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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels Autor Navid Kermani: Kriegserklärung an Islamischen Staat


Es war eine bewegende Rede, die Navid Kermani in der Frankfurter Paulskirche hielt. Als Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels kritisierte er das Desinteresse an der Situation in Syrien und dem Irak - und rief zum Kampf gegen den IS auf.

Der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, hat ein entschlosseneres Vorgehen in Syrien bis hin zu militärischen Optionen gefordert. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) werde den "Horror" so lange steigern, bis die Menschen in ihrem europäischen Alltag spürten, dass dieser Horror nicht von selbst aufhören werde, sagte Kermani in seiner Dankesrede nach der Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche.
Der deutsche Orientalist, Schriftsteller und Essayist rief in seiner bewegenden Rede nicht offen zum Krieg auf, bezog aber ausdrücklich das militärische Eingriffen mit in die nun noch vorhandenen Möglichkeiten mit ein. Je länger gewartet werde, desto weniger Möglichkeiten blieben, sagte Kermani.

"Den Irsinn nicht länger akzeptieren"


"Darf ein Friedenspreisträger zum Krieg aufrufen? Ich rufe nicht zum Krieg auf. Ich weise lediglich darauf hin, dass es einen Krieg gibt - und dass auch wir, als seine nächsten Nachbarn, uns dazu verhalten müssen, womöglich militärisch, ja, aber vor allem sehr viel entschlossener als bisher diplomatisch und ebenso zivilgesellschaftlich", sagte er.
    Der Krieg könne nicht mehr allein in Syrien und im Irak beendet werden, er könne nur von den Mächten beendet werden, die hinter den verfeindeten Armeen und Milizen stehen. "Und erst wenn unsere Gesellschaften den Irrsinn nicht länger akzeptieren, werden sich auch die Regierungen bewegen", sagte Kermani. Wahrscheinlich würden bei einem entschlosseneren Vorgehen Fehler gemacht. "Aber den größten Fehler begehen wir, wenn wir weiterhin nichts oder so wenig gegen den Massenmord vor unserer europäischen Haustür tun, den des 'Islamischen Staates' und den des Assad-Regimes."

Kermani als Vorbild

Zu der Preisverleihung an Kermani kamen rund tausend Gäste in die Frankfurter Paulskirche, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Der Literaturwissenschaftler Norbert Miller würdigte in seiner Laudatio auf Kermani dessen Literatur, die den Bogen vom Romanschreiber über den Orientalisten hin zum Reporter spanne. Der Vorsteher des Börsenvereins des Buchhandels, Heinrich Riethmüller, bezeichnete den Preisträger als ein Vorbild, als Menschen, der Orientierung gebe. "Ein aufgeklärter Bürger, der Hölderlin und die Poesie liebt, der aus der Literatur und aus seiner Religiosität die Anregungen, Erkenntnisse und Kraft schöpft, die wir, angesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, alle brauchen."
    Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Amos Oz, Albert Schweitzer, Astrid Lindgren sowie Siegfried Lenz. Im vergangenen Jahr war Jaron Lanier geehrt worden.

DPA

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