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Swetlana Alexijewitsch Das moralische Gedächtnis


Berühmt für ihre Texte über Tschernobyl und den Afghanistankonflikt: Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch. Ein Kurzporträt.

Mit einem ganz eigenen literarischen Stil ist sie zum moralischen Gedächtnis des zerfallenen Sowjetimperiums geworden: Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch hat mit ihren Collagen das Leid, die Katastrophen und den harten Alltag der Menschen in ihrer Heimat aufgearbeitet.

Ihre literarische Methode wendet die gelernte Journalistin erstmals 1983 im Buch "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" an. Mit Hilfe zahlreicher Interviews thematisiert sie hier das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg. Sie wird in der Folge angeklagt und verliert ihre Anstellung.

In "Zinkjungen" (1989) hat sie mehr als fünfhundert Interviews mit Veteranen aus dem sowjetischen Afghanistan-Feldzug und Müttern von gefallenen Soldaten geführt. 1997 erscheint ihr Werk über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit erschütternden psychologischen Porträts über die Auswirkungen auf die Betroffenen.

Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren. Sie arbeitete nach einem Journalistikstudium zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Da sie unter dem autoritären Regime in Weißrussland nicht mehr öffentlich auftreten darf und ihre Werke verboten sind, hielt sie sich seit dem Jahr 2000 überwiegend im Ausland auf. 2011 ging die heute 65-Jährige trotz ihrer oppositionellen Haltung zurück nach Minsk.

DPA DPA

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