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"Children of Men": Zukunftsapokalypse ohne Nachwuchs

Im Jahre 2027 sind aus mysteriösen Gründen alle Frauen unfruchtbar, die Menschheit stirbt aus, es herrscht Anarchie. Doch plötzlich taucht eine Schwangere auf. "Children of Men" ist ein düsterer Zukunftsthriller mit hochkarätiger Besetzung.

Wir schreiben das Jahr 2027, und die Lage ist trauriger denn je: Denn seit 19 Jahren ist auf dem gesamten Globus kein einziges Baby mehr geboren worden. Und wo es keine Kinder mehr gibt, da gibt es auch keine Zukunft mehr. Die Welt versinkt in Chaos, Unruhen und Nihilismus. In Großbritannien geht es noch recht geordnet zu, doch um den Preis einer Militärdiktatur. Diese behandelt gnadenlos all die Flüchtlinge, die sich vor offenbar noch schlimmeren Zuständen in ihrer Heimat auf die Insel gerettet haben.

Der Londoner Regierungsangestellte Theo, früher ein kritischer politischer Aktivist, erträgt sein Los in einer völlig freudlosen, depressiven Gesellschaft mit Gleichmut und Alkohol. Ein Lichtblick in seinem Dasein ist die alte Freundschaft zu Jasper, einem ergrauten Hippie und Karikaturisten, der sich in ein Häuschen im Wald verzogen hat, um möglichst großen Abstand zu einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft zu halten. Doch die Begegnung Theos mit seiner früheren Frau Julian reißt den Mann in einen Strudel dramatischer Ereignisse.

Ausgelöst werden diese von der jungen schwarzen Flüchtlingsfrau Kee, die das ist, worauf der ganze verzweifelte Planet so sehnsüchtig wartet: schwanger! Julian will nun mit ihrer Gruppe von militanten Regimefeinden die kostbare Schwangere außer Landes bringen. Dieser Versuch, in den Theo höchst unfreiwillig hineingezogen wird, bringt alle Beteiligten in große Gefahr, und einige müssen dabei ihr Leben lassen. Schließlich ist es ausgerechnet Theo, von dem es abhängt, ob Kee mit dem Baby, das sie unter chaotischen Bedingungen zur Welt bringt, gerettet werden kann.

Handlung mit logischen Defiziten

Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuaron, der Regie bei der letzten "Harry Potter"-Folge führte, hat die Kino-Apokalypse "Children of Men" mit großem Etat und Aufwand in Szene gesetzt. Mit Clive Owen als Theo, Julianne Moore als Julian und dem brillanten Michael Caine als Jasper kann Curaon drei hochkarätige Stars in den Hauptrollen präsentieren. Sehr eindrucksvoll zeigt der actionhaltige Film den Schrecken einer Welt ohne Kinder und damit ohne Hoffnung. Wenn Wildtiere durch verlassene Schulen und Kindergärten streifen, dann sind das sogar Bilder von düsterer Poetik, die unter die Haut gehen.

Leider aber hat die Handlung einige logische Defizite. Zu oft bleibt nämlich unklar, warum die Personen so handeln, wie sie es tun. Und warum ausgerechnet Kee ein Kind bekommt, wird auch nicht klar. Vielleicht auch nur deshalb, weil Cuaron und seine Drehbuchautoren trotz des spektakulären Grundeinfalls einer weltweiten Unfruchtbarkeit allzu klischeehaft die Geschichte entwickeln. Die einheimischen Briten sind die Bösen, die Flüchtlinge die Guten und wenn schon Baby, dann muss es ein schwarzes sein, das mitsamt seiner Mutter von einem weißen Außenseiter gerettet werden soll. Der phasenweise atemberaubend spannende Film verschenkt leider viel von seiner möglichen Wirkung mit diesem Übermaß an politischer Korrektheit, schade.

Wolfgang Hübner/AP / AP