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"Der Rote Elvis": Der "linke Yankee" der DDR

Aus Überzeugung siedelte Dean Reed 1972 von den USA in die DDR über. Doch auch im "Arbeiter- und Bauernstaat" wurde der Sänger und Schauspieler nicht glücklich - und fand 1986 ein tragisches Ende. Ein Dokumentarfilm widmet sich dem Leben des "roten Elvis".

Auf der Berlinale feierte der Dokumentarfilm im Februar Premiere. Nun kommt "Der Rote Elvis" in die deutschen Kinos. Es ist die Begegnung mit einem Mann, der sich für den Sozialismus und schöne Frauen begeisterte, aber an Heimweh und unerfüllten Hoffnungen zerbrach. Am 17. Juni 1986 wurde aus dem Zeuthener See in Brandenburg die Leiche des Amerikaners geborgen. Offiziell galt ein Unfall als Todesursache.

Heimweh nach Amerika

Doch der lange Zeit liebste Amerikaner des SED-Regimes hatte Selbstmord begangen, daran gibt es keinen ernsthaften Zweifel mehr. Reed hatte nicht nur an der zerrütteten Ehe mit dem ostdeutschen Filmstar Renate Blume gelitten, sondern auch unter sinkender Popularität in der Spätphase der DDR. Und Reed hatte wohl auch unter Heimweh nach jenem Amerika, das der 1938 in Denver/Colorado geborene Farmersohn politisch bekämpfte und in dem ihm einst die erhoffte große Show-Karriere verwehrt geblieben war.

Grüns sehenswerte Dokumentation zeigt spannend die Lebensstationen eines ruhelosen Sonnyboys. Reed war in Lateinamerika bereits populär als bekennender "linker Yankee", als er 1972 in die DDR zog und dort von den Machthabern mit offenen Armen empfangen und allen Privilegien ausgestattet wurde. Bis zu seinem Tod im See spielte Reed in 20 Filmen mit, produzierte 13 Musikplatten und gab Konzerte in 32 Ländern, vorwiegend natürlich in denjenigen des kommunistischen Machtbereiches jener Zeit.

Etliche prominente Wegbegleiter Reeds kommen in der Dokumentation zu Wort, darunter der Schauspieler Armin Mueller-Stahl und der letzte SED-Staatsratsvorsitzende Egon Krenz. Mueller-Stahl schildert den vergeblichen Versuch, Reed 1976 zur Unterschrift unter die Künstlerresolution für den ausgebürgerten Wolf Biermann zu bewegen. Und Krenz gibt unumwunden zu, dass das SED-Regime den US-Sänger für die eigene Propaganda instrumentalisiert habe. Schwierig war das allerdings nicht, denn Reed, der gleichwohl stets im Besitz und allen Vorteilen seines US-Passes blieb, pries nur allzu gerne den Sozialismus. Bei militanten Palästinensern setzte sich Reed mit sichtlicher Begeisterung als Kämpfer mit umgehängter Maschinenpistole in Pose. Diese Szenen wirken heute ebenso peinlich wie die Auftritte in einigen DDR-Filmen und öffentlichen Veranstaltungen. Aber Reed bewies bei einem Auftritt im US-Fernsehen im Todesjahr 1986 durchaus Mut, als er die Politik des damaligen Präsidenten Ronald Reagan scharf kritisierte.

Tom Hanks plant Spielfilm um Reeds Leben

Wenig rühmlich ist allerdings das Bild, das seine erste Ehefrau und eine seiner Geliebten vom Privatleben des notorischen Frauenhelden zeichnen. Reeds Witwe Renate Blume kommt zwar in alten Aufnahmen ins Bild, stand aber für "Der Rote Elvis" nicht als Gesprächspartnerin zu Verfügung: Sie hat die Rechte an ihrer Geschichte für einen unbekannten Betrag bereits an Hollywoods Superstar Tom Hanks verkauft. Der will das Leben seines tragisch geendeten Landmanns mit sich selbst in der Hauptrolle ins Kino bringen. Dean Reed könnte also doch noch eine postume Hollywood-Karriere machen.

Wolfgang Hübner/AP / AP