»EIN MANN SIEHT ROSA« Cooler als Schwuler


Jetzt bloß keine Berührungsängste: Trotz des albernen Titels beschert die französische Komödie »Ein Mann sieht rosa« einen vergnüglichen Kinoabend.

Eigentlich dürfte diese Komödie gar nicht funktionieren. Ein »Schwulenfilm«, der nicht mehr Männererotik bietet als Ernie und Bert in der Sesamstraße und in dem Homosexuelle gerade mal in Nebenrollen auftauchen. Und dieser Titel! »Ein Mann sieht rosa«, das klingt nach Peter Alexander in »Charlys Tante«. Im französischen Original heißt der Film »Le Placard« (»Der Schrank«), was wenigstens an die Umschreibung fürs Coming-out erinnert - »aus dem Schrank kommen«.

Der Film klappt aber ganz wunderbar - denn Regisseur und Drehbuchautor Francis Veber (»Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh«) sieht nicht nur rosa, sondern auch genau hin. Schön gemein karikiert er die Unsicherheiten vieler Heterosexueller, wenn sie erstmals bewusst mit schwulen Männern zu tun haben. Daniel Auteuil spielt den armen Tropf Francois, dem die Frau weggelaufen ist, den der Sohn nicht sehen mag und die Kollegen für einen Trottel halten. Als er auch noch seinen Job in der Gummiwarenfabrik verliert, ist er am Ende. Da bringt ihn sein Nachbar auf die Idee, sich als schwul auszugeben.

»Wenn wir den feuern«, sagt sein Chef, »sitzt uns die Schwulenbewegung im Nacken.« Also darf Francois bleiben. Aber sonst bleibt nichts, wie es war: Plötzlich steht er wegen seines vermeintlich wilden Privatlebens im Mittelpunkt des Interesses. Alles, was der falsche Homosexuelle tut, wird nun als typisch schwul ausgelegt. Die Mitarbeiter der Firma umsorgen ihn mit übertriebener Freundlichkeit.

Der Schlimmste ist sein Feind Félix (Gérard Depardieu): Der Trainer der Betriebs-Rugbymannschaft ist genauso überzeugt davon, »eine Schwuchtel« auf hundert Meter zu erkennen, wie er Angst hat, selbst gefeuert zu werden, wenn er nicht ganz lieb zu Francois ist. Und während der Macho in die Sinnkrise schliddert, entdeckt der Schwulendarsteller sein Selbstbewusstsein: »Seitdem man mich für schwul hält, benehme ich mich wie ein Mann.« Und so wird aus einem, der sich als komischer Vogel ausgegeben hat, schließlich ein passabler Schwan.

Werner Hinzpeter


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