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"Eden": Das Paradies liegt im Kochtopf

Es ist die erste Hauptrolle von Ex-"Viva 2"-Moderatorin Charlotte Roche: In "Eden" spielt sie eine junge Frau, die durch die Freundschaft mit dem fülligen Koch Gregor (Josef Ostendorfer) wieder Sinnlichkeit in ihre Ehe bringt.

Von Kathrin Buchner

Dass Liebe durch den Magen geht, ist nichts Neues und wurde auch in diversen Filmen schon seziert: "Chocolat", "Bella Martha", "Das große Fressen", "Babettes Fest", "Bittersüße Schokolade" oder "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" - all diese Filme thematisieren die Erotik des Essens.

Jetzt auch "Eden", ein kleiner, feiner Film von Michael Hofmann ("Sophiiiie!"), benannt nach dem Vornamen der Hauptfigur. Ihr Leben ist alles andere als paradiesisch: Die Kellnerin lebt in einer miefigen Kurstadt im Schwarzwald, ihr Mann bringt älteren Damen und Herren Tanzen bei und hängt nach der berufsbedingten Charmeattacke an seinem Feierabend lieber mit den Kumpels am Stammtisch ab, anstatt sich um seine Frau zu kümmern.

Dann lernt Eden den mit einem riesigen Kugelbauch ausgestatteten Gregor kennen. Sein Lebensinhalt ist Kochen und Essen. Mit ausgefallenen Kreationen verführt er die gut zahlenden Gäste in seinem kleinen, immer ausgebuchten Restaurant. Eden wird zu seiner Muse: Mit Stierhoden-Gulasch und Schoko-Chili-Mousse stimuliert er ihre Genussfähigkeit, während sie ihn zu wagemutigen Experimenten anregt: Schoko-Cola-Sauce zum Beispiel, mit der er das Herz von Edens Tochter Leonie gewinnt.

Der Film braucht wenig Worte, es ist ein sehr leises, zartes Werk und erinnert an französische Kunstfilme. Von der ehemals aufgekratzten, schlagfertigen "Viva 2"-Moderatorin ist Charlotte Roche bei ihrer ersten Filmhauptrolle meilenweit entfernt. Überzeugend und sehr reduziert spielt sie die duldende, passive und etwas naive Ehefrau. Lange hatte sie darauf gewartet, das richtige Drehbuch für ihre Leinwand-Premiere zu finden. Erst von Hofmanns sinnlicher Tragödie war sie hundertprozentig überzeugt. Auch Joseph Ostendorf ist großartig als schrulliger Meisterkoch, der seine unterdrückte Sexualität in der Küche auslebt.

Die Bilder sind dafür umso expressiver und facettenreicher: die Prozedur des Essenszubereitens wird in allen Details gezeigt, an Bilder von Blut, Innereien und Gedärmen wird nicht gespart. Aber man sieht ihm gerne zu, wie Gregor mit wollüstiger Inbrunst Gänse zupft, Würste stopft, Gewürze stampft, Fische entgrätet, Schokoladensauce erhitzt. Es brodelt und blubbert in allen Töpfen, und man muss kein Tiefenpsychologe sein, um das als Allegorie für das Verhältnis zwischen Eden und Gregor zu deuten. Die Küchenbilder mit ihrer fast barocken Opulenz stehen in starkem Kontrast zu der miefigen Atmosphäre der Kleinstadt, die Regisseur Hofmann bewusst sehr realistisch in Bad Herrenalb gedreht hat.

Diesen oralen Sinnesgenuss sollte man definitiv nicht allein ansehen. Und am besten bucht man danach auch noch einen Tisch in einem guten Restaurant. Denn trotz des dramatischen Fortgangs und phasenweiser Überzuckerung ist "Eden" wie ein gutes Menü: sättigend und doch anregend.

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