"Frei:Gespielt" Der Mann fürs Vorspiel


Sympathie und Bayern München - das passt irgendwie nicht zusammen. Nur einer hat es geschafft, über Bayerns Grenzen geliebt zu werden: Mehmet Scholl. Der Dokumentarfilm "Frei:Gespielt" setzt dem Bayern der Herzen ein Denkmal.
Von Katharina Miklis

"Mein Körper besteht aus 68 Kilogramm stahlharter Erotik" - mit diesen Worten machte Mehmet Scholl zu Beginn seiner Karriere Lust auf Fußball. Es war die Zeit, in der sich junge Mädchen plötzlich Poster von Fußballern übers Bett hingen und immer mehr Mütter ihre Kids zum öffentlichen Training begleiteten. Mit seinem lausbübischen Charme, seiner Schlagfertigkeit und seinem verschmitzten Humor ließ Mehmet Scholl die Frauenquote in der Fankurve ansteigen. Und das, obwohl er wegen seinen Verletzungen oft auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.

Immer nur Vorspiel, nie Höhepunkt

Der Dokumentarfilm "Frei:Gespielt. Mehmet Scholl - Über das Spiel hinaus" von Eduard Augustin und Ferdinand Neumayr ist eine Hommage an einen der letzten großen Straßenkicker und versucht das Phänomen Mehmet zu erklären. Und er lässt die wahrhaft schicksalshafte Karriere des Ausnahmespielers Revue passieren. Bänderdehnungen, Zerrungen, Faserrisse... Immer wenn Mehmet Scholl kurz vor seinem ganz großen Durchbruch stand, machte ihm sein Körper einen Strich durch die Rechnung. Seine Karriere war immer nur Vorspiel, nie Höhepunkt. "Und die Tiefen waren tiefer als die Höhen hoch", so Scholl selbst über seine Fußballerlaufbahn. Und trotzdem hat er etwas geschafft, was für einen Bayern-Spieler fast unmöglich ist: Er wird von allen geliebt.

Während andere Bayern-Spieler bei Auswärtsspielen ausgepfiffen und ausgebuht werden, wird Mehmet Scholl überall vergöttert. Von Beginn seiner Karriere an ist er der Teenieschwarm - der Popstar des Fußballs. "Bravo"-Boy Scholli brachte den "i-Faktor" ins Spiel. So sieht es auch Filmemacher Augustin. Hießen die Bayernstars von einst noch Bomber, Kaiser oder Kobra, "wurde Mehmet zur Leitfigur einer aufkommenden Jugendkultur und damit zum Vorreiter für all die Schweinis und Poldis".

"Mehmet Scholl ist der legitime Nachfolger von Franz Beckenbauer"

Den Rahmen für das filmische Porträt bildet Mehmet Scholls letztes Spiel am 19. Mai 2007 (5:2-Sieg der Bayern gegen Mainz 05). Die Kamera begleitet den Kult-Kicker in den letzten 48 Stunden seiner Fußball-Karriere - vom letzten Training, der letzten Pressekonferenz, über den Vorabend des Spiels bis zum Abpfiff. Aber es gibt auch viele Rückblenden in Mehmets Kindheit und die Anfänge beim Karlsruher SC. Der einst so medienscheue Fußballstar schwelgt scheinbar gerne in Erinnerungen. Vielleicht ein Ergebnis der familiären Stimmung am Set. Kameramann Igor Luther ("Die Blechtrommel") ist Mehmet Scholls Schwiegervater.

Zwischendurch kommen die unterschiedlichsten Promis zu Wort: Harald Schmidt, Oliver Kahn, Lukas Podolski, Herbert Grönemeyer, Joschka Fischer, MTV-Moderator Markus Kavka... Sie alle verbindet die Sympathie für den 36-jährigen Bayern-Profi, den man einfach lieben muss. Sportreporter Waldemar Hartmann bringt es in "Frei:Gespielt" auf den Punkt: "Mehmet Scholl ist der legitime Nachfolger von Franz Beckenbauer. Er könnte die größte Schweinerei machen und mit einem verschmitzten Lächeln wäre alles wieder ok." "Selbst wenn man die Bayern noch so sehr hasst", so Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller, "dem Mehmet, dem gönnt man einfach alles!" Aber auch Mehmet selbst hat in "Frei:Gespielt" viel zu erzählen. Von seiner Zeit im "Haifischbecken" FC Bayern, von seinen Höhen und Tiefen.

Die Ära des letzten Straßenfußballers Deutschlands ist vorbei. Beim Rekordmeister Bayern München trägt nun Ribéry Mehmets Nummer 7. Und Mehmet will jetzt erst einmal mit den Sportfreunden Stiller auf Tournee gehen. Als Praktikant. "Das sei schon seit Jahren abgemacht", verriet er der Münchner "Abendzeitung". Obwohl er "stimmtechnisch noch schlechter drauf ist wie wir", so Sportfreunde-Stiller-Sänger Peter Brugger im stern.de-Interview. An Ideen für seine Zukunft mangelt es dem Frühpensionär nicht. Vielleicht wird er irgendwann seinen Traumberuf "Spielerfrau" verwirklichen. Zumindest will er jetzt erstmal anfangen "zu rauchen und zu trinken". Schlussendlich kann man Mehmet Scholl nur danken. Dafür, dass er den Fußball so attraktiv gemacht hat. Und dafür, dass er uns gezeigt hat "woher der Hase weht. Oder wo der Wind läuft..." Servus, Scholli!

Die Ära des letzten Straßenfußballers Deutschlands ist vorbei. Beim Rekordmeister Bayern München trägt nun Ribéry Mehmets Nummer 7. Und Mehmet will jetzt erst einmal mit den Sportfreunden Stiller auf Tournee gehen. Als Praktikant. "Das sei schon seit Jahren abgemacht", verriet er der Münchner "Abendzeitung". Obwohl er "stimmtechnisch noch schlechter drauf ist wie wir", so Sportfreunde-Stiller-Sänger Peter Brugger im stern.de-Interview. An Ideen für seine Zukunft mangelt es dem Frühpensionär nicht. Vielleicht wird er irgendwann seinen Traumberuf "Spielerfrau" verwirklichen. Zumindest will er jetzt erstmal anfangen "zu rauchen und zu trinken". Schlussendlich kann man Mehmet Scholl nur danken. Dafür, dass er den Fußball so attraktiv gemacht hat. Und dafür, dass er uns gezeigt hat "woher der Hase weht. Oder wo der Wind läuft..." Servus, Scholli!


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