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"Bierfest": Peinlichkeiten mit Prochnow

Bier in Strömen, blanke Busen, Rülpsereien und Prügelorgien - der US-Film "Bierfest", der am Donnerstag in Deutschland anläuft, präsentiert eine völlig misslungene Oktoberfest-Story. Mit dabei: Jürgen Prochnow.

Die besten Drehbücher schreibt das Münchner Oktoberfest immer noch selbst: So schlug ein Wirt im vergangenen Jahr vor, künftig Maßkrüge aus Plastik zu benutzen. Das würde die Verletzungsgefahr mindern, außerdem würden nicht mehr soviele Krüge gestohlen werden. Die Empörung war riesig, den Bayern sind das Oktoberfest und dessen Traditionen heilig.

Umso gewagter war es von US-Regisseur Jay Chandrasekhar, seinen Film "Bierfest", der am 28. September in Deutschland anläuft, rund um das Oktoberfest anzusiedeln. Die Story: Die amerikanischen Brüder Todd und Jan Wolfhouse reisen nach München, um die Asche ihres Großvaters nach alter Familientradition auf dem Oktoberfest zu verstreuen. Doch so weit kommt es gar nicht. Wegen einer Schlägerei müssen die beiden das Fest schneller als geplant verlassen. Auf ihrer Flucht stolpern sie in eine weitere Party: das Bierfest.

Die Rache der Suffköppe

Das Bierfest wird seit Jahrhunderten streng geheim in Kellerräumen unterhalb der Münchner Theresienwiese gefeiert. Teams aus der ganzen Welt messen sich dort im Wettsaufen - sei es kopfüber oder aus Stiefeln trinkend. Dort treffen die beiden Amerikaner zufällig ihren bayerischen Onkel, gespielt von Jürgen Prochnow. Doch der ist auf den verstorbenen Opa gar nicht gut zu sprechen und lässt seine Wut an den Wolfhouse-Brüder aus - sie werden gnadenlos unter den Tisch gesoffen. Die beiden Amerikaner schwören sich daraufhin: Wir kommen wieder und zeigen’s euch! Darum verbringen sie das darauf folgende Jahr damit, zusammen mit drei weiteren trinkfesten Kumpels für die Revanche zu trainieren. Wie der Film ausgeht, ist vorhersehbar.

Diese Story wird mit unglaublich dummen Szenen unterfüttert. Das Bier fließt in Strömen, ein Witz ist flacher als der andere, die Frauen ziehen blank, die Männer rülpsen und prügeln sich bis zur Bewusstlosigkeit. Einer der Saufkumpanen ertrinkt in einem Bierbottich. Alle nur denkbaren Klischees, bayerischen Flüche und Schimpfwörter wurden in das Drehbuch aufgenommen. Doch bayerische Stimmung kommt trotzdem nicht auf.

Playmates im Rote-Kreuz-Zelt

Die deutschen Figuren sprechen alle eine näselnde Mischung aus Bayerisch und Österreichisch. Frauen tragen Zöpfe und kurze Dirndl, Männer ausschließlich Lederhosen. Und die einzige Szene, die auf dem Münchner Oktoberfest spielen soll, wurde so lieblos inszeniert, dass sie nicht einmal der Verdacht entsteht, es sei am Originalschauplatz gedreht worden. Statt Bierbänken stehen da massive Holztische, wie man sie vor Berghütten findet, die Bedienungen sind halb nackt und sehen aus wie Playmates, und das Bierzelt ähnelt eher einem Sanitätszelt des Roten Kreuzes.

Die witzigste Szene liefert noch Jürgen Prochnow, der deutsche Onkel. Als er sich mit einem U-Boot auf Bierrezept-Spionagereise in den USA befindet, bemerkt er: "In U-Booten krieg ich manchmal so ein merkwürdiges Gefühl" - eine Anspielung auf seine Rolle in dem legendären Movie "Das Boot". Gleichwohl ist es ein merkwürdiges Gefühl, Prochnow in diesem Film zu sehen: Warum hat er sich für einen solchen Schund hergegeben? Um den Film bis zum Ende durchzuhalten, braucht der Zuschauer einen große Toleranz, vor allem in Sachen Humor. Oder viele, viele Maß Bier.

Maria Marquardt/AP / AP