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"Wir und Corona": "Emotionen sind Wachhalter" – Forscher erklärt, wie Sie trotz Corona erholsam schlafen

Im Podcast "Wir und Corona" gibt der Schlafforscher Albrecht Vorster Tipps, was Sie tun können, um in Coronazeiten trotz allem erholsame Nächte zu finden – und so Ihr Immunsystem stärken.

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Und, wie war die Nacht? Guter, erholsamer Schlaf ist für viele Deutsche ein seltenes Gut, sie leiden an Schlafstörungen, jeder dritte Erwachsene in mittelschwerer bis schwerer Form, aber selbst bei Jüngeren wächst der Anteil rasant. Die Coronakrise hat jetzt noch mehr Unruhe ins Leben gebracht – und damit auch in die Schlafphasen. Der Alltag ist durcheinandergewirbelt worden, die gewohnten Abläufe; Ängste, Sorgen, können den Schlaf buchstäblich rauben.

Dabei ist der Schlaf nicht nur wichtig für die Psychohygiene, sondern auch für das Immunsystem. "Schlaf ist nicht nur gut für das Gedächtnis im Gehirn, sondern eben auch für das Gedächtnis unseres Immunsystems", sagt der Biologe, Schlafforscher und Autor Albrecht Vorster in "Wir und Corona", dem Podcast von stern und RTL. Er erklärt, wie guter Schlaf die Entwicklung sogenannter T-Gedächtniszellen fördert und vor allem, mit welchen Techniken sich guter Schlaf finden lässt.

Warum haben wir das Gefühl, in letzter Zeit so viel zu träumen?

Um zur Ruhe zu kommen empfiehlt Vorster, sich eine Stunde vor dem Einschlafen komplett "aus dieser Welt rauszuziehen". Auf den Fernseher solle man verzichten, ein heißes Bad nehmen, ein Buch lesen, ruhige Musik hören, sich so aus dem Hier und Jetzt entfernen – und das Handy weglegen. "Das Licht beim Handy ist nicht das Problem", sagt Vorster, der im vergangenen Jahr das Buch "Warum wir schlafen" veröffentlicht hat. "Viel größer ist die emotionalen Bedeutung des Handys. Was machen wir dort? Wir sind bei Twitter, Facebook, Instagram, Whatsapp. Das sind alles soziale Medien. Und soziale Interaktion ist immer von hoher Relevanz, wir sind soziale Lebewesen. Die Nachrichten dort halten mich wach. Oh, da ist was, da musst du dich unbedingt kümmern. Jetzt noch nicht einschlafen!, signalisiert das. Emotionen sind super Wachhalter. Da geht es auch die ganze Zeit immer nur um mich. In einem Buch geht es immer um einen anderen Protagonisten", sagt Vorster, der derzeit in Bern in der Schweiz an einer Klinik forscht.

Für den Eindruck, den manche haben, dass sie in der Coronakrise wilder träumen, mehr träumen, hat Forster eine eindeutige Erklärung. Die ungewohnte Situation führe dazu, dass der Schlaf leichter werde, dass man häufiger aufwache, dass man deshalb aber auch deutlich merke, dass man überhaupt träume. In ruhigeren Phasen träume man zwar auch, aber der tiefere Schlaf verhindere, dass man das so deutlich merke.

Bringt die Coronakrise einen Schlafvorteil für Schüler?

Für Schüler, sagt Vorster, könne die Coronazeit durchaus Vorteile mit sich bringen, weil ihnen der Fernunterricht möglicherweise die Chance biete, sich den nötigen Schlaf dann zu holen, wenn sie ihn wirklich brauchen – oft am Morgen. "Für Schüler kann die Coronazeit einen Vorteil bieten", sagt Vorster. "Wir wissen, dass Schüler ab der Pubertät automatisch zu Nachteulen werden. Das ist genetisch einprogrammiert, dass die im Prinzip am Lagerfeuer die Wache übernehmen. Jetzt schafft Corona die Möglichkeit, dass die Schüler dann lernen können, wenn sie denn lernen wollen".

In "Wir und Corona" spricht Vorster auch über Schlafmythen und grundsätzliche Fragen. Wie schläft es sich besser: Nackt oder im Nachthemd oder Pyjama? Bleibt das Fenster besser zu oder schlummert es sich besser mit offenem Fenster? Und: Schlafen Frauen möglicherweise – und ganz objektiv – besser, wenn ihre Männer sich im Nebenraum befinden? "Tatsächlich", berichtet Vorster, "ist es so, dass Frauen objektiv schlechter schlafen, wenn der Mann neben ihnen liegt."

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