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"Wir und Corona": Netzaktivist Beckedahl über die Corona-App: "Eine Wette darauf, dass damit alles besser wird"

In dieser Folge des Podcasts "Wir und Corona" erklärt der Netzaktivist Markus Beckedahl, unter welchen Umständen er die Coronavirus-App für ein sinnvolles Experiment hält.

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Die Bundesregierung, aber auch einzelne Virologen erhoffen sich von einer Tracking-App einen erheblichen Schub im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Diese App soll im Idealfall ohne Standort- und auch Bewegungsdaten auskommen, sondern über die Bluetooth-Technik vor allem Kontakte analysieren: Die App soll sich merken, mit wem der Nutzer über längere Zeit in engerem Kontakt stand. Wird der Nutzer später positiv auf das Coronavirus getestet, sollen alle Mitmenschen, zu denen die App einen längeren und engeren Kontakt erfasst hat, benachrichtigt werden. Kontaktketten können so möglicherweise besser als bisher nachvollzogen werden. Das alles soll freiwillig geschehen – und sogar so, dass nicht mal der Name des Nutzers irgendwo vermerkt oder gespeichert ist. 

Wie kann das funktionieren? Was sind die Risiken bei diesem Ansatz? Und wer programmiert die App eigentlich? Ist sie tatsächlich so etwas wie ein digitaler Hammer, mit dem wir uns ganz elegant aus dem Homeoffice befreien können oder ist das ein Werkzeug der totalen Überwachung? Auf all diese Fragen antwortet der Netzaktivist Markus Beckedahl in der aktuellen Folge von "Wir und Corona", dem täglichen Podcast von stern und RTL.

Beckedahl skizziert die Bedingungen, unter denen er die App für ein sinnvolles, vielleicht nützliches "gesellschaftliches Experiment in dieser Krisensituation" hält – und auch ihre Nutzung befürwortet. Aber er verweist auch darauf, dass der Nutzen dieses Programms bislang noch unbewiesen ist, auch wenn es Vorbilder gibt, etwa in Singapur. Die App, sagt Beckedahl, ist "eine Wette darauf, dass damit alles besser wird. Aber es ist kein Beweis. Der Beweis muss erst mal kommen." Damit die App ihren Nutzen unter Beweis stellen könne, sagt Beckedahl, müsste sie aber auch von einem großen Teil der Bevölkerung genutzt werden. "Wir müssen Teile der Bevölkerung davon überzeugen, sie auch einzusetzen, weil eine App bringt nichts, wenn sie nur 100.000 Menschen einsetzen", sagt er.

Beckedahl ist Chefredakteur von Netzpolitik.org, einem journalistischen Angebot, das sich seit Jahren auf Freiheitsrechte in der digitalen Welt spezialisiert hat, und außerdem einer der Mitbegründer der jährlichen Konferenz "Re:Publica" in Berlin. Im Podcast spricht Beckedahl auch darüber, wie er als Unternehmer mit der Coronakrise umgeht – auch die "Re:Publica" musste in diesem Jahr verschoben werden.

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