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Werbe-Gag: Hellmuth Karaseks müde Ikea-Katalog-Rezension

Es soll witzig sein: Hellmuth Karasek rezensiert den Ikea-Katalog, als wäre es ein Stück Weltliteratur. Das Werk wurde allerdings vom Möbelhaus selbst in Auftrag gegeben - und bezahlt. 

Hellmuth Karasek

Er hätte besser bei Thomas Mann bleiben sollen: Hellmuth Karasek

Die Klaviermusik erinnert ans literarische Quartett. Hellmuth Karasek sitzt in einem Ohrensessel. Um ihn herum stehen Bücherregale, auf dem Holztisch ein Glas Wasser. Dann beginnt er im wohlbekannten, sonoren Ton, zu sinnieren. Doch dieses Mal rezensiert er keinen Thomas Mann und keine Elfriede Jelinek, sondern den neuen Ikea-Katalog.

Ikea Schweiz hat den Literaturkritiker für eine Werbekampagne engagiert. Die Idee: Er bespricht den Katalog der schwedischen Möbelkette, als wäre es ein Stück Weltliteratur. Angeblich habe Karasek keinerlei inhaltliche Vorgaben erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Der 81-Jährige habe den Katalog "nach seinem Gutdünken und nach den gleichen Maßgaben rezensiert, wie er das bei anderen Werken der Belletristik zu tun pflegt", heißt es. Wie viel Gage er für seine Rezension bekommen hat, gab Ikea nicht bekannt.

Werbegag: So unglaublich rezensiert Hellmuth Karasek den Ikea-Katalog

Herausgekommen ist ein knapp fünfminütiges Video, in dem Karasek auf altbekannte Ikea-Besonderheiten anspielt. Dazu, dass das Möbelhaus seine Kunden mit du anspricht sagt er: "Ich muss gestehen, ich liebe Bücher nicht so sehr, die sich altmodisch aufdringlich mit einem du an den Leser wenden, die sich sozusagen anrempelnd in sein Leben drängen, um ihm zu sagen, wie er zu schlafen oder nicht zu schlafen hat."

"Blick auf Karaseks Plautze"

Karasek geht mit den Textern des Katalogs aber auch hart ins Gericht. Nach der Lektüre eines Abschnitts über die Gemütlichkeit der Ikea-Betten sagt er: "Es ist sehr verlockend an dieser Stelle, das Buch zur Seite zu legen und ohne Buch weiter zu dösen." Sein Fazit fällt genauso gnadenlos aus: Was fehlte dem Buch, wenn es ein schöngeistiger Roman wäre?", fragt Hellmuth Karasek. Seine Antwort: "Alles."

Ebenso hart wie Karasek mit dem Buch gehen viele User mit seinem Video auf Youtube und Twitter ins Gericht. Während manche die selbstironische Werbeidee durchaus loben, halten einige Karaseks Ausführungen für unlustig. Ein User schreibt: "Das einzig Sehenswerte an diesem Video ist der Blick auf Karaseks Plautze." Seine Ex-Kollegin Silke Burmester urteilt gar: "Ich kenne Herrn Karasek. Er wäre bereits mit dem Zusammenschrauben eines Billy-Regals völlig überfordert."