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RBB-Jugendradio "Liebe Fritz*innen": Erster öffentlich-rechtlicher Radiosender führt das Gendersternchen ein

Gendersternchen
Das Gendersternchen hat als Begriff im Duden Einzug gehalten. Nach Auffassung der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ist es jedoch weder konform mit den Regeln der deutschen Grammatik noch mit denen der Rechtschreibung.
© Sebastian Gollnow / DPA
Gendersternchen werden gelegentlich in der Schrift verwendet. Doch kann man sie auch sprechen? Der RBB-Jugendsender "Fritz" will den Platzhalter demnächst auch im Radio zum Erklingen bringen.

Es ist eigentlich ein harmloses Zeichen, auf der Computertastatur gar nicht so leicht zu finden. Und doch sorgt es immer wieder für ideologische Debatten: das Gendersternchen. Das typografische Symbol soll nicht nur das männliche und weibliche Geschlecht ansprechen, sondern auch nichtbinäre Identitäten, also beispielsweise Transsexuelle.

Das sorgt seit Langem für Streit: Während Befürworter des Gendersternchens den Abbau von Diskriminierungen geltend machen, verweisen Kritiker auf den Unterschied zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht. Zudem verweisen sie auf die angebliche Unmöglichkeit, den Stern in der gesprochenen Sprache zum Ausdruck zu bringen.

Doch genau das soll nun beim RBB-Jugendkanal "Radio Fritz" geschehen. Als erster Radiosender im ARD-Verbund soll dort ab dem 1. September in den Nachrichtensendungen eine durchgehend gegenderte Sprechweise verwendet werden. Das sagte Programmchefin Karen Schmied dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Wunsch dazu sei aus der überwiegend jungen Redaktion gekommen, so Schmied. "Für die Jüngeren ist Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache ein großes Thema." Das gelte auch für die Kernzielgruppe, die zwischen 20 und 25 Jahre alt sei.

Anne Will spricht bereits das Gendersternchen mit

Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich die Nachrichtenredaktion schnell an die neue Sprechweise gewöhnt, so Schmied. Beim Vortrag wird das Sternchen wie eine imaginäre Pause gesprochen. Die Anrede "Liebe Kolleg*innen" spricht man demnach aus: "Kolleg (Pause) innen". 

Bislang vermeiden es die meisten Journalisten, das Gender-Sternchen in Sendungen mitzusprechen. Eine der wenigen Ausnahmen ist Anne Will, die in ihrer Sendung tatsächlich von "Gäst*innen" spricht. Für "Radio Fritz", der seine Zuhörer gerne als "Radio-Fritzen" bezeichnet, könnte das bedeuten, dass künftig von "Radio-Fritz*innen" die Rede ist. Gut möglich, dass auch eine andere Begrüßung gefunden wird.

Die Meldung löste in den sozialen Medien bislang noch kein großes Echo aus: Der RBB hat die Entscheidung noch nicht offiziell auf den Kanälen verkündet. Eine Handvoll Zuhörer brachte dennoch bereits auf Twitter seinen Unmut zum Ausdruck. 

Verwendete Quelle: "welt.de"

che

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