-der-volkskrankheit-2167612.html;hohe Ideale#. Gleichzeitig sind sie mit einem geringen Selbstwertgefühl ausgestattet. Durch die Arbeit wollen sie sich selbst aufwerten und Anerkennung bekommen. Doch sie werden zwangsläufig enttäuscht. Die pflegerische Arbeit ist belastend. Sie wird nicht gut bezahlt. Dadurch kommt eine Abwärtsspirale in Gang: Das fremde Leiden wird zum eigenen Leiden. Am Ende eines langen Prozesses tötet der Mensch einen anderen, damit es ihm selbst bessergeht.

Mehr als zwei Jahre lang soll der Ex-Pfleger Patienten getötet haben - und ist dabei immer unvorsichtiger geworden. Wieso hat es so lange gedauert, bis die Mordserie aufgefallen ist?

In diesem Beruf ist es geradezu unvorstellbar, dass ein Kollege Patienten tötet statt ihnen zu helfen. Außerdem gibt es Aufdeckungsbarrieren in den Krankenhäusern. Das war auch in diesem Fall so, dass es Gerede über den Angeklagte gab, dass er bestimmte Spitznamen hatte. Man ahnte, dass etwas nicht stimmte. Auch dass der Medikamentenverbrauch überproportional gestiegen ist, war ein Warnsignal. Trotz konkreter Hinweise wurde nicht reagiert. Da sehe ich eindeutig Versäumnisse.

Der Psychiater Karl Beine ist Lehrstuhlinhaber an der Privaten Universität Witten/Herdecke und #link;http://www.marienhospital-hamm.de/klinik/fachabteilungen/fachabteilung.php?id=64&seite=355;Chefarzt am St.- Marien-Hospital Hamm#.

mh/Irena Güttel/DPA / DPA
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