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Arthur Miller: "Für ihn war die ganze Welt eine Bühne"

Für den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki war der verstorbene Dramatiker Arthur Miller war einer der ganz Großen, mit einem "untrüglichen Blick für aktuelle und brisante Geschichten".

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat Arthur Miller als einen Dramatiker gewürdigt, "für den die ganze Welt eine Bühne war". Der am Donnerstagabend (Ortszeit) im Alter von 89 Jahren in den USA gestorbene Miller ("Tod eines Handlungsreisenden") "hatte einen untrüglichen Blick für aktuelle und brisante Geschichten", sagte Reich-Ranicki am Samstag in Frankfurt in einem Gespräch mit der dpa.

Millers nur viereinhalb Jahre dauernde Ehe mit der Schauspielerin Marilyn Monroe nannte der 84-jährige Kritiker "ein ungewöhnliches Ereignis: Denn noch nie hatte Amerika ein Paar gekannt, das auf so repräsentative Weise Sinnlichkeit und Moral veranschaulichte".

Zu der legendären Abneigung des einer polnisch-jüdischen Einwandererfamilie entstammenden US-Dramatikers gegenüber Kritikern sagte der Frankfurter Literaturexperte: "Miller schrieb für Zuschauer und Schauspieler, nicht für Kritiker. Aber diese stimmten ihm begeistert zu." Er selbst habe einst eine "herrliche Widmung" von Miller bekommen, sagte Reich-Ranicki.

Pressestimmen

"L’Express" (Paris): "Der Dramaturg Arthur Miller, ein Gigant des Gegenwartstheaters und ein Gewissen des 20. Jahrhunderts, bleibt auch im Gedächtnis als Gatte der Kino-Ikone Marilyn Monroe."

"Le Figaro" (Paris): "Miller, der Agitator des Gewissens. Scharfsichtig, ohne je verzweifelt zu sein, und mit seinem Glauben, dass man das Individuum vervollkommnen kann, war er im Grunde ein Schriftsteller des vergangenen Jahrhunderts."

"Libération" (Paris): "Als marxistischer Intellektueller mit fast rabbinerhafter Moralität glaubte er an die moralische und politische Aufgabe eines Theaters, dass "das Bewusstsein, das die Menschen von ihren Fähigkeiten haben, ändern und erweitern muss"."

"El País" (Madrid): "Millers Werke haben die Welt des Theaters revolutioniert, weil er jenen eine Stimme gab, die keine hatten. Er erzählte somit die verborgene Geschichte der USA, jene, die nichts mit dem amerikanischen Traum gemein hat."

"La Stampa" (Turin): "Mit Arthur Miller geht der letzte der amerikanischen Giganten, die uns einst in Träume versetzen konnten - Menschen wie Abraham Lincoln, Gary Cooper, Gregory Peck - hoch gewachsene Männer, stark, schweigsam, asketisch, aufrichtig."

"Corriere della Sera" (Mailand): "Selbst 26 Jahre nach ihrem Tod mochte Arthur Miller nicht öffentlich über Marilyn Monroe sprechen. (...) Nach Meinung von Norman Mailer konnte es einer wie Miller einfach nicht ertragen, von der eigenen Ehefrau in die zweite Reihe versetzt zu werden."

"La Repubblica" (Rom): "Der Rebellen-Schriftsteller, der Marilyn Monroe heiratete."

"Daily Telegraph" (London): "Obwohl Arthur Miller eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des amerikanischen Theaters in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunders war, war er vor allem als Ehemann von Marilyn Monroe bekannt."

DPA