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"Mein geliebtes Ich" Carolin Kebekus: "Jetzt hast du dir immer noch kein Pony gekauft? Bist du bescheuert?!"

Carolin Kebekus ist in ihrem Inneren eigentlich noch acht Jahre alt, meint die Komikerin 
Carolin Kebekus ist in ihrem Inneren eigentlich noch acht Jahre alt, meint die Komikerin 
© Frank Lübke
Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Carolin Kebekus.
Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online: dieses Mal Carolin Kebekus. Zurzeit ist sie wohl erfolgreichste Komikerin des Landes. Seit 2013 gewann sie vier Mal in Folge den "Deutschen Comedypreis". Seit 2013 ist Kebekus außerdem Ensemblemitglied der wöchentlichen Nachrichtensatire "heute-show".

stern: Frau Kebekus, welcher Kaugummi?

Kebekus: Hubba Bubba.

Auf dem Foto sehen wir rechts die erwachsene und links die kindliche Kebekus. Wie alt ist das Kind in Ihnen?

Ich bin eigentlich acht Jahre alt.

Wieso ausgerechnet acht?

Ich erinnere mich an diese verwackelten Videos, die mein Vater von mir gemacht hat, als ich acht war. Ich habe meine Familie gezwungen, einem Klavierkonzert von mir zu lauschen, obwohl ich keine einzige Note spielen konnte. Außerdem habe ich ständig Witze erzählt. Auch in der Schule.

Wie haben Jungs auf dieses forsche Mädchen reagiert?

Manchen Jungs war ich sicher zu krass. Das ist heute noch so.

Sie sind Männern zu anstrengend?

Vielleicht. Ich hatte immer sehr viel Energie. Damit muss man umgehen können. Als Mann ist das sicher nicht einfach, nur die zweite Geige zu spielen.

Sie stehen gern im Mittelpunkt.

Ich liebe es. Aber bevor jetzt ein falsches Bild entsteht: Ich denke, ich bin ein total einfacher Typ.

Sind das nicht die Schlimmsten, die sagen, sie wären völlig unkompliziert?

Nein, nein. In Beziehungen bin ich echt total relaxed.

Okay. Ein Beispiel, bitte.

Ich würde einen Mann nie fragen "Wo warst du?" oder "Warum kommst du erst jetzt nach Hause?". Das finde ich lächerlich. In meinen bisherigen Beziehungen musste meist ich mir solche Fragen anhören.

Ihre Mutter ist Sozialpädagogin. Wenn sie Ihnen zuschaut, denkt sie da manchmal: "Was hab ich nur falsch gemacht?"

Nee! Sie glaubt, sie hat alles richtig gemacht. Wenn ich in einem Sketch singe, verweist sie auf ihre musikalische Früherziehung und sagt: "Das ist, weil ich mit euch früher immer so viel gesungen habe." Sie meint das total ernst.

Was hält die achtjährige Carolin eigentlich von der erfolgreichen Karriere ihrer älteren Ausgabe?

Sie staunt und fragt: "Wow, wie hast du das gemacht?" Aber sie ist auch verärgert und schimpft: "Jetzt hast du so viel Geld verdient und dir immer noch kein Pony gekauft? Bist du bescheuert?!"

Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr. 8 am 16. Dezember 2017.


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