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"Cars 2" startet in deutschen Kinos Tiefergelegt, aber ohne Tiefgang


Vor fünf Jahren schickte Pixar den animierten roten Flitzer Lightning McQueen mit "Cars" durch die Kinos. Nun müssen die Helden aus Metall im actionreichen "Cars 2" aufregende Abenteuer bestehen. So hat "Cars 2" Tempo auf Kosten von Tiefgang.

Im vergangenen Sommer rührte Pixar mit "Toy Story 3" ein Millionenpublikum zu Tränen. Jetzt drückt die kalifornische Animationsschmiede aufs Action-Pedal: "Cars 2" hat das Tempo eines Formel-1-Rennens, die Spannung eines James-Bond-Thrillers und die von Pixar gewohnte Bilderpracht. Mit wahnwitziger Geschwindigkeit gehen die vierrädrigen Stars Lightning McQueen und sein rostiger Abschleppkumpel Hook auf eine abenteuerliche Reise, von Radiator Springs über Tokio, Paris, und London bis zur italienischen Riviera. Doch leider bleibt fünf Jahre nach "Cars" bei der Fortsetzung der Story von sprechenden Autos etwas auf der Strecke. Die anrührende Herzlichkeit von Pixar-Hits wie "Toy Story", "Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf" und "Oben" kommt unter die Räder.

Pixars Kreativ-Chef John Lasseter, ein selbsterklärter Autofan, bedient sich am Charme von James Bond und an der ohrenbetäubenden Action von Grand-Prix-Rennen. Wer schnelle Autos, quietschende Reifen und Non-Stop-Action mag, der kommt bei "Cars 2" voll auf seine Kosten. Durch die 3D-Brille sind die Verfolgungsjagden noch explosiver und die prächtigen Welt-Kulissen noch realistischer.

Da ist kaum Platz für nostalgische "Cars"-Gefühle. Damals landete der rote Flitzer Lightning McQueen versehentlich in Radiator Springs, einem Wüstenkaff mit 50er-Jahre-Flair und einem bunten Sammelsurium liebenswerter Autos mit kleinen Dellen und großen Träumen. Der klapprige Abschleppwagen Hook wurde zu seinem besten Kumpel. Der schnittige Sportwagen lernte seine Lektion, dass es unter der Motorhaube auf wahre Freundschaft und Vertrauen ankommt.

In "Cars 2" wird die Freundschaft des ungleichen Paares auf die Probe gestellt. Natürlich hauchen Lasseter und Ko-Regisseur Brad Lewis ihren Helden aus Metall wieder Gefühle ein. Hook gerät geradezu in eine Lebenskrise, als McQueen seinem trampeligen Buddy vorwirft, er würde seine Rennkarriere vermasseln. Doch dann drehen die Pixar-Animateure gnadenlos auf.

Der rote Flitzer gibt in einem Grand Prix-Wettkampf mit aufgemotzten Konkurrenten lautstark Gas. Hook fällt unterdessen dem britischen Geheimdienst in die Hände, der hinter der Rostschicht einen getarnten Spion vermutet. So beginnt eine wilde Hetzjagd rund um die Welt, in der es nur so kracht und quietscht, wie in einem knallbunten Videospiel.

Wie bei James Bond jagt eine spektakuläre Kulisse die nächste, von Tokios Neonwelt über die Wahrzeichen von Paris und London zur sonnigen italienischen Riviera. Der Auftakt kann sich mit den spannendsten Agententhrillern messen. Finn McMissile, ein britischer Spion auf Rädern, kann sich per Knopfdruck in ein Motorboot verwandeln. Auf einer geheimen Ölbohrinsel mitten im Ozean trifft er auf den gewieften Bösewicht Professor Z mit der Karosserie eines 50er Jahre Zündapp-Models. Der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann leiht ihm im Original und in der deutschen Fassung seine Stimme.

Sir Michael Cain spricht den Geheimagenten McMissile. Die deutsche Version vertonte Dietmar Wunder, der als Stimme von Daniel Craig alias James Bond perfekt passt. Auch die Ölbohrinsel passt wie geschmiert in die Story, denn Rennautos verbrauchen Sprit, und so soll es nach den Wünschen der Bande um Professor Z auch bleiben. Von wegen umweltfreundlicher Treibstoff, wie ihn Lightning McQueen in seinem Tank hat.

Nach viel Auspuffgasen, Adrenalin und internationalem Jet-Setting kehrt "Cars 2" ins verstaubte Radiator Springs zurück. Und so kommen am Ende noch all jene Kinogänger auf ihre Kosten, die mit dem beschaulicheren Vorgänger besser fuhren.

Barbara Munker, DPA DPA

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