Informations-Hunger Sachbücher über US-Politik sehr erfolgreich


Seitdem George W. Bush die Vormachtstellung der USA in der Welt rücksichtslos ausbaut, besteht wieder ein großes Interesse an politischer Analyse der US-Außenpolitik. Insbesondere Bücher über den Irak-Krieg verkaufen sich spitze.

Über einen Mangel an Informationssendungen zum Irak-Krieg kann sich derzeit kaum jemand beklagen. Bei all dem, was auf Bildschirmen flackert und aus Lautsprechern dröhnt, fällt es vielen eher schwer, den Blick für das Ganze nicht zu verlieren. Wer die Wissenszufuhr selber steuern möchte, dem empfiehlt sich der Griff zum Sachbuch. Die Nachfrage nach politischen und zeitgeschichtlichen Büchern ist nach Angaben mehrerer Verlage in den vergangenen Wochen enorm gestiegen. "Wir können das vergleichen mit der Situation nach dem 11. September (2001)", sagt Susanne Lange, Verlagsleiterin für Marketing der Deutschen Verlagsanstalt (DVA), in München.

"Bush at War. Amerika im Krieg."

Das Buch "Bush at War. Amerika im Krieg." erscheine sechs Wochen nach der Auslieferung bereits in der fünften Auflage, sagt Lange. In seiner Chronologie der Ereignisses nach dem 11. September macht der Watergate-Journalist Bob Woodward deutlich, dass ein Präventivkrieg gegen den Irak schon früh ein wichtiges Thema für die amerikanische Führung war. Die 400-seitigen Insider-Beschreibungen basieren unter anderem auf Protokollen des US-Sicherheitsrats sowie Interviews mit Beteiligten. Auch der amerikanische Präsident George W. Bush gewährte dem Autor ein mehrstündiges Exklusivgespräch.

"Mit Gott gegen alle. Amerikas Kampf um die Weltherrschaft"

Das Buch "Mit Gott gegen alle. Amerikas Kampf um die Weltherrschaft" von Peter Pilz hätte erst im Herbst erscheinen sollen. Die DVA veröffentlichte es aus aktuellem Anlass schon Anfang März. Der Autor ordnet den Irak-Konflikt in eine lange Reihe von machtpolitisch begründeten Kriegen ein, die die USA seit dem Zweiten Weltkrieg geführt haben.

"Ich war Saddams Sohn"

Auch der Goldmann Verlag hat schnell reagiert. Neu aufgelegt wurde das 1994 erschienene Buch "Ich war Saddams Sohn". Darin beschreibt Latif Yahia, wie er dem irakischen Machthaber Saddam Hussein als Doppelgänger dessen Sohnes Udai diente. Das Interesse an Irak-Literatur sei in den vergangenen Wochen stark gestiegen, sagte eine Verlagssprecherin. Bereits im April soll das Buch "Angriffsziel Irak. Wie uns die Medien den Krieg verkaufen" von Norman Solomon und Reese Erlich erscheinen.

Rechtzeitig zum Kriegsbeginn erschien auch die Saddam-Hussein-Biografie von Con Coughlin. Der Chefredakteur der britischen Zeitung "Sunday Telegraph" war während des Golfkriegs 1991 als Korrespondent im Irak. Auf mehr als 500 Seiten widmet er sich dem Leben des "ältesten amtierenden Diktators". Die Quellenlage sei nicht einfach, räumt der Autor ein. Wichtige Zeugen seien ermordet oder hätten Angst. Coughlin stützt sich unter anderem auf Oppositionelle, die er in London gesprochen hat. Er beschreibt nicht nur die Grausamkeiten Saddam Husseins, sondern auch die Unterstützung, die dieser von britischen und amerikanischen Geheimdiensten erhalten hat.

"Weltmacht USA. Ein Nachruf"

Auch der Online-Buchhändler Amazon verzeichnet einen kriegsbedingten Informationshunger bei seinen Kunden. "Wir haben bis zu fünf Irak-Titel unter unseren Top 25", sagt eine Sprecherin. Die Leser seien eher an Sachliteratur als an Sensationsberichten interessiert. Weit oben auf der Liste stehen Bücher, die sich mit der Haltung der USA befassen, beispielsweise "Stupid White Men" von Michael Moore und "Weltmacht USA. Ein Nachruf" von Emmanuel Todd.

"Chronik eines gewollten Krieges"

Unter den Amazon-Bestsellern findet sich auch zwei Titel ehemaliger UN-Mitarbeiter im Irak. Ex-Waffeninspekteur Scott Ritter bekräftigt in dem Buch "Krieg gegen den Irak. Was die Bush-Regierung verschweigt" seine Ansicht, dass der Irak weder Kontakt zur Terrororganisation El-Kaida unterhalte noch Massenvernichtungswaffen besitze. Der ehemalige Koordinator des UN-Hilfsprogramms im Irak, Hans von Sponeck, hat gemeinsam mit Andreas Zumach die "Chronik eines gewollten Krieges" verfasst. Nach Verlagsangaben hat Letztere sich innerhalb von fünf Wochen 45.000 mal verkauft.

"Unbekannter Irak"

Um ganz andere Facetten des Landes kennen zu lernen, das sich nun im Krieg befindet, lohnt ein Blick in den Band "Unbekannter Irak". Er umfasst Reportagen des "National Geographic Magazin" aus dem Zweistromland aus etwa 100 Jahren, unter anderem über die Suche nach dem biblischen Garten Eden. Eine "Kleine Geschichte des Irak - Von der Gründung 1921 bis zur Gegenwart", verfasst von Henner Fürtig vom Deutschen Orient-Institut, wird noch im April im C.H.Beck Verlag erscheinen.

Ulrike Koltermann DPA

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