Walter Moers Ein Arschloch geht um die Welt

Er schrieb Gutenachtgeschichten für das Sandmännchen, sein "Kleines Arschloch" machte ihn berühmt und die Satire "Adolf, die Nazi-Sau" brachte ihm Morddrohungen ein: Der Comic-Zeichner und Geschichten-Erzähler Walter Moers feiert seinen 50. Geburtstag.

Keine Hose, dafür eine riesige Nase und eine derbe Ausdrucksweise - kaum zu glauben, dass dieses "kleine Arschloch", das mit Vorliebe den Nachbarhund quält, seine Lehrer terrorisiert und seinen Großvater zum Trauergäste-Beschimpfen über den Friedhof schiebt, aus derselben Feder stammt wie der zottelige "Käpt'n Blaubär" aus der Sendung mit der Maus. Bewusste Verletzungen der politischen Korrektheit sowie eine geradezu kindlich unschuldige Fantasie zeichnen den Roman- und Comicautoren Walter Moers aus, der am Donnerstag seinen 50. Geburtstag feiert.

Der öffentlichkeitsscheue Zeichner schlug sich nach dem Abbruch des Abiturs zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach durch und schrieb - wenn er nicht gerade in der Gladbacher Hannen-Brauerei Flaschen abfüllte - bereits kleine Gutenachtgeschichten für das "Sandmännchen". 1988 erschien schließlich der erste "Käpt'n Blaubär"-Comic, zwei Jahre später folgte "Das kleine Arschloch", das sich innerhalb von acht Monaten 90.000 Mal verkaufte, Moers aber auch Ärger einbrachte.

"Das kleine Arschloch" erhitzte die Gemüter

"Das kleine Arschloch" erhitzte bundesweit die Gemüter. Während die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und das "Zeitmagazin" Moers' Comicfigur einen Platz in ihrem Blatt einräumten und die Feuilletons ihn sogar mit dem Charly-Brown-Erfinder Charles M. Schultz verglichen, stellte das Landesamt für Jugend und Soziales 1994 einen Antrag, das Buch "Schöner leben mit dem kleinen Arschloch" auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen.

Ebenfalls 1994 wurde Moers der Adolf-Grimme-Preis für Gestaltung und Konzeption von "Käpt'n Blaubärs Seemannsgarn" verliehen. Ein Jahr später erhob der Regensburger Generalvikar Wilhelm Gegenfurtner Klage gegen "Das kleine Arschloch" wegen "böswilligen Verächtlichmachens eines religiösen Bekenntnisses und behinderter Menschen".

Keine Interviews, keine Fotos

Aber nicht nur den Unmut der Kirche und des Jugendschutzes zog Moers auf sich. Als 1998 "Adolf, die Nazi-Sau" in dem Satiremagazin "Titanic" vorabgedruckt wurde, erhielt er Morddrohungen aus der rechtsradikalen Szene. Ein Grund mehr für Moers, keine Interviews zu geben und sich auch nicht fotografieren zu lassen.

Die "ultimative Wahrheit über den Erzeuger des kleinen Arschlochs" kann man lediglich auf der Internetseite des Eichborn-Verlages nachlesen, der bis 2002 Moers' Werke herausgab. Hier heißt es, Moers könne 5000 Weinsorten am Entkorkungsgeräusch erkennen, habe bis dato mit 8000 Frauen geschlafen und habe nach der Mount-Everest-Besteigung mit verbundenen Augen 1992 die Goldmedaille im Trampolin-Synchron- Springen gewonnen. In Wahrheit ist Walter Moers jedoch verheiratet, lebt vorzugsweise in Hamburg und schimpft sich selbst einen Hypochonder.

"Mein Zielpublikum bin ich"

Seit 2003 schreibt Moers für den Piper-Verlag in München. Nach dem Erfolg seines Romans "Die Stadt der Träumenden Bücher", für den er 2004 mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet wurde, wird im Herbst 2007 mit dem "Schrecksenmeister" ein weiterer Roman erscheinen, dessen Handlung sich auf dem fiktiven Kontinent "Zamonien" abspielt.

Man darf gespannt sein, wann Moers nach den Geschichten aus seiner Fantasiewelt rund um Geheimbären, Sternenstauner und schriftstellernden Lindwürmern Kritiker mit einem neuen Tabubruch schockiert. Nach dem Geschmack der Leser hat er sich schließlich noch nie gerichtet. Denn "mein Zielpublikum bin ich", sagte Moers einmal.

Cornelia Laufer/DPA DPA

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