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Karies vorbeugen: Helfen Kaugummis mit Xylit?

Nach jedem Essen die Zähne putzen - das schafft kaum jemand. Kaugummis und Bonbons mit Xylit versprechen schnelle Hilfe. Doch taugt der Zuckerersatzstoff, um Karies vorzubeugen?

Von Nicole Heißmann

Kaum sind die Gummibärchen verputzt, zwickt das Gewissen: Sollte man sich nicht am besten gleich die Zähne putzen? Aber wer tut das schon? Da ist der Griff zum zuckerfreien Kaugummi als Kariesbremse bequemer.

Praktisch jeder Erwachsene trägt Kariesbakterien im Mund. Eltern infizieren ihre Kleinen, wenn sie sie küssen oder den Breilöffel ablecken. Einmal im Mund, nisten sich die Keime im Zahnbelag ein. Vor allem Streptococcus mutans fällt dort unangenehm auf: Der Erreger verdaut Zucker zu Milchsäure, die den Schmelz angreift und Karies den Weg bereitet. Zuckerfreies Kaugummi rubbelt Beläge zwar nicht so effektiv weg wie eine Bürste, regt aber den Speichelfluss an. So werden Zucker und andere Speisereste aus der Mundhöhle gespült. Außerdem neutralisiert Spucke die Milchsäureausscheidungen der Bakterien.

Zähne richtig putzen: Nur wischen, nicht schrubben
Zum Zähneputzen empfiehlt sich die so genannte Rüttel- oder Vibrationstechnik: Sie setzen dabei die Bürste in einem Winkel von etwa 45 Grad am Zahnfleischsaum an, sodass die Spitzen der Borsten in den Zahnzwischenraum eindringen. Wenn sie nun mit der Bürste leicht rütteln, spüren Sie das am Zahnfleisch und in den Zahnzwischenräumen. Die Spitzen der Borsten bleiben dabei fest stehen. Wischen Sie die gelösten Beläge von rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zähne) aus.

Zum Zähneputzen empfiehlt sich die so genannte Rüttel- oder Vibrationstechnik: Sie setzen dabei die Bürste in einem Winkel von etwa 45 Grad am Zahnfleischsaum an, sodass die Spitzen der Borsten in den Zahnzwischenraum eindringen. Wenn sie nun mit der Bürste leicht rütteln, spüren Sie das am Zahnfleisch und in den Zahnzwischenräumen. Die Spitzen der Borsten bleiben dabei fest stehen. Wischen Sie die gelösten Beläge von rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zähne) aus.

Geringeres Risiko für Karies und Zahnfäule

Inzwischen hat sich die Lebensmittelwirtschaft einen ganzen Strauß von Süßungsmitteln ausgedacht. Als besonders zahnschonend gilt Xylit, auch Xylitol oder Birkenzucker genannt, das in vielen Früchten und Gemüsesorten vorkommt. Industriell wird der Zusatzstoff E 967 vor allem aus Mais gewonnen. Im Gegensatz zu den praktisch kalorienfreien Süßstoffen ist Xylit eine Zuckeraustauschsubstanz: Es schlägt durchaus mit Kalorien zu Buche, allerdings mit 40 Prozent weniger als Haushaltszucker - bei ähnlicher Süßkraft. Kaufen kann man das weiße Pulver zum Beispiel in der Apotheke - wo man allerdings manchmal mehr als 15 Euro pro Kilo bezahlt. Auch viele Kaugummis und Süßigkeiten enthalten Xylit.

Der Stoff kann aber mehr als süßen: Er hungert Karies-Streptokokken regelrecht aus, weil diese den Stoff nicht verdauen können. Außerdem erhöht Xylit im Mund den Anteil harmloser Bakterien, die weniger Säure bilden.

Schon in den 70er Jahren erregten zwei finnische Studien Aufsehen: 215 Erwachsene, die mit Xylit gesüßte Kaugummis oder andere Lebensmittel aßen, entwickelten weniger Karies als jene, die Haushalts- oder Fruchtzuckerprodukte bekamen. Auch einige (aber nicht alle) Untersuchungen an Kindern ergaben, dass Xylit die Kariesbakterienzahl verringert und Zahnfäule seltener oder erst später im Leben auftritt.

Auch für Diabetiker geeignet

Interessanterweise scheint sich der Schutz sogar von Eltern auf Kinder zu übertragen: Kauten Mütter regelmäßig Xylit-Kaugummis, nahm das Kariesrisiko ihrer Kinder stark ab. Vermutlich wurde die Ansteckung der Kleinen unterbunden.

Amerikanische Kinderzahnärzte befürworten inzwischen den Einsatz von Xylit zur Kariesprävention. Finnland hat ein Programm aufgelegt, das Kinder zum Kauen von zuckerfreiem Kaugummi animieren soll. Xylit gilt als sicher, selbst für Diabetiker. Allerdings kann man davon Blähungen und Durchfall bekommen, wenn man es in hohen Dosen verzehrt. Und Hundebesitzer sollten das weiße Pulver sicher wegschließen, weil Haustiere dadurch lebensbedrohlich unterzuckern können.

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