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"Brothers Grimm": In der Heimat ungeliebt

Mit dem wirklichen Leben und Schaffen der Märchensammler und Sprachforscher hat der neue Film "Brothers Grimm" von Kult-Regisseur Terry Gilliam nichts zu tun. Auch deshalb stößt das Werk in der hessischen Heimat der Grimms auf geteiltes Echo.

Statt märchenhaft geht es in dem Abenteuerfilm eher gruselig zu: Jacob und Wilhelm Grimm (Heath Ledger und Matt Damon) treten als Geisterjäger in einer Geschichte an, in die etliche der Grimm'schen Märchen hineingewoben sind: beispielsweise "Rapunzel", "Hänsel und Gretel" oder "Der Froschkönig". In einem verwunschenen Wald mit lebenden Bäumen und Wurzeln, der Menschen spurlos verschlingen kann, sollen die Grimms die Bevölkerung von einem schweren Fluch befreien. Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, müssen sie es mit der bösen Spiegelkönigin (Monica Bellucci) aufnehmen.

Terry Gilliam unbeeindruckt von Kritik aus Deutschland

Bei deutschen Wissenschaftlern stößt "Brothers Grimm" auf Kritik: "Dieser Film bietet ein Grimm-Bild, das mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat", bemängelt Grimmforscher Lauer. Die Märchensammler würden "durch den Kakao gezogen" und als "Scharlatane, Abenteurer und herumtreibende Gesellen dargestellt". Für Regisseur Terry Gilliam ist es nicht die erste Abfuhr, die er in Deutschland bekommt. Schon sein Film "Die Abenteuer des Barons von Münchhausen" war ein weltweiter Erfolg, aber floppte hierzulande. Ihn stören die Einwände aber nicht. Er gibt offen zu, dass die wahre Geschichte der Grimm-Brüder ihm nur als Inspiration für seinen Film diente. "Wir haben im Grunde ein Märchen um sie herum geschaffen, in dem sie anfangs als hippe und heroische Typen erscheinen, die von Dorf zu Dorf ziehen und diese von Hexen und bösen Geistern befreien. Aber dann werden sie gefangen in einer Märchenwelt - die Märchen, die sie gesammelt haben, werden plötzlich Realität."

Kassel plant Brüder-Grimm-Erlebnispark

Auf ein reales Interesse an der echten Geschichte der Grimms hofft Bernhard Lauer, Direktor des Kasseler Brüder-Grimm-Museums. Obwohl er mit der reißerischen Aufmachung des Filmes hadert, freut er sich über die kostenlose Werbung und setzt auf Ausbau der Angebote. Geplant sind in der Nähe des bestehenden Brüder-Grimm-Museums eine Sprachakademie, eine Brüder-Grimm-Bibliothek sowie eine Restaurationswerkstatt für die historischen Schriften. Außerdem soll ein Brüder-Grimm-Erlebnispark eingerichtet werden - Zielgruppe sind vor allem Kinder und Touristen. Den Kinofilm sieht der Leiter der Kassel-Tourist-Gesellschaft, Knut Seidel, als Ermutigung, die Grimm-Materie nicht nur wissenschaftlich, sondern auch erlebbar und spielerisch darzustellen.

Grimm-Kulturzentrum in Hanau, dem Geburtsort der Märchensammler

Nicht nur Kassel, wo die Grimms die Anfang des 19. Jahrhunderts die längste Zeit ihres Leben verbracht haben, auch Hanau, Geburtsort der Brüder, will vom Hollywood-Film profitieren: Neben einer Abteilung im historischen Museum und den Märchenfestspielen solle ein Brüder-Grimm- Kulturzentrum geschaffen werden, kündigte Kulturmanager Klaus-Dieter Stork an. Dass allein wegen des Kinofilms mehr Touristen nach Hanau kommen, bezweifelt Stork. "Wenn aber das Interesse an den Grimms wächst, sind unsere Pläne nicht ganz falsch."

Museumleiter kämpft gegen Klischees, die der Film hinterlässt

Andere bewerten den Einfluß des Filmes stärker: Burkhard Kling, Leiter des Brüder-Grimm-Hauses im osthessischen Steinau an der Straße, rechnet durchaus mit mehr Interessenten: "Die Besucher kommen mit neuen Fragestellungen - war es wirklich so wie im Film." Da der Kinostreifen mit vielen Klischees arbeite, rechne er mit Gästen, die eine vorgefertigte Meinung mitbrächten. "Dass aber jemand speziell wegen des Films ins Brüder-Grimm-Haus kommt, glaube ich nicht."

Mehr Infos über das Leben und Werk der Grimms gibt es unter www.grimms.de. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

kbu/DPA / DPA