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Auf der Hollywoodschaukel mit ... Amira El Sayed: "Man unterdrückt sich auch selbst"

Was war der Sommer ihres Lebens? Amira El Sayed über Tom Hanks, Freiheit und die Revolution in Ägypten.

Auf der Hollywoodschaukel: Amira El Sayed: Der Sommer meines Lebens

Amira El Sayed wurde 1991 als Tochter einer Österreicherin und eines Ägypters in Innsbruck geboren. Da sie sich in beiden Ländern zu Hause fühlt, und die politischen Geschehnisse in Ägypten auch ihre Familie betreffen, hat sie ein persönliches Buch über den arabischen Frühling und dessen Geschichte geschrieben. Vor allem aber ist El Sayed Schauspielerin. Nach der Schauspielschule stand sie auf Theaterbühnen, doch jetzt ist erst einmal der Film dran, und da hat sie gleich einen Volltreffer gelandet: Gerade stand die 23-Jährige für Tom Tykwer mit Tom Hanks in "Ein Hologramm für den König" vor der Kamera gestanden.

Wie war Tom Hanks denn so?

Er ist ein wahnsinniger Schauspieler. Deshalb ist es sehr einfach, mit ihm zu arbeiten. Er macht einen besser. Und dabei ist er ein sehr bodenständiger Typ.

Und Tom Tykwer als Regisseur?

Auch grandios. Jeder fragt immer gleich nach Tom Hanks, aber nicht nach Tykwer. Dabei war es ein Traum von mir, mit ihm zu arbeiten.

Sie haben auch ein Buch geschrieben: "Klang der Freiheit".

Das ist sozusagen die Vorgeschichte der ägyptischen Revolution. Ich bin Ägypterin und Österreicherin. Mein Vater kommt aus Ägypten, und als Student war er einer der jungen Revolutionäre. Damals gab es viele Studentenaufstände in Alexandria und in Kairo. Durch die Schauspielarbeit und die Arbeit mit mir selbst habe ich angefangen zu recherchieren: Woher kommt meine Familie, und wie war das eigentlich in den 60ern, gab es immer schon Kopftücher in Alexandria? Ich habe Bilder gefunden von Hippies, von Frauen mit offenen Haaren und diesen schönen Dauerwellen (lacht). Damals war das Kino auch größer in Alexandria. Es hat sich einiges verändert.

Nicht zum Guten...

Ich bin ein wenig enttäuscht, dass ich in die falsche Zeit für Ägypten reingeboren bin. Ich hätte das damals gern miterlebt. Andererseits ist es auch spannend, jetzt dabei zu sein und zu sehen, wie ein ganzes Volk für seine Freiheit kämpft.

Findet es sie denn?

Es wird noch dauern. Es muss Schritt für Schritt passieren, wie in Europa. Es braucht Revolutionen und Niederlagen, um wieder daraus zu lernen.

Würden Sie im Augenblick nach Ägypten fahren?

Natürlich! Ich habe eine Wohnung in Alexandria und bin fast jedes Jahr dort. Kairo ist stressiger, aber wenn man vorsichtig ist, ist es in Ordnung. Ich würde nicht unbedingt Proteste organisieren. Lieber aus dem Ausland darüber schreiben. Das hilft auch schon viel. Diskutieren!

Das hilft?

Ja! Weil es aufklärt. Die großartigste Änderung in Ägypten ist, dass die Leute vorher mundtot waren und jetzt sprechen. Wenn ich als Kind meine Großmutter nach unserem Präsidenten gefragt habe, dann hat sie nicht geantwortet. In ihrem Zuhause! Man unterdrückt sich auch selbst. Und jetzt spricht jeder darüber, und jeder hat eine andere Meinung, was auch schlecht ist, denn es gibt keine Einigung, aber ich sehe schon einen Fortschritt. Allerdings wird es noch sehr lange dauern, bis die Demokratie zustande kommt, die wir uns wünschen.

Tragen Sie Kopftuch, wenn Sie da sind?

Auf keinen Fall! Einmal bin ich in einem öffentlichen Park von drei Wärtern in Uniform darauf hingewiesen worden, dass ich meine Arme bedecken müsse. Ich trug ein Trägerhemd, was normal sein sollte im Park. Ich habe so einen Aufstand gemacht! Ich habe gesagt, die sollen mich verhaften, dass ich Schwarz auf Weiß sehen möchte, dass das verboten ist, denn es ist nicht verboten. Es ist dieses "Wir unterdrücken uns alle gegenseitig und tun so als ob". Aber das ist kein Gesetz!

Und was ist passiert?

Sie sind wieder gegangen. Meine Cousinen und Freundinnen müssen das jeden Tag fünf, sechs Mal durchstehen und immer alles zu einer großen Diskussion machen. Ich kann immer irgendwann zurück nach Österreich fliegen.

Haben Sie eine Lieblingssommerbeschäftigung?

Am Strand liegen. Oder an den See fahren, im Café sitzen, da bin ich ganz Wienerisch. Draußen sitzen und Zeitung lesen.

Hatten Sie als Kind ein Lieblingseis?

Ich mochte Twinni. Das waren zwei Eis zusammengeschmolzen, eins grün, eins orange. Das konnte man mit der Freundin teilen.