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Tipps vom Mediziner "Keine Handschuhe!" – Arzt verrät Einkaufsregeln zum Schutz vor Corona





Wenn die Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr dieser Tage ausrücken, fährt der Gedanke an die Corona-Pandemie wohl auch bei ihnen stets mit. Die Möglichkeiten, sich entsprechend den jeweils konkreten Anforderungen zu schützen, zeigten Kölner Nothelfer am Donnerstag. Die Einsatzkräfte müssen bei jedem Corona-Verdachtsfall konkrete Verhaltensregeln beachten, sagt Christian Paul, Leitender Notarzt bei der Feuerwehr: "Die Rettungswagenbesatzung bekommt bei der Alarmierung bereits einen Hinweis, dass es sich womöglich um eine Atemwegserkrankung handeln könnte und würde sich dann eben zunächst mal nur mit einem Mundschutz ausstatten. Dieser Mundschutz reicht aus für mindestens 20 Minuten, um sich mit einem solchen Patienten zu befassen. Nichtsdestotrotz ist die Besatzung gehalten, erst mal in einem, nennen wir es Sicherheitsabstand von knapp zwei Metern zu verharren, den Patienten anzuschauen, ihn zu befragen, insofern die Situation es zulässt." Bei der Schutzausstattung gibt es nach Angaben der Stadt Köln unterschiedliche "Eskalationsstufen". Die Stufen variieren vom einfacheren "Mundschutz und Handschuhen, über die Schutzmasken der Stufen 2 und 3 bis hin zu Schutzanzügen". Bei den Rettungsfahrzeugen sollen entsprechende Desinfektionsmaßnahmen das Risiko einer Virus-Weitergabe ausschließen.
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Wie schütze ich mich vor dem Coronavirus, wenn ich einkaufen gehe? Ein Arzt gibt Einkaufsregeln – und klärt auf, wieso Handschuhe nicht dazu gehören.
Von Mareike Dudwiesus

Dieser Beitrag wurde zuerst auf Brigitte.de veröffentlicht.

Täglich steigen die Fälle der Coronavirus-Infizierten in Deutschland an. Angela Merkel ruft die Bürger explizit dazu auf, soziale Kontakte zu meiden. Die Coronakrise spaltet die Gesellschaft – während die einen noch unbedacht Coronapartys feiern, setzen sich die anderen freiwillig unter Quarantäne. Wo treffen beide Lager aufeinander? Im Supermarkt – denn Lebensmittel braucht nach wie vor jeder. Auch wenn es noch immer keinen Grund für Hamsterkäufe gibt, sollte man sein Einkaufsverhalten derzeit durchaus überdenken.

Einkauf mit Handschuhen zum Schutz vor Corona
Handschuhe zum Schutz vor dem Coronavirus beim Einkaufen zu tragen, lehnt Dr. med. Thomas Voshaar strikt ab
© Roland Weihrauch / Picture Alliance / DPA

In Geschäften sammeln sich viele Menschen. Abstand halten ist gefragt. Aber wie schütze ich mich beim Einkaufen wirklich vor dem Coronavirus? Das hat uns Dr. Thomas Voshaar verraten. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers – und erklärt uns den Einkaufsguide zu Corona-Zeiten, in dem Vorsicht statt Panik gilt.

Experten-Tipps: Wie schütze ich mich beim Einkaufen vor Corona?

Dr. Voshaar, wie und wann gehe ich denn aktuell am sichersten einkaufen?

"Natürlich ist es so, dass man in den Einkaufsläden viel anfasst. Also sollte man planen, dass man nicht allzu oft in Einkaufsläden muss und dass jetzt wirklich nur diejenigen rausgehen sollen, die keine Symptome haben.

Wenn ich jetzt schon positiv getestet bin oder einfach nur Symptome habe, sollte ich nicht rausgehen. Das gilt aber auch für eine Erkältung und für die Grippe. Dann soll lieber ein anderer aus der Familie einkaufen gehen.“

Und wenn ich dann einkaufen gehe – wie schütze ich mich?

"Natürlich werden Einkaufswagen, Korb oder auch Türklinken in Läden von vielen Menschen angefasst. Dann empfiehlt es sich wirklich, wenn man wieder rauskommt, Hände zu desinfizieren, wenn man etwas zur Verfügung hat. Dann würde ich das sofort nutzen, noch bevor man wieder in sein Auto oder den Bus oder so steigt. Aber allerspätestens wenn Sie nach Hause kommen, noch bevor Sie die Jacken ausziehen. Als erstes stellen Sie die Tüten in die Ecke, und dann gehen Sie zweimal sehr sorgfältig die Hände waschen. Man sagt ja für 20 Sekunden, und ich sage, das am besten zwei Mal:

  • Das erste Mal für den groben Dreck,
  • dann noch ein zweites Mal und dann gut abtrocknen.
  • Wenn du die Einkäufe weggeräumt hat, dann gehst du wieder die Hände waschen.


Das ist ja alles schnell und gut gemacht, und das war's auch schon. Übrigens, bevor Sie aus dem Haus gehen, sollen Sie natürlich auch Hände waschen."

Kommen wir noch einmal auf das Einkaufen an sich zurück – Menschen verstecken sich hinter Schal und Handschuhen. Was bringt das?

Handschuhe signalisieren immer: 'Ich denke nur an mich selber, aber nicht an die anderen.'

"Wenn Sie die Handschuhe anhaben, können Sie ja alles Mögliche überallhin auch verteilen. Wir lehnen das ganz strikt ab. Die Leute sollen um Himmels willen keine Handschuhe tragen.

Und das mit dem Schal: Ja, Mensch, also wenn das einer machen will, kann man das machen. So ein Schal schützt tatsächlich, wenn man ihn zweimal umlegt, ein bisschen. Vor allem aber, damit man andere nicht ansteckt. Man kann damit nicht verhindern, dass Sie etwas einatmen, aber dass etwas Infektiöses rauskommt.“

Sollte ich Atemschutzmasken tragen, wenn ich mich schützen will?

Es gibt überhaupt keinen Grund für die Menschen, zu ihrem eigenen Schutz im normalen Leben Atemmasken zu tragen, bei den Maßnahmen, die jetzt getroffen werden. Sie sollten jeden unnötigen Kontakt mit Menschen meiden.

"Und wenn jemand Symptome hat, soll er so vernünftig sein und andere nicht anstecken. Das heißt, er soll nicht einkaufen gehen. Und wenn es überhaupt nicht zu vermeiden wäre, dann müsste der eine Maske aufsetzen. Aber um sich selber zu schützen, muss niemand in Deutschland außerhalb des Gesundheitssystems eine Maske tragen."

Wie ist das mit den Lebensmitteln? Können die Coronaviren übertragen, wenn ich damit koche?

"Das Risiko ist gering. Viren halten sich auf Oberflächen nicht besonders lange. Ich glaube wirklich, dass es gut ist, Obst und Gemüse abzuwaschen – wie immer. Und dann geht man vor dem Kochen nochmal die Hände waschen – wie immer.“

Vielen Dank für Ihre wertvollen Tipps, Dr. Voshaar!


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