HOME

"Cocina Sabina": Berlin - São Paulo und zurück

Im Einwanderungsland Brasilien mischen sich die kulinarischen Traditionen vieler Völker. Wenn eine brasilianische Köchin mit deutschem Migrationshintergrund nach Berlin zieht, dann hat sie ein reiches Repertoire. In einem Kochbuch stellt Sabine Hueck es vor.

Es war am Atlantikstrand Brasiliens, wo Sabine Hueck ihre Liebe zum Kochen und Backen entdeckte. Im Badeort Peruíbe südlich von São Paulo betrieb ihre Großmutter mütterlicherseits eine Bäckerei, und am Wochenende durfte Klein-Sabine immer mithelfen. Oma Lotte war aus Berlin eingewandert, von Beruf Schauspielerin, aber auch eine hervorragende Köchin. Obwohl Sabine auch gerne mit ihrem Großvater väterlicherseits, dem gleichfalls aus Berlin ausgewanderten Botaniker Kurt Hueck, seltene Pflanzen sammeln ging, zog es sie dann doch ins kulinarische Fach.

Seit einigen Jahren lebt die in São Paulo geborene Profiköchin in der Stadt ihrer Großeltern. Ein solcher Migrationshintergrund kann das Repertoire nur bereichern. São Paulo ist nicht nur die größte Stadt Südamerikas, sondern mit einer Vielzahl von Einwanderergruppen aus Europa und Asien zugleich ein kulinarischer Schmelztiegel. In Berlin, wo sie Kochkurse gibt und einen Cateringservice betreibt, hat Sabine Hueck jetzt ihre Lieblingsrezepte in dem Kochbuch "Cocina Sabina" zusammengestellt.

Kulinarische Globalisierung

Da sind zum Beispiel afrobrasilianische Gerichte mit so exotischen Namen wie Moqueca de Peixe (Fischeintopf), Acarajé (frittierte Bällchen) oder Bobo de Camarão (Garnelen-Maniok-Spezialität). Sie stammen aus der nordostbrasilianischen Stadt Salvador da Bahia, der Wiege des Samba, berühmt für ihren Karneval und bekannt auch aus den Romanen Jorge Amados. Im Süden Brasiliens hinterließen dagegen italienische Einwanderer ihre Spuren. In dieser Sparte wartet Hueck mit Rezepten wie Caipi-Limetten-Risotto, Maniok-Gnocchi in brauner Salbei-Butter oder Brasilianischer Caponata auf.

"Die Küche war schon global, bevor man das Wort Globalisierung kannte", sagte Hueck bei der Vorstellung ihres Kochbuches in der brasilianischen Botschaft in Berlin. Was kommt zum Beispiel dabei heraus, wenn Japan, China und Peru aufeinandertreffen? - Peruanisches Sashimi, Gebackene Wantan mit Salsa Criolla oder Lachs in schwarzem Sesam-Pfeffer-Mantel, wie Hueck unter "Asiaküche trifft Peru" beschreibt. "Der Nahe Osten im Fernen Rio" heißt ein Kapitel über die arabischen Einflüsse südlich des Äquators. Auch ein eigenes Kapitel über Südostasien hat Hueck geschrieben.

Entenbrust mit Maracujadressing

Bei einer Deutsch-Brasilianerin darf das Land der Vorfahren natürlich nicht fehlen. Schließlich waren die Deutschen eine der ersten europäischen Einwanderergruppen in Brasilien und kamen schon kurz nach der Unabhängigkeit 1822. "Ein altes deutsches Kochbuch gehörte in meiner Kindheit zu meinen Lieblingsbüchern", schreibt Hueck. Zwar fand man nicht immer die richtigen Zutaten, doch die Deutsch-Brasilianer wussten sich zu helfen, etwa beim Schweinebraten mit Maniokpüree oder auch dem Maniok-Rösti. Den traditionellen Entenbraten verfeinerte Hueck zu Entenbrust mit Maracujadressing.

Außer den Hauptgerichten bietet das reich bebilderte Buch auch Desserts und Gebäck. In einem Glossar erläutert die Autorin die Namen der Zutaten und verrät, wo man sie in Deutschland kaufen kann. Und auch die Drinks finden noch Platz: Rezepturen für Pisco Sour und Punch Coco oder Wassermelonen-Margarita etwa. Sozusagen den Gipfel der Globalisierung erklimmt die "Sakerinha": Sieht aus wie eine Caipirinha, doch statt des brasilianischen Zuckerrohrschnapses Cachaça ist japanischer Sake drin.

Klaus Blume/DPA / DPA